Heute in den Feuilletons

Heute in den Feuilletons

Die kommentierte Kulturpresseschau. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.
17.11.2005. In der Zeit sucht Zygmunt Bauman einen Platz für die Überflüssigen, findet aber keinen, und das ist neu. Die FR wundert sich über die ungewohnte Schüchternheit französischer Intellektueller angesichts der Jugendrevolten. Alice Schwarzer sieht diese Jugendrevolten allerdings als reine Jungenrevolten. Außerdem in der FAZ: Horst Bredekamp verflucht Hartmut Mehdorn. Die SZ erkennt keinen Skandal in der Weigerung des Beck-Verlags, ein Buch des italienischen Historikers Luciano Canfora zu verlegen. In der NZZ erklärt der Rocksänger (und mutmaßliche Kate-Moss-Geliebte) Pete Doherty sowohl seine Kunst als auch seine Sucht aus frühkindlichen Traumata.

Zeit, 17.11.2005

Im Literaturteil unterhält sich Elisabeth von Thadden mit dem britisch-polnischen Soziologen Zygmunt Bauman über die neue Krise der Moderne, die nutzlosen Menschenmassen und sein neues Buch "Verworfene Leben", in dem er auf den bildhauernden Michaelangelo verweist, der aus seinem Marmorblock Überflüssiges herausmeißeln musste, um Schönheit zu schaffen: "Das Angenehme wird nur erkennbar, wenn man das Nutzlose wegwirft. Was interessiert, ist die Harmonie des Produkts, der Abfall soll von den Müllmännern, den unbesungenen Helden der Moderne, entsorgt werden. Der Erfolg unserer sozialstaatlichen Demokratien beruhte lange Zeit auch darauf, dass wir den menschlichen und materiellen Abfall exportiert haben. Die Moderne ist von Anbeginn gekennzeichnet durch Wanderungsbewegungen zahlloser Menschen, die in den gesellschaftlichen Ordnungen ihrer Herkunftsländer nutzlos wurden, auswanderten und durch den Export ihres Lebensstils die Existenzgrundlagen in ihren Zufluchtsländern zerstört haben. Heute ist der Planet bis in die letzte Ecke besetzt. Es gibt keine Müllabladeplätze mehr. Die Überflüssigen fallen aus dem Klassensystem, aus jeder gesellschaftlichen Kommunikation heraus und finden nicht wieder hinein. Das ist das Neuartige der Krise."

"Die Zukunft der klassischen Musik liegt in China", hat Simon Rattle verkündet, bevor er mit den Berliner Philharmonikern nach Peking flog, um von dort aus auf Asientournee zu gehen. Claus Spahn ist mitgereist und den Hoffnungsträgern begegnet: dem Klassik-Impresario Long Yu ("Nadelstreifenanzug, ölig nach hinten gegeltes Haar und lange spitz rasierte Koteletten"), aber auch Professor Zhao Ping Guo, dem Lehrer des Star-Pianisten Lang Langs: "Mit im Schoß gefalteten Händen und einer Gelassenheit, die sich im ganzen Raum ausbreitet, spricht Zhao, und man würde gern herausfinden, ob die Professorenmilde einem strengen Zuchtmeisterton weicht, wenn seine Meisterschüler neben ihm sitzen. Aber vom Schleifertum in der chinesischen Musikerausbildung, über das so viel gemunkelt wird, will er nichts wissen. Nicht an diesem Vormittag."

Weiteres: Jens Jessen freut sich auf die Große Koalition und die erste deutsche Kanzlerin Angela Merkel, denen wir schon jetzt die Ausnüchterung eines "hysterischen Volkes" zu verdanken haben sowie "den Ruin aller großen Worte, simplen Rezepte und ideologischen Welterlösungshoffnung". Georg Diez beobachtet nun auch in der Theaterszene, wie das "dauernde Gerede vom Geldmangel und von der Krise der Haushalte und allem anderen" die Gehirne erweicht. Wieder eine Woche ohne Kulturstaatsminister, Thomas E. Schmidt hofft weiter auf jemanden, der einen "Schuss Freibeutermentalität" mit ins Amt bringt. Thomas Assheuer greift in der Randspalte den Fall des Gerard Menuhin auf, der nach rechtsradikalen Entgleisungen als Vorsitzender der Yehudi-Menuhin-Stiftung seinen Hut nehmen musste. Für ein wahres Abenteuer hält Hanno Rauterberg Zaha Hadids Wissensmuseum in Wolfsburg.

