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Die Buchmacher

Die Buchmacher

Ein Blick in die Branchenblätter der Buch- und Verlagswelt. Jeden Montag ab 12 Uhr.
23.01.2006. In dieser Woche:  Warum Kleinstbuchhandlungen nicht kreditwürdig sind. Und wann man Bücher auf dem Handy liest. Von Sandra Evertz

buchreport.express

Basel II gefährdet kleine Sortimente. Laut einer Unternehmensbefragung der Kreditanstalt für Wiederaufbau wurden in 2005 70 Prozent der Kreditanträge von Kleinstbuchhandlungen abgelehnt. Besonders kritisch seien die Banken, wenn sich in der Nähe der kleinen Buchhandlung ein großer Filialist angesiedelt hätte oder ansiedeln wolle, erklärt ein Betriebsberater im Interview. Viele der kleinen Buchläden hätten ohne Kredite kaum noch Überlebenschancen, sie arbeiteten jetzt schon unterhalb der Rentabilitätsgrenze. 2005 mussten nach Börsenvereins-Angaben 104 Buchhandlungen schließen. Ein Anstieg der Insolvenzen und Geschäftsaufgaben ist wahrscheinlich.

Die Douglas-Buchtochter Thalia erweist sich abermals als sehr geschäftstüchtig. Im Abrechnungsjahr 2004 / 2005 (bis 30. September 2005) fuhr die größte deutsche Buchhandelskette mit allen 137 Filialen (Deutschland, Schweiz, Österreich) 461 Millionen Euro Umsatz (+19,1 %) ein. Flächenbereinigt liege das Wachstum bei 3,6 % und damit weit oberhalb des Branchendurchschnitts (1,9 %), rechnet buchreport vor. Henning Kreke, Vorstandsvorsitzender der Douglas Holding AG, sieht mit dem Jahresergebnis vorherige Prognosen übertroffen und wittert in der Buchsparte "noch erhebliches Potenzial". Er bekennt sich als "Verfechter der Preisbindung". Klar, weil in der Regel die großen Buch-Abnehmer - wie Thalia - bei den Verlagen die besten Rabatte absahnen können.

Der Börsenverein sucht eine politischere Rolle. Welche Appelle die Basis bei der Jahrestagung der AG Publikumsverlage an die Verbandsspitze gerichtet hat, und warum der Vorstand sicher ist, dass der Buchhandel den Börsenverein dringender denn je braucht, hier

Das Lesefest lit.Cologne (hier das Programm) will mit der "größten Deutschstunde der Welt" in die Geschichte eingehen. Zwiebelfisch-Kolumnist und "Deutschlehrer" Bastian Sick hofft auf den Eintrag ins Guinness-Buch der Rekorde - dafür müssten sich am 13. März in der Köln-Arena (sie fasst 15.000 Menschen) möglichst viele Zuhörer bzw. "Schüler" versammeln. Zu den insgesamt 131 Veranstaltungen des Kölner Lesefests, das sich diesmal auf neun Tage verteilt, erwartet lit.Cologne-Geschäftsführer Rainer Osnowski 55.000 Besucher.

V.S. Naipaul fiel bei Verlagen durch. Ein Redakteur der Sunday Times hatte den Anfang von Naipauls Roman "In einem freien Land" an 20 Lektoren geschickt, ohne den Namen des Literaturnobelpreisträgers (2001) zu nennen. Fast alle Verlage, darunter Bloomsbury, hätten kein Interesse gezeigt, fasst buchreport den Ausgang des Experiments zusammen. Naipaul kommentierte gelassen: "Um zu erkennen, dass etwas gut und ansprechend geschrieben ist, braucht es großes Talent, und davon gibt es heutzutage nicht mehr viel."
Personalien: Suhrkamp-Verlegerin Ulla Unseld-Berkewicz hat die Nachfolge des ausscheidenden Geschäftsführers (für die Bereiche Marketing, Vertrieb und Werbung) Georg Rieppel schnell und hausintern geklärt: Der kaufmännische Geschäftsführer Philip Roeder wird künftig die Zuständigkeit für Vertrieb und Marketing übernehmen, Werbechefin Anya Schutzbach und Vertriebsleiter Thomas Kluge werden das operative Marketing bzw. das Vertriebsgeschäft verantworten.

Meldungen: Der Deutsche Krimi Preis geht an Norbert Horst für den Roman "Todesmuster" (Goldmann). Wilhelm Genazino hat seine erste Poetik-Vorlesung in Frankfurt gehalten - Hanser will die Vorträge in Buchform veröffentlichen. "Harry Potter" muss auf der Spiegel-Bestsellerliste einen erneuten Abstieg hinnehmen. Mehr zu den "Top-Titeln" der Woche.

Börsenblatt

Neben dem Internet entwickelt sich das Handy zur Plattform für Buchinhalte, prognostiziert das Börsenblatt. Vorreiter sind die Anbieter von Wörterbüchern und Reiseinformationen. Die einfachste und logische Digitalisierung von Buchinhalten fürs Handy findet über eine internettaugliche Aufbereitung als Zwischenformat statt. Als nächste Stufe kommt dann die mobile Anwendung. Medienberater Klaus Eck sieht darin eine Chance für Verlage: Wenn die Leser eingebunden werden, haben die Buchmacher über Blogs und Podcasts Gelegenheit, mit geringen Kosten ihre Kunden direkt anzusprechen.

Der interimistische Vorsteher des Börsenvereins, Gottfried Honnefelder, krempelt die Ärmel hoch. Die Verbandsarbeit müsse ganz grundsätzlich beschleunigt, Entscheidungen mutiger und schneller gefällt werden, sagte Honnefelder dem Börsenblatt.

Kopierschutz - nein, danke. Für die im Rundruf des Börsenblatts befragten Hörbuch-Verlage ist Kopierschutz für Downloads Makulatur. Welchen Schutz die Hörbuch-Produzenten dagegen für sinnvoll erachten, hier.

Vom Konsum- bis zum Geschäftsklima-Index: Alle wichtigen Barometer zeigen nach oben. "Die Stimmung ist schon fast zu gut", meint Boris Langendorf, der die wirtschaftliche Entwicklung für den Buchhandel beobachtet. Das allzu gute Klima sei zwar kein Grund zur Beunruhigung, formuliert es Langendorf, aber zur Wachsamkeit.

Personalien: Hans-Robert Cram, bisher Hauptgesellschafter und Beiratsmitglied des Wissenschaftsverlags de Gruyter, hat die drei Kunstbuchverlage Dietrich Reimer, Gebr. Mann sowie den Deutschen Verlag für Kunstwissenschaft übernommen. Hans-Jürgen Junker und Jochen Laabs sind seit Anfang des Jahres Geschäftsführer des Weltbild Plus Medienvertriebs, die bisherigen Geschäftsführer, Carel Halff und Maximilian Hugendubel, werden das Unternehmen in einem neu geschaffenen Beirat weiterhin begleiten. Carsten Polzin verantwortet seit 1. Januar den Programmbereich Piper Fantasy. Hanser-Verleger Michael Krüger wird von der Uni Bielefeld mit dem Titel Ehrendoktor der Philosophie geehrt, zudem erhält Krüger den mit 12.000 Euro dotierten Mörike-Preis. Stefan Aufenanger wude zum Wissenschaftlichen Direktor der Stiftung Lesen in Mainz ernannt.

Meldungen: Drogerie-Discounter Rossmann will den Verkauf von Büchern ausbauen. Und: Die Türkei hat das Verfahren gegen den Schriftsteller Orhan Pamuk eingestellt.
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