In eigener Sache

Drei Jubiläen!

07.04.2002. Der Perlentaucher feiert drei Jubiläen: Er begrüßt die 15.000ste Notiz und das 10.000ste Buch in seiner Datenbank. Er ist seit zwei Jahren am Netz. Und die Suche geht jetzt auch!
Fast hätten wir es selber nicht gemerkt: Der Perlentaucher feiert Jubiläum, und zwar nicht nur eines, sondern drei:

Vor drei Wochen verfassten wir die fünfzehntausendste Rezensionsnotiz zu einem Buch, das in den von uns ausgewerteten Zeitungen besprochen wurde. Vor ein paar Tagen begrüßten wir das zehntausendste Buch in unserer Datenbank: Jorge Sempruns "Der Tote mit meinem Namen" (das erste war übrigens Michel Houellebecqs Roman "Elementarteilchen"). Und der Perlentaucher ist jetzt seit zwei Jahren am Netz. Der 15. März 2000 war unser Gründungs- und unser erstes Erscheinungsdatum. Seitdem haben wir Tag für Tag unsere Feuilleton- und unsere Bücherpresseschau geliefert. Ein paar mal waren wir zu spät, weil wir (oder unser Wecker) ein technisches Problem hatten - aber ausgefallen ist der Perlentaucher nie. Unsere Benutzerzahlen haben sich seitdem verfünffacht. Von 100.000 Seitenaufrufen in den ersten Monaten auf 531.000 im März 2002. Über 150.000 Besucher kommen im Monat bei uns vorbei und rufen im Schnitt etwa 3 bis 4 Seiten auf. 70.000 Besucher lassen sich wenigstens einmal im Monat blicken. Unsere Newsletters - die tägliche Feuilletonpresseschau und die wöchentliche Magazinrundschau - haben über 5.000 Abonnenten.

Leicht war's nicht immer. Der 15. März 2000 - das war mehr oder weniger der Tag des höchsten Börsenstandes. Im Internet herrschte Verzückung. Yahoo war mehr wert als Daimler-Chrysler. Zum Glück war der Perlentaucher kein Start-up. Er startete mit 60.000 Mark, dem berühmten Geld von Freunden und Verwandten. Fremdkapital haben wir nicht gesucht. Wir hatten eine publizistische Idee und wollten nicht, dass ein Kapitalgeber da hineinredet. Und so konnte uns am Ende auch kein Investor den Stecker aus der Wand ziehen, um den Rest seines Kapitals zu retten. Hätten wir damals ein paar Millionen Mark Startkapital bekommen - so würde der Perlentaucher heute wohl nicht mehr existieren.

Also waren wir von Anfang auf Einnahmen angewiesen und fanden auch schnell zwei große Kooperationspartner - die dann aber auch schnell absprangen, als sie in den Würgegriff der Krise gerieten. Wir haben's überlebt! Gerettet hat uns unter anderem die Einzelbuchwerbung im blauen Fenster: Sie blinkt nicht, und sie wird trotzdem häufiger angeklickt als andere Werbung im Netz. Gerettet hat uns, dass einige Verlage ihr Interesse erkannten, im Netz vorhanden und vertreten zu sein. Immerhin hat heute die Hälfte der deutschen Bevölkerung einen Zugang zum Netz. Und immerhin informieren sich heute 20 Prozent der Internetnutzer online über ein Buch, bevor sie es - online oder offline - kaufen. Gerettet hat uns schließlich unser Geschäftsführer Niclas Seeliger, der weiß wie man mit wenig Geld spart.

Unseren Service haben wir seit dem 15. März 2000 erheblich ausgeweitet. Hubertus Volmer schreibt wöchentlich seine Branchenkolumne über die Buchmacher. Daniel Lenz und Hubertus Volmer durchkämmen für die Teletaucher das Fernsehprogramm nach Sehbarem. Daniel Lenz hat auch die Autorenforen für uns betreut. Wir bekommen Post: von Ute Thon aus New York, von Gabriella Vitiello aus Neapel oder von Isabel Koehler und Bernd Schuldt aus der Antarktis (die beiden sind leider inzwischen abgereist!) In Links des Tages haben wir Dossiers über Pierre Bourdieu, über Astrid Lindgren und W. G. Sebald, aber auch zum Nobelpreis von V. S. Naipaul und zu Hintergründen zum 11. September (hier und hier) zusammengestellt. Und zur letzten Berlinale lieferten wir unsere erste tagesaktuelle Kolumne, verfasst von Sascha Josuweit, Ekkehard Knörer, Anja Seeliger und dem Autor dieser Zeilen: Außer Atem.

Und man könnte noch so viel machen!

Unser Jubiläum haben wir begangen, indem wir unsere Seiten technisch runderneuerten. Adam Cwientzek, der Mozart des html-Codes in der Perlentaucher-Equipe, hat vor ein paar Wochen die Frames im Perlentaucher abgeschafft. Für den Nutzer ist dieser Unterschied zunächst kaum zu sehen, aber die Vorteile sind eklatant. Bei einer Internetadresse mit Navigations- und Subframes ändert sich der Link nicht. Bei einer Adresse ohne Frames hat jede Seite ihren eigenen Link. Dies war vor allem wichtig, um unsere Suche zu verbessern, die bisher ein wenig die Achillesferse des Perlentauchers war. Die Büchersuche funktionierte nur eingeschränkt, und eine Volltextsuche für unsere Artikel hatten wir überhaupt nicht.

Nun funktioniert beides. Sehen Sie sich unsere Büchersuche an: Sie erlaubt sehr differenzierte Suchabfragen. Sie können zum Beispiel thematisch suchen. Suchen Sie Romane, die in Paris spielen, dann geben Sie die Suchkategorie "Romane/Erzählungen" ein und schreiben "Paris" in die Stichwörter. Mit 29 Romanen, die in den letzten zwei Jahren besprochen wurden, können Sie dann ihre Reise vorbereiten. Sie können übrigens auch die Rezensentennamen in die Stichwörter eingeben, falls Sie auf einen bestimmten Kritiker schwören. Sie können auch nachfragen, wie viele Bücher des Hanser-Verlags seit dem 1. Januar 2002 in den von uns ausgewerteten Zeitungen besprochen wurden (genau 39). Stichwörter wie "Islam" oder "Afghanistan" fördern inzwischen ganze Bibliografien zutage. Und stets fördern die Suchabfragen auch die Rezensionsnotizen zutage, das heißt, sie wissen, welche Zeitung wann ein bestimmtes Buch rezensierte.

Fast noch stolzer sind wir auf unsere Volltextsuche. Hierfür müssen Sie einfach bei der Suchmaske auf unserer Homepage die Suchoption "Artikel" anklicken und ein Stichwort eingeben: Wo und wann beklagte noch einmal Abbas Baydoun die "Krise der arabischen Intellektuellen"? Genau, es war am 9. November 2001 in der FAZ. Wann schrieb Niklas Maak noch mal seinen Artikel über das Architekturbüro Herzog & de Meuron? Am 3. April 2001 (ach, und da war er bei der SZ?) Ein Jahr lang reicht unsere archivierte Feuilletonrundschau immerhin zurück, bis zum 31. März 2001. An der Magazinrundschau müssen wir noch arbeiten und sie zum Teil von Hand neu in die Datenbank einstellen. Aber auch das wird in den nächsten Wochen geschehen. Und so wird aus dem Perlentaucher nebenbei und mit der Zeit ein kleines, aber intensiv vernetztes Kulturportal.

Also: Suchen Sie und finden Sie und bleiben Sie uns treu.

Thierry Chervel