Magazinrundschau

Das ist reines Zocken

Ein Blick in internationale Magazine. Jeden Dienstag ab 10 Uhr.
25.03.2013. Le Monde fragt, wer ist der Guru von Beppe Grillo und präsentiert Gianroberto Casaleggio als leicht unheimliche New-Age-Figur. Espresso bringt ein apokalyptisches Video Casaleggios. The Atlantic erzählt, warum der jordanische König nicht so demokratisch sein kann wie er möchte. Elet es Irodalom stellt ein Buch über "Ungarische Besatzungstruppen in der Sowjetunion" vor. La vie des idees erzählt, wie man in Frankreich den Tod laizisiert hat. Im Guardian erklärt Taiye Selasi, warum sie die Frage "Wo kommst du her?" kaum beantworten kann. Fast Company lernt von Kickstarter, warum Mädchen mit Lithografieprojekten immer zu bevorzugen sind. Wired möchte nicht Verleger sein.

Le Monde (Frankreich), 14.03.2013

Ziemlich anders kann einem werden, wenn man Philippe Ridets bestens informiertes Porträt über den "Guru von Grillo", Gianroberto Casaleggio, liest, der Beppe Grillos Blog zu einer der meistbesuchten Seiten der Welt aufgebaut hat und nebenbei an ein ziemlich sektenähnliches New-Age-Gewaber glaubt. Wie das Netz funktioniert, hat er aber bestens verstanden - seine Formel: "'Hundert Prozent der Informationen im Netz werden von zehn Prozent seiner Nutzer produziert.' Diese zehn Prozent will Casaleggio ansprechen. Darum werden alle kritischen Kommentare auf Grillos Blog systematisch gelöscht, während die 'Grillinauten' überall sonst im Netz ihre Meinungen verkünden. Italien zeichnet sich durch seinen Rückstand beim schnellen Internet aus, aber das stört den Guru nicht: 'Wer eine politische Biotschaft im Netz empfängt, tut es aus eigenem Willen. Er gibt sie weiter an seine Freunde per Facebook, an seine Eltern, seine Geschwister, abends beim Essen. Die virale Verbreitug der Message kompensiert sehr weitgehend die Grenzen des Netzes in Italien.'"
Archiv: Le Monde

Espresso (Italien), 20.03.2013

Grillo-Berater Gianroberto Casaleggio ist auch Autor eines programmatischen Internetvideos, "Gaia - The future of politics", dessen an Power Point gemahnende Bildsprache Marco Belpoliti in L'Espresso analysiert: Casaleggio sagt darin eine Apokalypse voraus, die die Erdbevölkerung auf eine Milliarde Menschen reduziert, bevor der im Besitz des Internets befindliche Westen die Kräfte des Bösen besiegt und eine Grassroots-Regierung ganz ohne Geheimgesellschaften und ein kollektives, per Netz kommunizierendes Bewusstsein installiert: "Wer ein solches Video realisiert, ist tief in der Kultur der siebziger Jahre verwurzelt und hat das apokalyptische Denken dieser zwischen Vergangenheit und Zukunft schwankenden Epoche zutiefst verinnerlicht und mit den Ideen verbunden, die sich in den achtziger und neunziger Jahren an den Personalcomputer knüpften. Das Anfangsbild mit dem azurblauen Planeten Gaia von James Lovelock als Hintergrund und das Schlussbild mit dem wie ein Planet rotierenden blauem Gehirn erinnern unweigerlich an Stanley Kubricks '2001'. Wähnt sich der Guru der Fünf-Sterne-Bewegung an den Schalthebeln von HAL 9000?"

Hier das (englischsprachige) Video:


Archiv: Espresso