Ein "banges Herz" und "eine schwere, durch nichts zu lindernde Erschütterung" hat Hanns Zischler aus dem Film "L'Enfant" der Brüder Dardenne mitgenommen. Hören und Sehen ist Elisabeth von Thadden bei "Harry Potter und der Feuerkelch" vergangen.

Besprochen werden die Ausstellung "Superstar" in der Kunsthalle Wien ("Die Bunte ist da wesentlich präziser", lästert Diedrich Diederichsen über die wohl etwas unspezifische Schau), eine von Regisseuren erzählte Filmgeschichte auf DVD, das Album "Creole Love Call" des Funkposaunisten Nils Landgren und George A. Romeros Horror-Klassiker "Die Nacht der lebenden Toten".

Im Politikteil gibt es ein Interview mit Angela Merkel über die Koalitionsverhandlungen und Aussichten der Großen Koalition.

NZZ, 17.11.2005

Hanspeter Künzler hat in London Pete Doherty getroffen, der mit seiner neuen Band, den Babyshambles, das erste Album herausgebracht hat. Am besten findet Künzler den Track "Albion", der offenbar auf schwere Traumatisierungen zurückgeht: "Es war auch das erste Lied überhaupt, das Doherty schrieb, der bereits als Teenager-Dichter gut genug schien, um vom British Council auf Lesetournee nach Russland geschickt zu werden. ''Albion' entstand in der Schule', sagt er. 'Auf dem Pausenplatz schimpfen sie dich schwul, wenn du anders gekleidet bist. Zur Antwort kann man einen linken Haken austeilen. Oder man kann sich seine eigene kleine Welt bauen, sein Arkadien, und sich im guten Schiff Albion auf die Reise dorthin aufmachen.' Die Nachstellungen der Boulevardpresse seien ein Dreck im Vergleich zum Pausenplatz, lacht Doherty. 'Die Medien haben mich ins Gefängnis gebracht. Aber nichts ist so schlimm wie der erste Tag in der Schule, wenn dir einer mit voller Wucht eine faule Orange ins Gesicht knallt.'"

Antisemitische Verschwörungstheorien haben wieder Konjunktur, stellt Hanno Loewy, Leiter des Jüdischen Museum in Hohenems, fest. Ob im libanesischen Hisbollah-Fernsehen, in iranischen Freitagsreden, in der Erweckungsliteratur christlicher Fundamentalisten oder bei linken Globalisierungskritikern - überall fänden sich dieselben Fantasien über die Juden, Israel, Zion oder die Wall Street, seufzt Loewy: "Die realen Opfer solcher Weltherrschaftsphantasie, die von Verschwörung faselt, sind indes nur selten Juden, sondern die 'eigenen Leute', so wie die Inquisition ja auch nicht wirklich den 'Teufel' getroffen hat."

Besprochen werden außerdem David Sylvians neues Album "Snow Borne Sorrow", eine Ausstellung der Werke der Zürcher Sammlung Nathan in der Tübinger Kunsthalle, ein Sammelband mit Geschichten aus Südafrika "Yizo Yizo" und Michael Köhlmeiers Band "Nachts um eins am Telefon" (mehr in unserer Bücherschau ab 14 Uhr).

FR, 17.11.2005

Martina Meister fragt sich, warum die französischen Intellektuellen angesichts der Aufstände in den Vorstädten die Debatte scheuen und "nicht gegen die Misere der Vorstädte und den Offenbarungseid der politischen Klasse mobil machen: Man darf mit Rekurs auf die alten Bilder der Revolution, die im kollektiven Unbewussten eingeschrieben sind, in diesem Land auf die Barrikaden steigen, man darf Feuer machen, den Verkehr lahm legen, aber es muss an Forderungen gebunden sein. Die Symbole der Gewalt müssen mit einem Diskurs einhergehen. Die schwarzen und arabischen Jugendlichen sind indes völlig apolitisch. Sie entladen ihre Wut forderungslos. Sie gehorchen einzig und allein der Logik der Einschaltquote, eine Art mediales Cogito: 'Ich zünde, also bin ich.'"

