Klappentext

Berlin, 9. Juni 1933: Johann Rukelie Trollmann ist ein talentierter, unkonventionell kämpfender Boxer und charismatischer Publikumsliebling. Er steht im Kampf um die Deutsche Meisterschaft. Seinem Gegner ist er überlegen. Doch Trollmann ist Sinto. SA steht am Ring. Funktionäre und Presse tun alles, um seine Karriere zu zerstören und ihn endgültig auf die Bretter zu schicken.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 30.12.2014

Sehr freundlich nimmt Rezensent Björn Hayer diese "literarische Ehrenrettung" des Johann Rukeli Trollmann auf, dem von den Nazis kurz nach der Machtübernahme der Titel des deutschen Boxmeisters verwehrt wurde, weil er Sinto war. Trollmann wurde 1944 im KZ umgebracht. Hayer gefällt gut, wie Bart die Geschichte des Boxers in ein lebendiges Bild der späten Weimarer Republik in ihrer Hektik und Lebendigkeit einbettet. Die Nazis gebe sie hingegen der Lächerlichkeit preis, die die geheime Unterseite aller totalitären Regimes sei.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 20.12.2014

Mit Stephanie Barts Roman "Deutscher Meister" kann Rezensentin Angela Leinen ein brillant recherchiertes Stück deutscher Geschichte empfehlen. Sie liest hier die Geschichte des Boxers Heinrich Johann "Rukelie" Trollmann, der als Sinto 1933 gegen den "arischen" Boxer Adolf Witt um die deutsche Meisterschaft kämpfte. Zwar muss die Kritikerin gestehen, dass das Buch eine Weile braucht, um in Fahrt zu kommen, vor allem, wenn pausenlos Namen aufgezählt werden und die Figuren doch ein wenig zu sehr im "Volkstheater"-Jargon sprechen. Nachdem aber schließlich über 100 Seiten hinweg der Boxkampf brillant geschildert wurde, die Rezensentin am Ring den nun immer plastischeren Figuren lauschte, erlebte wie die nationalsozialistische "Säuberung" in den Boxsport Einzug hält und einfache Leute auf die politischen Veränderungen reagierten, kann sie dieses Buch schließlich doch als spannende und mitreißende Lektüre empfehlen.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 20.10.2014

Auch Helmut Böttiger ist von der Geschichte des Boxers Johann Rukelie Trollmann fasziniert, der noch im Juni 1933 die Deutsche Meisterschaft im Halbschwergewicht gewann, sie aber kurz darauf wieder aberkannt bekam. Angeblich wegen "armseligen Verhaltens", wohl eher aber weil er Sinto und damit den Nazis nicht genehm war. Dass Stefanie Bart diese Geschichte der Niedertracht in einem Roman festhalten wollte, kann der Rezensent gut verstehen, er fragt sich aber, ob die Autorin mit einer Reportage nicht besser gefahren wäre. Ausführliche Schilderungen der Boxkämpfe und Einfallsreichtum im Detail täuschen ihn nicht darüber hinweg, dass die Geschehnisse stets von außen erzählt werden und an keiner Stelle ein literarisches Eigenleben entwickeln.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 04.10.2014

Als angemessen meisterhaft bezeichnet Rezensent Andreas Platthaus Stephanie Barts Boxer-Roman über den Berliner Sinto-Boxer Johann Rukelie Trollmann. Für Platthaus heißt das: Der Autorin gelingt mit ihrer Chronik der Monate März bis Juli 1933 über den zeithistorischen Hintergrundentwurf hinaus die Schilderung der Demontage eines großen Sportlers durch die Nationalsozialisten mit den Mitteln des Boxkampfes. Ideal, meint Platthaus, wie Bart mit Finten, Vorstößen, Haken und Rückzügen die Handlung strukturiert. Allein die Schilderung des Titelkampfes vom 9. Juni '33 scheint Platthaus die Lektüre wert. Trollmann für den Leser in den Ring zurückgeholt zu haben, hält er für ein Verdienst der Autorin, die verquaste Nazi-Ideologie mit Horror und Humor zugleich in den Blick zu bringen und die Berliner Gesellschaft in all ihren Facetten abzubilden sind für ihn weitere Verdienste des Romans.
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Rezensionsnotiz zu Die Welt, 16.08.2014

Klagen auf hohem Niveau bietet die Rezension nach eigener Auskunft von Dana Buchzik. Denn was Stephanie Bart als Romandebüt vorlegt, begeistert die Rezensentin im Grunde genommen von der ersten bis zur letzten Seite. Die tragische Geschichte des Sinti-Boxers Johann Trollmann im Berlin der 30er Jahre findet sie perfekt erzählt, mit Lebendigkeit und Plastizität und der nötigen historischen Kenntnis. Dass sich die Autorin mitunter allzu sehr in ihren Stoff hineinkniet und den Sog ihrer Sprache und ihrer Charakterstudien unterminiert, indem sie einfach allzu viel Material anhäuft, zahllose Nebenfiguren einführt und mit historischem Wissen wuchert, ist da eigentlich eine lässliche Sünde, findet Buchzik.