Roberto Calasso

Der Traum Baudelaires

Cover: Der Traum Baudelaires
Carl Hanser Verlag, München 2012
ISBN 9783446239982
Gebunden, 496 Seiten, 34,90 EUR

Klappentext

Aus dem Italienischen von Reimar Klein. Baudelaire, Dichter, Kunstliebhaber, bedeutender Kritiker, Flaneur und seine Mutter abgöttisch liebender Sohn, ist der Protagonist dieses Buchs. Roberto Calasso beobachtet ihn bei seinen Streifzügen durch die Metropole Paris, seinen Rundgängen durch die "Salons". Auf den Spuren Baudelaires hat der Autor aus Italien einen imaginären Ort geschaffen, an dem der Leser dem Dichter selbst begegnet, seinen Vorlieben und Abneigungen, seiner Stadt, aber auch Dichtern wie Chateaubriand, Flaubert, Stendhal und Malern wie Ingres und Delacroix. In einem Mosaik aus Geschichten, Interpretationen und Kommentaren wird das faszinierende Bild der Pariser Literatur, Kunst und Mythologie zur Zeit Baudelaires lebendig.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 08.02.2013

Wer sich "Der Traum Baudelaires" von Roberto Calasso vornimmt, sollte nicht nur viel Zeit und Geduld mitbringen, sondern auch ein "gut bestücktes Regal in der Nähe" wissen, rät Lena Bopp. In seinem langen Essay begleitet Calasso Charles Baudelaire in dessen Auseinandersetzung mit seiner eigenen Zeit, und vor allem: mit den Künstlern seiner Zeit. Der Autor hat eine "bildungsgesättigte, aber instinktiv-assoziative" Herangehensweise gewählt, er ignoriert gerne die Selbstbezeichnungen und -beschreibungen der Künstler, um sie in seiner Interpretation der Epoche unterzubringen, erklärt die Rezensentin. Paradigmatisch für diese Epoche der aufkommenden Moderne sei für Calasso vor allem die Hinwendung zum Bild und die Abkehr von den festen Bedeutungsgefügen der Vergangenheit - Bopp findet nachvollziehbar, dass sich dafür Baudelaire angeboten hat. Das Herzstück des Buches sind aber nicht die Vergleiche, Verbindungen und Trennungen zwischen Baudelaire und Künstlern wie Ingres, Delacroix, Sainte-Beuve, Nietzsche oder Flaubert, sondern seine höchsteigene Deutung eines Traumes, den der Dichter in einen Brief an einen Freund schildert. Hier sieht Calasso den vielleicht letzten Gott aufscheinen, "zu dem man sich bekennen konnte": das Unbekannte.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 31.01.2013

Charmant, aber ein bisschen oberflächlich, so lässt sich Ina Hartwigs Gesamteindruck von diesem Buch zusammenfassen. Die Rezensentin bescheinigt dem italienischen Autor Roberto Calasso in seinem Essay Eleganz, Schwung und Überraschung. Aber Systematik sei seine Sache nicht. Und auch sein eigentliches Thema - Baudelaire als Prosaist - findet sie eher verschenkt. Denn ausgerechnet der Maler Constantin Guy, den Baudelaire bewunderte und an dessen Werk er seine Kunstkritik entwickelte, interessiere Calasso nicht. Die Übersetzung von Reimar Klein lobt sie als vorzüglich, doch moniert sie, dass ausgerechnet die Gedichte nur im französischen Original abgedruckt sind. Man fragt sich als Leser der Kritik, warum Hartwig das Buch gleichzeitig "extrem anregend" fand. Vielleicht gerade wegen seiner Unsystematik?

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 12.01.2013

Eine wahre Lobeshymne stimmt der bekannte Romanist Karlheinz Stierle auf Roberto Calassos neues Werk über Charles Baudelaire an. Er würdigt Calasso als Schriftsteller mit einem erstaunlichem Wissen. "Der Traum Baudelaires" liegt zu seiner Freude in einer ausgezeichneten, ebenso präzisen wie leichthändigen deutschen Übersetzung vor. Das Buch ist für ihn eine einzigartige Mischung aus Biografie, Roman, literaturgeschichtlicher Abhandlung und kulturgeschichtlichem Essay. Calasso gelingt es in seinen Augen überzeugend, eine neue Perspektive zu dem französischen Poeten und Schriftsteller, der vor allem als Dichter der Moderne bekannt ist, zu eröffnen, indem er die bisher selten wahrgenommene Prosa des Schriftstellers in den Mittelpunkt rückt. Das Resümee des Rezensenten: eine brillante, und treffende Darstellung von Baudelaires Leben und Werk, seiner Welt und seiner Zeit.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 03.01.2013

Als Künstler der absichtlichen Abschweifung und Zerstreutheit feiert Robert Calasso Baudelaire und feiert Calassos Rezensent Volker Breidecker Calasso selbst in einer Rezension, die mäandert, wenig Aufschluss gibt über die genaue Struktur des Buchs, aber auch Andeutungen macht, warum das so ist: Es handele sich nun mal um "verschlungene Gedankengänge". Und für "digitale Leser", so scheint Breidecker den Perlentaucher von Ferne zu warnen, ist das ohnehin zu hoch. So erfährt man dies und das - dass es um die Doppelbedeutung des Salons als gesellschaftlichem aber auch Ausstellungsort geht, dass der Kritiker Sainte-Beuve eine Rolle spielt, der einmal die "folie Baudelaire" besungen hatte und den Dichter auf der "äußersten Spitze der Kamtschatka" wähnte, und dass bei Calasso und bei Baudelaire - wie schon gesagt - bewusst und virtuos die "Klaviatur der Korrespondenzen" gespielt werde.
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