Weitere Artikel: Sandra Danicke weiß, dass der zur Zeit an der Frankfurter Städelschule lehrende schottische Künstler Simon Starling ganz oben auf der Kandidatenliste für den diesjährigen Turner-Preis steht. Thomas Medicus macht sich in der Kolumne Times Mager Gedanken über die Blauäugkeit, mit der deutsche Sozialingenieure und Politiker die Ausdehnung der französischen Banlieuerevolten auf deutsche Migrantenquartiere für unmöglich halten.

Besprochen werden Benedict Andrews Inszenierung von David Harrowers "Blackbird" an der Berliner Schaubühne, Jean-Pierre und Luc Dardennes realistisches Melodram "L'enfant", (das Daniel Kothenschulte als mitreißend erzähltes Meisterwerk feiert), Mike Newells Film "Harry Potter und der Feuerkelch" (dessen Liebe zum beunruhigenden Detail den Film für Heike Kühn zum großen Wurf macht), Craig Brewers Film "Hustle & Flow" und Dagmar Knöffels Film über die tschechische Schriftstellerin Bozena Nemcova "Durch diese Nacht sehe ich keinen einzigen Stern".
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TAZ, 17.11.2005

Der UN-Gipfel zur Informationsgesellschaft in Tunis hat nicht viel, aber doch etwas mehr Transparenz für die Verwaltung des Internets gebracht, schreibt Matthias Spielkamp auf der Meinungsseite. "Für den Moment arbeitet die Icann weiter wie gewohnt. Das ist gut, denn die Technokraten in Kalifornien haben ihren Job in den letzten 35 Jahren - ja, so lange gibt es das Internet bereits - besser gemacht, als ihn Regierungsbeamte wohl jemals machen würden ... Zugleich soll nun in Tunis per Resolution das so genannten Internet Governance Forum (IGF) eingerichtet werden. Es wird sich damit beschäftigten, wie die Kontrolle über das Domain Name System mit Beteiligung von UN-Agenturen, Regierungen, Unternehmen und Nichtregierungsorganisationen ausgehandelt werden kann. Auch das ist erfreulich, denn ein solches Forum kann für mehr Transparenz und demokratische Beteiligung sorgen in Fragen, die inzwischen für einen großen Teil der Weltbevölkerung von entscheidender Bedeutung sind. Zugleich wird das Forum vor der enormen Herausforderung stehen, den Einfluss repressiver Regimes auf die Internetverwaltung einzudämmen."

Im Kulturteil berichtet Avner Shapira über israelische Reaktionen auf den Film des palästinensischen Regisseurs Hany Abu-Assad "Paradise Now" über zwei Selbstmordattentäter. Jan-Hendrik Wulf beobachtet das Berliner Festival "Politik im Freien Theater".

Besprochen werden Jean-Pierre und Luc Dardennes Film "L'enfant", Nicolai Albrechts DFFB-Abschlussfilm "Mitfahrer", die amerikanische TV-Serie "Deadwood" und Nenas Biografie "Willst Du mit mir gehen" (mehr in unserer Bücherschau heute ab 14 Uhr).

Schließlich Tom.

FAZ, 17.11.2005

Anders als 1968 revoltieren in Frankreich diesmal nur junge Männer, schreibt Alice Schwarzer. Und diese Männer stehen unter dem Einfluss von Arbeitslosigkeit einerseits und Islamismus andererseits. In Deutschland sieht Schwarzer die Situation ganz ähnlich: "Die Gewalt ist in türkischen Familien dreimal so hoch wie in deutschen, die Täter sind Männer, die Opfer Frauen und Kinder. Die Mädchen aber identifizieren sich mit der Opfer-Mutter, die Jungen mit dem Täter-Vater (auch wenn sie selber sein Opfer sind). Doch solange wir uns im Namen eines blauäugigen Rassismus-Vorwurfs das Benennen dieser Tatsachen verbieten lassen, so lange werden wir auch nicht an die Wurzeln des Übels kommen."

