Ulrich Johannes Schneider

Die Erfindung des allgemeinen Wissens

Enzyklopädisches Schreiben im Zeitalter der Aufklärung
Cover: Die Erfindung des allgemeinen Wissens
Akademie Verlag, Berlin 2012
ISBN 9783050057804
Gebunden, 259 Seiten, 49,80 EUR

Klappentext

Die Produktion allgemeiner, alle Wissensgebiete abdeckender Enzyklopädien im 18. Jahrhundert markiert den Beginn der modernen Wissensgesellschaft. Enzyklopädisten aller Länder bemühten sich um die Definition des allgemein Interessanten - nicht in Theorien, sondern in erfolgreich vermarkteten enzyklopädischen Werken. Ein genauer Blick auf einschlägige Schriften der Aufklärungsepoche wie Chambers' "Cyclopaedia", Diderots "Encyclopédie", Zedlers "Universal-Lexicon" oder die "Encyclopaedia Britannica" zeigt den Kampf um neue Ideen eng verschränkt mit der Bemühung um redaktionelle Exzellenz. Insbesondere die mit Abstand größte damals abgeschlossene Enzyklopädie, das "Universal-Lexicon" (1732-1754), erweist sich als Musterbeispiel für vielfältige Strategien, die Lesererwartungen in das enzyklopädische Schreiben einzubinden. Das 68-bändige Mammutwerk wird hier erstmals exemplarisch analysiert.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 27.04.2013

Ralf Konersmann weiß Ulrich Johannes Schneiders Buch über die Enzyklopädien des 18. Jahrhunderts zu schätzen, auch wenn er nicht mit jeder These des Wissenschafthistorikers einverstanden ist. Er hebt hervor, dass der Autor nicht nur bekanntere Großwerke wie d'Alemberts und Diderots "Encyclopédie" oder die "Encyclopaedia Britannica" unter die Lupe nimmt, sondern auch das zwischen 1732 und 1754 in Leipzig erschienene "Universal-Lexikon" des Verlegers Johann Heinrich Zedler angemessen würdigt. Erhellend findet er insbesondere den Vergleich dieser Werke hinsichtlich ihrer Konzeption, der erhebliche Unterschiede ans Licht bringt, sowie die Abgrenzung verschiedener Wissenstypen wie Sachwissen, Fachwissen und Schulwissen. Schneiders auf den ersten Blick glänzender These, den "Zedler" als Vorläufer von "Wikipedia" zu verstehen, scheint Konersmann bei näherer Betrachtung allerdings nicht überzeugend.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 16.01.2013

Helmut Mayer freut sich über ein Buch, das den Enzyklopädisten des 18. Jahrhunderts nachspürt, genauer dem Zedlerschen "Universal-Lexicon" und seinen Nachahmern. Dass der Autor als Historiker und Direktor der Leipziger Unibibliothek ein Kenner der Materie ist, bezweifelt Mayer nicht. Die großen Linien der Umbrüche zwischen frühneuzeitlicher und moderner Wissenskultur vermag der Autor dem Rezensenten jedenfalls zu vermitteln. Ebenso wie Konkretes in Sachen Buchproduktion, Autorschaft und der Rolle des Enzyklopädisten als Therapeut des Wissens. Ein kleiner eleganter Streifzug auch für das fachfremde Publikum, freut sich Mayer.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 02.01.2013

Im Autor erkennt Lothar Müller den richtigen Mann, wenn es um die Vermittlung zwischen der Erfindung des allgemeinen Wissens im 18. Jahrhundert und Wikipedia geht. Dass Ulrich Johannes Schneider, Direktor der Unibibliothek Leipzig, ein Streiter für die Zirkulation des Wissens ist, merkt Müller beim Lesen der hier versammelten Aufsätze allerdings schnell. Historisch fundiert nähert sich der Autor laut Rezensent aktuellem enzyklopädischem Schreiben, allerdings auch sehr pragmatisch und ohne dem gedruckten Brockhaus nachzutrauern oder über den gelegentlichen Dilettantismus auf Wikipedia zu mosern. Müller scheint das der richtige Ansatz zu sein.
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