Till Lindemann

Messer

Gedichte und Fotos
Cover: Messer
Eichborn Verlag, Frankfurt am Main 2002
ISBN 9783821809274
Gebunden, 142 Seiten, 29,90 EUR

Klappentext

Wer die Musik und Till Lindemanns Songtexte kennt, wird in manchen Gedichten Sound, Stimmungen und Ästhetik der Gruppe wiedererkennen - sicher aber auch durch die ganz eigene Atmosphäre seiner Lyrik überrascht werden.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 31.01.2003

Der Gedichtband "Messer" des "Rammstein"-Sängers Till Lindemann ist nach Ansicht von Rezensent Andreas Rosenfelder am besten in der "Regalecke für schwarzen Kitsch" aufgehoben. Weder die Hochglanzbilder von Lindemann-Freund und Herausgeber Gert Hof, die Lindemann in der Pose des verfemten Dichters zeigen, noch die lyrische Qualität des Bandes können Rosenfelder überzeugen. Ein nahezu konservativer Formwille, der allerdings in längeren Balladen schnell an seine Grenzen stoße, präge die Texte. "Meist", analysiert Rosenfelder, "läuft eine Art Knittelvers durch, poetologische Entsprechung von 'Rammsteins' hämmerndem Viervierteltakt." Inhaltlich sieht Rosenfelder die "Dekadenz der Jahrhundertwende" nachflackern. Doch anders als Baudelaire oder Benn suche Lindemann keineswegs den Schock der Moderne, sondern vielmehr den vergessenen Ausdruck. Im übrigen wimmle es in seinen Gedichten nur so von Krüppeln, Dirnen und Lendenfrüchten. Alles in allem: Explizite Lyrik jenseits des guten Geschmacks.
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Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 20.11.2002

Kolja Mensing scheint gemischte Gefühle gegenüber diesem Gedichtband des Sängers der Band Rammstein, Till Lindemann zu haben. Doch immerhin attestiert er dem Autor, "ordentliche Gedichte" geschrieben zu haben. Einerseits ist Lindemanns Lyrik thematisch auf keiner Ebene eine Überraschung, wenn man mit den Texten von Rammstein vertraut ist - auch wenn Lindemann auf die Eigenständigkeit seiner lyrischen Arbeit Wert lege: "Vom barocken Weltende zu expressionistischen Wasserleichen, von blutroten romantischen Abendstimmungen bis hin zu sterbenden Tänzerinnen" ist alles dabei, "was nach Verfall und Untergang riecht", und das hört sich dem Empfinden des Rezensenten nach aus Lindemanns Mund schon sehr vertraut an. Andererseits fühlt sich Mensing doch vom "persönlichen Ton berührt" und stellt zum Ende seiner Rezension fast verblüfft fest: "Till Lindemann ist ein Dichter, dem man jedes Wort glaubt. Und das kommt ja selten genug vor." Authentizität rules eben doch.