Der Kunsthistoriker Horst Bredekamp verflucht den Bahnchef Hartmut Mehdorn höchstpersönlich: "Über Generationen wird das Monstrum Lehrter Bahnhof mit dem Namen des Verunstalters verbunden sein." Denn der Hauptbahnhof in Berlin, ein Werk der Architekten Gerkan, Marg und Partner wird verhunzt: Das Glasdach hat man entgegen dem Entwurf so verkürzt, dass die Fahrgäste der ersten Klasse im Regen stehen werden. Und das Untergeschoss wird anstelle einer Konstruktion mit kühnen Bogen und Schwingungen eine finstere Flachdecke erhalten, falls die Klage der Architekten wegen Verletzung des Urheberrechts nicht durchkommt. Bredekamp interpretiert: "Der zielgenaue Angriff auf die beiden ästhetischen Kernelemente erweckt den Verdacht, dass hier ein Bauherr, der zu bestimmen gewohnt ist, ein Urheberrecht aus Prinzip verletzte, um sich das Gebäude gefügig zu machen. Denn gegen alle Behauptungen wurde keine Zeit gewonnen, sondern durch Diskussionen verschwendet, wurden keine Gelder gespart, sondern Mehrkosten verursacht. Der exemplarische Charakter liegt darin, dass im Namen der Ökonomie Kultur zerstört wurde, ohne zu begreifen, dass so auch die Wirtschaft geschwächt wird."

Weitere Artikel: In der Leitglosse erzählt Michael Jeismann, was es mit einer Statue für den Karateheld Bruce Lee in der vom Bürgerkrieg geschundenen Stadt Mostar auf sich hat. Lisa Zeitz beschreibt eine Aktion der Künstler Ingar Dragset und Michael Elmgreen, die einen Prada-Laden unweit der Grenze zu Mexiko mitten in der texanischen Wüste aufstellten (Bilder hier und hier). Wolfgang Sandner gratuliert dem Dirigenten Charles Mackerras zum Achtzigsten. Mark Siemons berichtet aus Peking über einen Besuch Arnold Schwarzeneggers auf Copyright-Mission. Monika Osberghaus schreibt zum Tod des Kinderbuchautors Hans-Georg Noack. Andreas Rosenfelder berichtet über Bestrebungen, brutale Videospiele zu verbieten. Sebastian Domsch berichtet vom Festival für Netzliteratur in Stuttgart.

Auf der Kinoseite schreibt Peter Körte über französische Filme, die in der Banlieue spielen, unter anderem über Mathieu Kassovitz' "La haine". Hans-Jörg Rother sah sich in Cottbus osteuropäische Filme an. Michael Althen glossiert die neueste Jane-Austen-Verfilmung, die in der amerikanischen Version einen finalen Kuss haben darf, während sich die Liebenden in der britischen Version textgenauer zu vehalten haben.

Auf der Medienseite schreibt Jordan Mejias über die durch das Internet mit verursachte Zeitungskrise in den USA. Johannes Leithäuser berichtet jetzt auch, dass der BND Journalisten überwachte. Michael Hanfeld freut sich, dass Stefan Aust heil aus der Gesellschafterversammlung beim Spiegel hervorgegangen ist und spekuliert über einen Kauf von Florian Illies' Monopol-Magazin durch den Spiegel. Und Erna Lackner schreibt zum Tod des Begründers der Wiener Kronen-Zeitung Kurt Falk.

Auf der letzten Seite erinnert Christian Saehrendt eine Episode erstaunlich harmonischer Kulturbeziehungen zwischen Polen und Deutschland zu Beginn der Nazizeit. Andreas Kilb beklagt fortwährenden Kunstraub im Irak. Und Alexandra Kemmerer schreibt über die Enthüllung der Identität eines juristischen Bloggers in den USA, der sich unter dem Pseudonym Article III Groupie versteckte.

Besprochen werden der Film "L'enfant" der Brüder Dardenne, ein Konzert von Soft Machine und die Ausstellung "Film - Ist und Als-ob in der Kunst" in Baden-Baden.

Welt, 17.11.2005

Im Aufmacher des Kulturteils erklärt Berthold Seewald: "Nicht am Zustrom von Immigranten zerbrach das alte Rom, sondern am aufgeblähten Staatsapparat." Wieland Freund will in der Weigerung des Beck-Verlags, ein Buch des italienischen Historikers Luciano Canfora zu verlegen, anders als die gestrige FAZ keine Zensur erkennen. Konrad Adam fragt: "Welches Weltbild enthüllen die Formulierungen des Koalitionsvertrages?" Besprochen wird das Debütalbum von Pete Dohertys Band Babyshambles.

