Thomas Blubacher

"Ich jammere nicht, ich schimpfe". Ruth Hellberg

Ein Jahrhundert Theater
Cover: "Ich jammere nicht, ich schimpfe". Ruth Hellberg
Wallstein Verlag, Göttingen 2018
ISBN 9783835332546
Gebunden, 396 Seiten, 28,00 EUR

Klappentext

Fast ein ganzes Jahrhundert stand Ruth Hellberg auf der Bühne oder vor der Kamera - mit Kollegen wie Therese Giehse, Heinz Rühmann und Zarah Leander, Götz George, Margarethe von Trotta und Barbara Auer. Sie arbeitete unter Regisseuren von Max Reinhardt und Leopold Jessner bis Friedrich Dürrenmatt und Volker Schlöndorff. Elisabeth Bergner empfahl Ruth Hellberg als ihre Nachfolgerin zu Otto Falckenberg an die Münchener Kammerspiele, wo sie sich mit Bertolt Brecht anfreundete. Mit siebzehn erwartete sie ein Kind vom späteren Hollywoodstar Oskar Homolka und pflegte ein Schwangerschaftskränzchen mit Brechts Geliebter Helene Weigel und mit den Ehefrauen von Caspar Neher und Fritz Kortner. Bald feierte sie Triumphe in Hamburg, Berlin, Leipzig und Wien, wirkte in Fritz Langs Science-Fiction-Film "Metropolis" mit und war das Gretchen neben Alexander Moissis Faust. Für Gustaf Gründgens leidenschaftlich schwärmend, zog sie kurzerhand zu ihm in die Wohnung und strapazierte die Nerven seiner Ehefrau Erika Mann, weil sie deren Geliebte Pamela Wedekind heftig begehrte. Klaus Mann machte aus ihr eine Figur in seinem Schlüsselroman "Mephisto" (1936), den Fritz H. Landshoff, der Vater ihres Sohns Andreas, im Exilverlag "Querido" in Amsterdam herausbrachte - während sie mit Gründgens im Staatstheater Berlin auf der Bühne stand. Vier Jahrzehnte später wird sie ihrem Protegé Klaus Maria Brandauer die Freundschaft kündigen, weil er die Hauptrolle in der Verfilmung von "Mephisto" angenommen hat.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 06.06.2018

Helmut Mauro hat Spaß mit Thomas Blubachers Biografie der Theaterschauspielerin Ruth Hellberg. Spaß an intimsten Details aus Hellbergs Leben, aber auch daran, dass der Autor stets Distanz hält. Das romanhaft Mitreißende am Buch möchte er genauso wenig missen wie Blubachers Nüchternheit, die die Künstlerin ehrt. Richtig scheint ihm der Tonfall allemal, so zwischen Empathie und wissenschaftlichem Abstand. Hellbergs Liebesleben aber ist und bleibt ein Roman, findet er.
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