Robert Walser

Geschwister Tanner - Kritische Edition des Erstdrucks

Kritische Robert Walser-Ausgabe (KWA), Abteilung I, Band 2
Cover: Geschwister Tanner - Kritische Edition des Erstdrucks
Stroemfeld Verlag, Frankfurt am Main 2008
ISBN 9783866000247
Gebunden, 340 Seiten, 38,00 EUR

Klappentext

Herausgegeben von Wolfram Groddeck(Leitung), Barbara von Reibnitz und Matthias Sprünglin. Die Kritische Robert Walser-Ausgabe (KWA) dokumentiert mit den beiden ersten Bänden, dem kritisch edierten und philologisch kommentierten Erstdruck und der Faksimile-Edition des bisher unpublizierten Manuskripts von "Geschwister Tanner" Robert Walsers Debüt als Romanschriftsteller. KWA IV/1 bringt die faksimilierte Handschrift mit diplomatischer Umschrift. Die Handschrift ist die früheste erhaltene Druckvorlage in Walsers Nachlass. Allem Anschein nach stellt das Manuskript, niedergeschrieben im Januar 1906 in Berlin, zugleich auch die erste Niederschrift des Romans dar. Christian Morgenstern, damals Lektor beim Verlag Bruno Cassirer, berichtet dem Verleger am 8. April 1906 von der Lektüre des Manuskripts: "Bis zur Mitte der 'Geschwister Tanner' sagte ich mir: du hast selten etwas in seiner Art so Schönes gelesen. Im Verlauf des 2. Teils wurde ich manchmal von einer leisen Ungeduld ergriffen, obwohl auch er herrliche Stellen enthält." Das Manuskript zu "Geschwister Tanner", das ein ungewöhnlich hohes Maß an Bearbeitungsspuren aufweist, gibt einen neuen und differenzierten Einblick in die Anfänge von Walsers schriftstellerischer Entwicklung und dokumentiert indirekt auch die Auswirkungen des Lektorats von Bruno Cassirer und Christian Morgenstern. Ein vollständiges Variantenverzeichnis teilt die Textveränderungen mit, die der Wortlaut des Manuskripts auf dem Weg zum Erstdruck erfahren hat. Die Edition des Erstdrucks (KWA I/2) enthält in zahlreichen philologischen Annotationen Hinweise zur Textdifferenz des Erstdrucks gegenüber der Handschrift und gibt im Nachwort einen Abriss der frühen Rezeption des Romans. Auf der beigelegten CD-ROM befindet sich die elektronische Version der "Geschwister Tanner" -Edition, mit Dokumenten und den farbigen Handschriftenfaksimiles. Außerdem enthält die CD-ROM die erste Version des "Findbuchs", mit dem sämtliche Texte Robert Walsers nach den Archivstandorten, Erstdruckorten und den Abdrucken in den wichtigsten späteren Textausgaben identifiziert werden können. Bei Subskription der Gesamtausgabe wird ein Rabatt von mindestens 15 Prozent auf den regulären Ladenpreis gewährt.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 05.06.2012

Martin Stingelin zeigt sich begeistert von den soeben erschienenen drei Bänden der Kritischen Ausgabe der Drucke und Manuskripte Robert Walsers. Stingelin erlebt den "Schönschreiber" Walser vor allem in dessen Debütroman "Geschwister Tanner", dessen Vorliegen als eigenhändiges Manuskript ihm die Chance gibt, in die Werkstatt des Autors einzutreten und dessen Modernität, nicht zuletzt in den gestrichenen Passagen, zu entdecken. Von wuchtiger Modernität kündigt ihm vor allem Walsers Gebrauch des Konjunktivs, seine grammatikalischen Möglichkeiten, wie sie die Kritische Ausgabe mit ihren Fassungen und der Dokumentation der Druck- und Rezeptionsgeschichte offenbart. Für Stingelin ein kalligrafisches Ereignis erster Klasse.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 27.07.2009

In die Tasche stecken, wie die Bände der Sämtlichen Werke Robert Walsers, lassen sich die vorliegenden ersten beiden Bände der von Wolfram Groddeck und Barbara von Reibnitz herausgegebenen Kritischen Werkausgabe leider nicht, teilt uns Hans-Herbert Räkel mit. Weil das zugunsten einer "vorzüglichen" Lesbarkeit und eines erschöpfenden editorischen Apparats geschieht, ist das für Räkel natürlich kein Makel. Im Gegenteil. Walsers "Geschwister Tanner" im Erstdruck beziehungsweise als Faksimile gingen ihm runter wie Öl. Die Wiedergabe der Handschrift erscheint ihm ausgezeichnet. Für den Fall, dass die Entzifferung Probleme macht (und zum Stellenvergleich), greift er zur elektronischen Ausgabe auf CD und kann den entsprechenden Passus beliebig vergrößern. Für Räkel vor allem für die noch folgenden Bände (etwa mit Walsers Mikrogrammen) ein echtes Highlight, das die gestellte Aufgabe, "die skripturalen Sprachkunstwerke über ihre Entzifferung hinaus lesbar" zu machen, laut Rezensent perfekt zu erfüllen hilft.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 03.01.2009

Nicht leugnen will der Rezensent Roman Bucheli die ungeheure Arbeit, die in die Kritische Ausgabe der Werker Robert Walsers fließen soll, deren erste von geplanten 48 (!) Bänden mit den beiden Ausgaben des Erstlings "Geschwister Tanner" (als Faksimile des Manuskripts und als Wiedergabe des Erstdrucks) vorliegen. Durchaus beflissen erläutert Bucheli auch die Textgestalt des Faksimile und die Einsichten, die man aus ihm ziehen kann. Er muss aber sagen: So viele Erkenntnisse sind das bei einem ganz offenkundig nur wenig revidierenden und umschreibenden Autor wie Robert Walser womöglich nicht. So bleibt also bei aller Anerkennung für diese Unternehmung - die auch noch parallel zu einer von ihr ganz unabhängigen Leseausgabe bis 2022 ihrer Vollendung entgegenwachsen wird - doch die Skepsis nicht zu überhören, ob hier nicht vielleicht etwas viel Forscherfleiß und Philologenschweiß in ein Vorhaben gesteckt wird, das die Mühe am Ende nur bedingt lohnt.