Auf der Medienseite berichtet Christian Seel, dass Rudolf Augstein sehr wohl seine Kinder beim Spiegel an der Macht sehen wollte, wie von Franziska Augstein der Zeitung vorgelegte Briefe untermauern sollen.

Und Ulrich Clauss sieht im Forum Bestrebungen, die Internetverwaltung zu internationalisieren, als "eine anachronistische Antwort auf die falsche Frage. Es geht nicht um die Macht im Netz, die hat der Hegemon und hält sie fest. Es geht um die führende Rolle bei der Weiterentwicklung, es geht um die Vorherrschaft der besten Ideen auf vorhandener Netzplattform."

SZ, 17.11.2005

"Dass ein Verlag so ein Buch in der Reihe 'Europa bauen' nicht drucken will, ist kein Skandal, sondern verdient jede Unterstützung," verteidigt Johann Schloemann die Entscheidung des C.H.Beck-Verlages, ein Buch des italienischen Altertumswissenschaftlers Luciano Canfora über die Geschichte der Demokratie nicht zu publizieren, "von dem er sich das Urteil gebildet hat, es verharmlose den stalinistischen Terror in unerträglicher Weise". Zum Beleg zitiert Schloemann aus dem Manuskript Canforas: "'Im Rückblick war es einfach, den Mythos einer Aufteilung Polens - ein neues Kapitel in der Geschichte der zahlreichen polnischen Teilungen - zwischen Hitler und Stalin zu konstruieren.' Anschließend wird Stalin als 'guter Realist' beschrieben. Vom Terror ist nicht recht die Rede, Stalins Sowjetunion nennt Canfora ein 'Laboratorium, das die zeitgenössische Geschichtsschreibung mit einem gigantischen Straflager gleichzusetzen beliebt'."

Weitere Artikel: Oliver Herwig fordert: Schafft die teuren, ineffektiven und provinziellen deutschen Designzentren ab! Die Zeit der regionalen Zentren sei vorbei, "keine Institution arbeitet auf Augenhöhe mit dem British Design Council und seinem jährlichen Bericht zur Lage der Gestaltung". Daniel Brössler berichtet, wie ein sudanesischer Geschäftsmann in der Schweiz von einem Inkassounternehmen Gemälde aus den Beständen des Moskauer Puschkin-Museums im Versicherungswert von mehr als einer Milliarde Dollar beschlagnahmen ließ. Stefan Ulrich berichtet aus Rom vom Prozess gegen die legendäre Getty-Kuratorin Marion True wegen Kunstschmuggels und Hehlerei. Hans Schifferle genießt die schöne Ernsthaftigkeit auf dem 15. Münchner schwul-lesbischen Filmfest "Verzaubert". Egbert Tholl hat mit Hingabe den Schauspielerinnen Marianne Kirch, Judith Huber und Eva Löbau zugeschaut, die im Rahmen des Münchner Theaterfestivals "Spielart" mit "Die Bairishe Geisha" die wunderlichste Erscheinung präsentierten, welche die Münchner Theaterszene aus seiner Sicht in den letzten Jahren hervorgebracht hat. Ralf Husemann bewirbt redaktionell Band 11 der SZ-Kinderbuchklassikerreihe, Gudrun Pausewangs "Die Wolke". Hans Gärtner schreibt den Nachruf für den Jugendbuchautor Hans-Georg Noack, der am Dienstag neunundsiebzigjährig verstorben ist.

Besprochen werden eine Lee-Friedländer-Ausstellung im Münchner Haus der Kunst, Dagmar Knöfels Film "Durch diese Nacht sehe ich keinen einzigen Stern", Jean-Pierre und Luc Dardennes Vorstadtmärchen "L?enfant" (es gibt auch ein Interview mit den Dardenne-Brüdern), die Ausstellung "Der Blick auf Dresden" im Ausstellungsgebäude an der Brühlschen Terrasse und Bücher, darunter Ilse Aichingers Miniaturen "Unglaubwürdige Reisen" (mehr in unserer Bücherschau heute ab 14 Uhr).