Tash Aw

Die Seidenmanufaktur 'Zur schönen Harmonie'

Roman
Cover: Die Seidenmanufaktur 'Zur schönen Harmonie'
Rowohlt Verlag, Reinbek 2006
ISBN 9783498000714
Gebunden, 448 Seiten, 22,90 EUR

Klappentext

Aus dem Englischen von Pociao und Roberto de Hollanda. Malaysia, 1940: der Einmarsch der japanischen Armee steht unmittelbar bevor. Der Kaufmann, Kommunist und Betrüger Johnny Lim macht sich mit seiner schönen Frau Snow Soong auf die Reise zu den geheimnisvollen Seven Maiden Islands. Ebenfalls dabei: ein zwielichtiger Professor aus Japan; der junge Engländer Peter Wormwood, Liebhaber der schönen Dinge und Johnnys einziger Freund; und der großsprecherische Industrielle Frederick Honey - eine Gruppe voll sozialer und persönlicher Spannungen. In einer stillen Tropennacht wird ihr Schiff manövrierunfähig und treibt verloren über das offene Meer. Was geschieht dort im weißen Mondlicht zwischen der romantischen Snow und dem Professor? Warum muss Honey kurz darauf sterben? Und mit welchen falschen Karten spielt dabei Johnny? Jedenfalls kulminieren dort Ereignisse, die ihre Ursachen in der britischen Kolonialgewalt, aber auch in gescheiterten Träumen von Liebe und Freiheit haben.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 16.08.2006

Zu einem Drittel findet Irene Binal Tash Aws Roman wunderbar. Aw lässt den Ich-Erzähler Jasper seinen Vater als Schwarzhändler und Kollaborateur der schlimmsten Sorte porträtieren. Im ersten Teil der Geschichte brilliert Aw, der die Geschichte hier ebenso souverän beherrscht wie die Wechsel des Tonfalls, als "Erzähler im besten Sinn des Wortes". Besonders gefällt Binal der "feine Humor" und die "beiläufige Poesie", die etwa die Erinnerungen an die früh verstorbene Mutter durchzieht. Nach diesem fulminanten Auftakt fängt der Autor aber an zu schwächeln, bedauert die Rezensentin. Wenn aus den Tagebucheinträgen der Mutter zitiert wird, kommt Binal das "künstlich" und kaum glaubwürdig vor. Dass Aws erzählerische Fähigkeiten im dritten Teil ansatzweise wieder zurückkehren, kann den Roman in den Augen Binals nicht retten, auch weil der hier auftretende Erzähler Peter Wormwood schwammig und unbestimmt bleibt. Schade, schließt Binal, die nur hofft, dass Aw beim nächsten Roman es nicht nur bis zur ersten Etappe, sondern bis ins Ziel in dem "grandiosen Tempo" schafft, der sie im ersten Teil so beeindruckt hat.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 09.06.2006

Uneins erscheint Alexandra Kedves angesichts des Debütromans von Tash Aw. Zwar hält sie die Farbigkeit und Vielstimmigkeit dieses Malaysia-Porträts für durchaus vielversprechend. Ausdrücklich lobt sie etwa die Abwesenheit sonst üblicher eindimensionaler Orient-Mystik, die in diesem Buch durch eine "changierende" Figurenzeichnung abgelöst wird. Ausgerechnet im Versuch einer solchen Entmystifizierung aber erblickt Kedves die Gefahr, der der junge Autor (ohne Hilfe seitens der Übersetzer, wie sie anmerkt) ausgeliefert ist: Er provoziert einen "Kampf der (Schreib-)Kulturen", dessen Ergebnis ein gestelzter Stil ist, für den die Rezensentin recht überzeugende Beispiel vorweisen kann.
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