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Die Buchmacher

Die Buchmacher

Ein Blick in die Branchenblätter der Buch- und Verlagswelt. Jeden Montag ab 12 Uhr.
21.11.2005. In dieser Woche: Warum die Branche so erleichtert ist, dass der ermäßigte Mehrwertsteuersatz bei 7 Prozent bleibt. Und warum Taschenbücher immer billiger werden. Von Sandra Evertz

buchreport.express

Dass die Medienhäuser mit ihren Bucheditionen keine kurzweilige Erscheinung, sondern dauerhafte Teilnehmer auf dem Buchmarkt sind, soviel steht für buchreport fest. Immerhin habe der Sortimentsbuchhandel 1 Prozent seines bisherigen Jahresumsatzes (das entspricht circa 50 Millionen Euro) mit niedrigpreisigen Büchern, DVDs und Hörbüchern erwirtschaftet, so das Magazin. Die Frage sei, ob der Buchhandel weiterhin mit diesen Extra-Umsätzen rechnen könne. Die Vielzahl der Anbieter und ähnliche Konzepte zwingen die Medienhäuser nämlich, ihre Zielgruppen differenziert anzusprechen und eigene Vertriebswege zu forcieren. So hat Die Zeit zum Beispiel von ihrer Lexikonreihe 65 Prozent am Buchhandel vorbei, im Direktverkauf, abgesetzt.

Taschenbücher werden im kommenden Monat billiger - durchschnittlich um satte 5,8 Prozent. Altruismus? fragt sich buchreport. Oder tun den Taschenbuchverlagen die Konsumenten, die bald die Mehrwertsteuererhöhung im Portemonnaie zu spüren bekommen, leid? Wahrscheinlicher ist, dass den Herstellern von Taschenbüchern der Konkurrenzdruck der Billigeditionen zu schaffen macht. Neben den heruntergefahrenen Ladenpreisen fällt die vergleichsweise niedrige Novitätenanzahl ins Auge: 412 Taschenbuch-Neuerscheinungen im Dezember bedeuten ein Minus von 10 Prozent gegenüber dem Weihnachtsmonat 2004. Die Verlage kalkulieren also vorsichtig, die Leser können sich über etwas mehr Licht im Novitäten-Dschungel freuen.

In Zeile 3355 des Koalitionsvertrags hat buchreport den Passus zum Erhalt des ermäßigten Mehrwertsteuersatzes für Bücher gefunden. Die Buchbranche atmet auf. Für den Börsenverein ist die erfolgreiche Verteidigung des 7-Prozent-Satzes aber kein Grund, sich entspannt zurückzulehnen. "Angesichts der finanzpolitischen Fantasie der Politiker müssen wir am Ball bleiben und täglich auf die Notwendigkeit des ermäßigten Steuersatzes für Bücher hinweisen", erklärte der Hauptgeschäftsführer des Verbands, Alexander Skipis. Er forderte Verleger und Buchhändler auf, die Besonderheiten der Branche offensiver zu artikulieren.

Der Münchener Filialist Hugendubel expandiert Richtung Norden und übernimmt die insolvente Hannoveraner Traditionsbuchhandlung Schmorl & v. Seefeld. Warum die zwischenzeitlich als Retter gehandelte Thalia-Kette dann doch nicht den Zuschlag bekam und warum Schmorl trotz Hugendubel Schmorl bleibt, hier.

Das zweite Mal in Folge unterlag ein Verlag im Rechtsstreit mit seinen Übersetzern: Vom eigentlich als verlegerfreundlich geltenden Münchener Landgericht bekamen zwei Random House-Übersetzer mit einem aktuellen Urteil insoweit den Rücken gestärkt, dass sie neben einem 25-prozentigen Anteil an den Nebenrechtserlösen (beispielsweise Club-, Taschenbuchausgaben, Theateraufführungen) eine rückwirkende Absatzvergütung ab dem ersten verkauften Exemplar - nicht verrechenbar mit dem bereits gezahlten Normseitenhonorar - einfordern können. "Eine Reihe von Übersetzern wird jetzt aufwachen", prophezeite der Münchener Anwalt Peter Beisler. Fordern die Übersetzer für alle Verträge rückwirkend eine Absatzbeteiligung ein, dann hat das für die Verlage fatale Folgen, überlegt Börsenvereins-Justiziar Christian Sprang.

Ein Schreckensszenario malt sich buchreport zur Zukunft des Börsenvereins aus. Der - größtenteils durch die Konzentration bedingte - Mitgliederschwund führe in 2006 zu Beitragsausfällen von 300.000 Euro (im Vergleich zu 2005), rechnet das Magazin vor. Würden keine Strategien zum Stopfen der finanziellen Löcher entwickelt, drohe dem Verband bis 2010 eine 1,3-Millionen-Euro-Lücke, womit er quasi handlungsunfähig wäre.

