Stefan Bauer

Polisbild und Demokratieverständnis in Jacob Burckhardts 'Griechischer Kulturgeschichte'

Cover: Polisbild und Demokratieverständnis in Jacob Burckhardts 'Griechischer Kulturgeschichte'
C. H. Beck Verlag, Basel/ München 2001
ISBN 9783796516740
Gebunden, 271 Seiten, 34,77 EUR

Klappentext

"Jetzt oder nie will ich Aristoteles Politica durchlesen mit der Feder in der Hand", schrieb Jacob Burckhardt 1864 an den Altphilologen Otto Ribbeck. Er plante einen Kurs über den "Geist" oder die "Cultur" der Griechen, etwa im Sinne seiner vier Jahre zuvor vollendeten Kultur der Renaissance. Bis zum ersten Vortrag der Griechischen Kulturgeschichte vergingen noch acht Jahre, in denen Burckhardt oft alle freie Zeit mit Quellenlektüre verbrachte. Der Autor zeichnet im ersten Teil der Monographie Burckhardts politische Einstellungen in Grundzügen nach. Im zweiten Teil bietet er eine Analyse von Burckhardts Polisbild und Demokratieverständnis. Enthalten sind ferner Kapitel zu Friedrich Nietzsche und Ulrich von Wilamowitz-Moellendorff sowie eine Bibliographie und eine Seitenkonkordanz zu den verschiedenen Ausgaben von Burckhardts Werk.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 31.08.2002

Als "sorgfältige und materialreiche Studie" lobt der "bvr" zeichnende Rezensent Stefan Bauers Arbeit über das "Polisbild und Demokratieverständnis" in Jacob Burckhardts posthum veröffentlichten Vorlesungen zur Griechischen Kulturgeschichte. Wie der Rezensent weiter ausführt, kann Bauer im Blick auf die Entstehungsgeschichte des Werks und in der Detailanalyse seiner grundlegenden Begrifflichkeit zeigen, dass Burckhardt darin zum ersten Mal ein Konzept der griechischen Polis als politisch-soziales und religiös-kulturelles System entwickelte. Burckhardts Schilderung der attischen Demokratie erscheint danach als ein "veritables 'Nachtgemälde'". Die erstaunliche Emotionalität seines Pinselstrichs habe ihren Ursprung im Krisenbewusstsein, das Burckhardts zeitgeschichtliche politische Urteile steuerte. Bauers Studie ist nach Ansicht des Rezensenten nicht nur "anregend zu lesen". Mit ihrem Register und einer umfangreicher Bibliografie biete sie darüber hinaus auch eine überaus nützliche Grundlage für die weitere Forschung.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 11.02.2002

Es war, wie man zu Beginn von Uwe Walters etwas ausufernder Rezension anekdotisch erfährt, eher eine Schnaps- (genauer gesagt: Bier-) Idee Jacob Burckhardts mit weitreichenden Folgen, einmal, wie er schrieb, "auf meine wildgewachsene Manier das Hellenenthum zu durchstreifen". Daraus wurde eine Vorlesung, erst posthum ein Buch nach Mitschriften. Erstmals wurde die antike Polis darin als von tiefer Ambivalenz durchzogene Lebensordnung begriffen und gerade deshalb für eine Analyse von Burckhardts Gegenwart bedeutsam. Stefan Bauers Studie, auf die Walter erst nach einer ganzen Weile zu sprechen kommt, stellt ganz das "Polisbild" und das "Demokratieverständnis Burckhardts" ins Zentrum. Der Rezensent hält sie für "gediegen" und stellt fest, dass sie "preisgekrönt" ist. Die biografischen Erläuterungen, mit denen Bauer beginnt, findet er sinnvoll. Er bemängelt jedoch, dass der zweite Teil mehr will als "stringente systematische Rekonstruktion", nämlich Konfrontation mit dem aktuellen Forschungsstand. Hier wird Bauer, kritisiert Walter, dessen Rezension dieser Zug aber auch nicht ganz fremd ist, gelegentlich "etwas oberlehrerhaft". Deutlich werde in dieser Gegenüberstellung aber, "wie Burckhardt fundamentale Ideen und Praktiken der athenischen Demokratie intuitiv richtig gesehen hat."
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 18.08.2001

Ulrich Raulff findet die Studie, die sich mit der griechischen Polis und dem sich daraus abzuleitenden "Demokratieverständnis" Jakob Burckhardts, wie er sich aus dessen "Griechischer Kulturgeschichte" herausarbeiten lässt, gleichzeitig enttäuschend und gewinnbringend. Gescheitert sieht der Rezensent den Autor in seinem Vorhaben, Burckhardts politische Überzeugungen darzulegen, hier findet Bauer seiner Ansicht nach nur "dürre und wenig originelle Antworten". Dafür aber ergeben sich "am Rande" hochinteressante und erhellende Erkenntnisse über das Verhältnis von Nietzsche und Burckhardt, lobt der Rezensent. Zudem mache das Buch deutlich, dass es sich bei dem Baseler Kunsthistoriker um einen "selbstbewussten Modernen" handelt, der mit dem Wincklerschen Griechenbild der "Größe und Stille" endgültig aufräume, so Raulff angetan.
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