AUSSER ATEM: DAS BERLINALE BLOG

Kampfgetrommel und Schlachtgesänge

20.02.2018. Sei ein Nazi! José Padilhas Wettbewerbsfilm "7 Tage in Entebbe". Die Unberührbare: Emily Atefs Romy-Schneider-Film "3 Tage in Quiberon". Nur Schock, keine Bedeutung: Erik Poppes Wettbewerbsfilm "Utøya 22. Juli". Jugend in Paris: Claire Simons "Premières solitudes" und Jean Paul Civeyracs "Mes Provinciales". Leidenschaft im homophoben Brasilien: "Tinta Bruta" von Marcio Reolon und Filipe Matzembacher. Alles Betrüger in "The Real Estate" von Axel Petersen und Mans Mansson ...

BÜCHERSCHAU DES TAGES

Antworten, die schon gestern gescheitert sind

19.02.2018. Die FAZ bespricht Hörbücher: besonders gut gefallen hat ihr Katharina Thalbachs raue Einlesung der Gedichte Mascha Kalekos und ein Hörspiel zu William Faulkners "Licht im August", das die Kritik am Rassismus durch Überbetonung rassistischer Wörter kenntlich mache. Die SZ liest mit Interesse Martin Mosebachs Reportage über seine Reise zu den Kopten, hätte aber auf die Nachhilfe in Kirchengeschichte verzichten können. Die taz empfiehlt wärmstens Zygmunt Baumans Diagnose unserer "Retrotopia".

MEDIENTICKER

Schläft ein Lied in allen Dingen

19.02.2018. Aktualisiert: Amazons Werbegeschäft: Ein Pickel, der brutal wächst & Die NZZ akzeptiert immer mehr Schleichwerbung - Türkei: Journalisten zu lebenslanger Haft verurteilt & "Der Sultan hat beschlossen, dass Yücel freigelassen wird", sagt Can DündarWird Political Correctness zum Problem? "Das ist doch blanker Hass", sagt Sibylle Lewitscharoff + Nachruf zum Tod des Jazz-Geigers "Monsieur 100.000 Volt" Didier Lockwood.

EFEU - DIE KULTURRUNDSCHAU

Verteilungskampf im kulturellen Gewand

19.02.2018. Berliner Zeitung und nachtkritik bewundern die hochkreative Selbstverschwendung des Castorf-Ensembles in Hamburg, wo drei Einakter von Eugene O'Neill gegeben wurden. Einige Altherrenwitze werden da gern verziehen. Darkroom und Dancefloor passen gut zusammen, erkennt die taz am Sound der Band Fischerspooner. Jeder kann den Kunstkanon in Frage stellen, auch Moralapostel, erinnert die NZZ.

9PUNKT - DIE DEBATTENRUNDSCHAU

Bürger kommt herunter vom Balkon

19.02.2018. Der Satz des polnischen Ministerpräsidenten Mateusz Morawiecki, es hätte auch jüdische Täter im Holocaust gegeben, empört unter anderem taz und Welt. Im Weekly Standard erklärt Steven Pinker, warum Identitätspolitik nicht aufgeklärt ist. In der NZZ zieht Ivan Krastev eine Parallele zwischen der liberalen Revolution in Osteuropa 1989 und heutigen Migrationsbewegungen. Wenn das Buch verschwindet, verschwindet auch die Wahrheit, fürchtet Florian Felix Weyh in seinem Dlf-Essay,

AUßER ATEM: DAS BERLINALE BLOG

Voraussetzung für zukünftige Utopien

15.02.2018. Heute abend eröffnet Wes Andersons Animationsfilm "Isle of Dogs" die Berlinale 2018. Über 300 Filme werden in den verschiedenen Sektionen über zehn Tage hinweg gezeigt. Hat der einzelne Film da überhaupt noch eine Chance? Ein Blick ins übervolle Programm. Von Anja Seeliger.

MAGAZINRUNDSCHAU

Hausaufgaben für die linke Gehirnhälfte

12.02.2018. Bloomsberg plaudert mit nordkoreanischen Hackern. Wo sind die Autoren aus der Arbeiterklasse, fragt die Schriftstellerin Kit de Waal Im Guardian. Autor Javier Cercas denkt in El Pais Semanal über Kunst und correctness nach. Fotograf Jeff Wall propagiert im Believer das eigene Urteil in der Kunst. Im New York Magazine fragt Quincy Jones: Was kennen diese jungen Musiker eigentlich? In Eurozine hofft der Historiker Ferenc Laczó auf eine Europäisierung des Holocaustgedenkens.

ESSAY

Erschöpfte ligne claire

08.02.2018. Das Festival international de la Bande dessinée von Angoulême ist immer noch maßgeblich, trotz seines Sexismus (es bisher kaum Frauen mit den wichtigen Preisen ausgezeichnet worden) und trotz einer zu starken Tendenz zu frankophonen Comics. Einige der gerade ausgezeichneten Werke setzen dennoch neue Akzente in dieser Kunst, zum Beispiel Marion Fayolles "Les Amours suspendues" und Nick Drnasos "Beverly". Von Stefanie Diekmann.

TAGTIGALL

Der Stein der Zukunft

07.02.2018. Morgen geht die Ausstellung "Urbans Orbit" im Literarischen Colloquium am Berliner Wannsee zu Ende. In ihr versammelten Andreas Tretner und Marie Luise Knott Einblicke in den Nachlass des Übersetzers Peter Urban, der letztes Jahr vom Deutschen Literaturarchiv übernommen wurde. Einige Kisten darin geben Aufschluss über die Entstehung der zweibändigen deutschen Werkausgabe des russischen Avantgarde-Dichters Velimir Chlebnikov (1885-1922), der als unübersetzbar galt. Oskar Pastior, Paul Celan und andere wagten es dann aber doch. Von Marie Luise Knott.

IM KINO

Giftiges Lila

07.02.2018. Da uns die Neustarts der aktuellen Woche eher kalt lassen, wagen wir einen Blick auf andere Bereiche des Kinos. Bisher nur auf Festivals zu sehen ist Paul Schraders calvinistischer Neo-Noir "First Reformed". Immerhin auf BluRay zu erwerben gibt es Takashi Miikes meisterliche Schwertkampfapokalypse "Blade of the Immortal". Von Lukas Foerster, Michael Kienzl.

ESSAY

Die kritische Differenz

17.01.2018. Wolfgang Ullrich preist in seiner Bilanz des "Superkunstjahres" 2017 die Freiheit des Kunstmarktes gegenüber dem Moralismus der Kuratorenkunst - aber er meint die Freiheit des ökonomisch Erfolgreichen. Wer mehr Freiheit in der Kunst will, müsste mehr (und nicht weniger) über soziale Differenz sprechen, die sich an Kategorien von Ethnie, Geschlecht, und eben nicht zuletzt auch ökonomischer Teilhabe manifestiert. Eine Replik
Von Eva-Maria Troelenberg.

FOTOLOT

Eingeschriebene Abwesenheit

04.01.2018. Alec Soth ist weniger Klassiker geworden, als dass er vielmehr von Anfang an wie ein Klassiker an die Sache heranging. Seine Bilder von Außenseitern und sanft insistierenden Panoramen haben ebenso viel mit der Gegenwart des US-Heartlands zu tun wie mit Landschaften von Ruisdael bis Corot. Die Hamburger Ausstellung läuft noch bis zum 7. Januar. Von Peter Truschner.