Personalien: Susanne Ziemer, Leiterin der Geschäftsstelle Arbeitsgemeinschaft von Jugendbuchverlagen (ajv), wird zum 1. Januar Referentin des Börsenvereins-Hauptgeschäftsführers Alexander Skipis.

Meldungen: Der Börsenverein hat sich für freie Preise bei E-Books und Hörbüchern (sowohl für Lesungen als auch für Hörspiele) ausgesprochen. Alle sechs "Harry Potter"-Bände konnten sich diese Woche in der Spiegel-Bestsellerliste Belletristik platzieren. Mehr.

Börsenblatt

Den Konditionen-Poker von Thalia (siehe Archiv) schätzen sowohl die Zentrale zur Bekämpfung unlauteren Wettbewerbs als auch die Rechtsabteilung des Börsenvereins als ein wettbewerbsrechtlich unzulässiges "Anzapfen" der Verlage ein. Bei ähnlich gelagerten Fällen hätten die Gerichte entschieden, dass Unternehmen, die einen solchen Vorstoß machten, absolute Marktmacht besitzen müssten, erläutert das Börsenblatt. Diese Voraussetzung dürfte bei Thalia wohl nicht gegeben sein. Noch nicht.

Das Börsenblatt und der Hessische Rundfunk haben die "Hörbücher des Jahres" gewählt. "Wörter Sex Schnitt", eine fünf CDs umfassende Box mit Tonaufzeichnungen von Rolf Dieter Brinkmann (bei Hörsturz Booksound), kam bei den Erwachsenen-Hörbüchern auf den ersten Platz, Fritzi Haberlands Lesung von Kate DiCamillos "Winn-Dixie" (Hörcompany) liegt bei den Hörbüchern für Kinder und Jugendliche vorn. In der Jury-Erklärung heißt es, die Brinkmann-CDs seien ein "akustisches Denkmal von besonderem Wert" und "Winn-Dixie" werde mit der "richtigen Mischung aus guter Laune und Einfühlungsvermögen" vorgelesen.

Der Börsenverein rät den Verlagen, in Anbetracht des angebrochenen "Zeitalters der Digitalisierung", zur stärkeren elektronischen Vermarktung der Inhalte. Inwieweit die Potenziale schon genutzt werden, fragte das Börsenblatt bei Fach- und Publikumsverlagen nach.

Zu teuer, zu langsam - lauten die Haupt-Kritikpunkte am Börsenvereinsprojekt "Volltextsuche Online". Mittlerweile scheinen auch die Initiatoren gemerkt zu haben, dass es keine Zeit zu verlieren gilt, wenn die Branche noch "Herr über die Buchinhalte" (Börsenblatt) bleiben möchte. Bis Juni 2006, so will es die Taskforce Volltextsuche im Börsenverein, sollen mindestens 100 Verlage mit ihren Texten im gemeinsamen Netzwerk vertreten sein. Da Onlinehändler Amazon & Co. bereits mit ähnlichen Angeboten vorgeprescht und im Netz sind, denkt die "Taskforce" neben der Branchensuchmaschine über ein Shopsystem, auf das die Sortimenter Zugriff haben, nach.

Der Spiegel Verlag weitet seine Aktivität im Buchgeschäft aus. Im relaunchten und erweiterten Webshop von Spiegel Online werden seit letzter Woche - in Kooperation mit dem Barsortiment Libri - "hausnahe", meist anspruchsvolle Bücher, CDs und DVDs feilgeboten, weiß das Börsenblatt. Auch die DVD-Edition des Spiegels ("100 Jahre Deutschland"), bisher exklusiv in Thalia-Filialen erhältlich, ist jetzt über den hauseigenen Shop bestellbar. Ein Vollanbieter wie die SZ-Mediathek wolle man nicht werden, war aus der Spiegel-Marketingabteilung zu vernehmen.

Personalien: Die scheidende Kulturstaatsministerin, Christina Weiss, wird Mitglied im Stiftungsrat, der alljährlich den Friedenspreisträger des Deutschen Buchhandels (mehr) kürt. Weiss ist nicht nur durch ihre Kulturarbeit auf Bundesebene mit der Buchwelt eng verbunden - sie hat viele Jahre das Hamburger Literaturhaus geleitet.

Meldungen: Der Bertelsmann-Vorstandsvorsitzende, Gunter Thielen, ist in New York mit dem Global Leadership Award ausgezeichnet worden. Seit seinem Amtsantritt im August 2002 habe er das Unternehmen rasch konsolidiert und erfolgreich in eine neue Wachstumsphase geführt, begründete die Jury das Votum für Thielen.
Archiv: Börsenblatt