Robert Walser

Drucke in der Neuen Zürcher Zeitung

Kritische Robert Walser-Ausgabe (KWA), Abteilung III, Band 3
Cover: Drucke in der Neuen Zürcher Zeitung
Stroemfeld Verlag, Frankfurt am Main 2013
ISBN 9783866001725
Gebunden, 520 Seiten, 73,50 EUR

Klappentext

Herausgegeben von Barbara von Reibnitz und Matthias Sprünglin. Mit 1 DVD. "Jung. Schriftsteller s. Stelle als Sekretär, Reisebegleiter oder Vorleser. Gefl. Offerten an Robert Walser, Täuffe­len, Kt. Bern." Mit diesem Stelleninserat war am 4. April 1902 der Name "Robert Walser" erstmals in der Neuen Zürcher Zeitung zu lesen. Was sich daraus ergeben hat, ist nicht bekannt. Doch rechtzeitig zum Weihnachtsfest des Jahres 1904 hat dann im Feuilleton Fritz Marti Walsers erstes Buch "Fritz Kocher's Aufsätze" besprochen. Bis der erste Text Walsers in der NZZ gedruckt wurde, sollten noch zehn Jahre vergehen. Im November 1914 erschien das Prosastück "Denke dran". Seit vier Monaten befand Europa sich im Kriegszustand. Walsers Feuilleton, formuliert als privat-persönliches Memento mori, war auf diesen Hintergrund nur implizit bezogen. Doch im Zeitungskontext, den diese Edition erstmals dokumentiert, ist dieser Bezug nun unübersehbar.
Der Band III 3 der KWA versammelt chronologisch sämtliche Feuilletons von Robert Walser, die zu seinen Lebzeiten in der NZZ erschienen sind. Ein graphisches Schema mit einer erläuternden Legende repräsentiert die Zeitungsseite, auf der die Texte ursprünglich zu lesen waren. Die Faksimiles der entsprechenden Zeitungsseiten sind auf der begleitenden DVD einsehbar.
Das Konvolut der insgesamt 80 Textabdrucke in der NZZ erlaubt einen diachronen Blick auf Walsers schriftstellerische Entwicklung nach seiner Rückkehr aus Berlin in die Schweiz und macht erstmals den Vergleich mit den in anderen Zeitungen und damit in anderen kulturellen Rezeptionskontexten erschienenen Texten möglich, sei es im Berliner Tageblatt (KWA III 1), sei es in der "Frankfurter Zeitung" oder in den deutschsprachigen Zeitungen Prags, die seit Mitte der Zwanziger Jahre zu den Hauptabnehmern für Walsers Feuilletons gehörten.
Zu entdecken ist in diesem Band ein bislang in keiner Walser-Ausgabe gedrucktes Prosastück: "Dornröschen", erschienen in der NZZ am 22. Juni 1919. Auch andere Texte sind in der hier präsentierten Gestalt erstmals zu lesen - so eine Reihe von Erstfassungen, die stark überarbeitet in den Sammelband "Poetenleben" eingegangen sind.
Der Band wird durch ein Editorisches Nachwort abgeschlossen, das Walsers publizistische Beziehung zur NZZ beschreibt. Ein Dokumentarischer Anhang versammelt Zeugnisse, die diese Beziehung illustrieren und die zugleich beleuchten, welche bedeutende Rolle die NZZ damals als steuernde Instanz des deutschschweizerischen Literaturbetriebs gespielt hat.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 18.01.2014

Rezensent Roman Bucheli begrüßt die beiden neuen Bände mit den Texten Robert Walsers aus der "Neuen Zürcher Zeitung" und dem "Berliner Tageblatt", die jetzt im Rahmen der kritischen Ausgabe seiner Werke erschienenen sind. Die Texte und andere in den Bänden abgedruckten Dokumente führen ihm eindrucksvoll vor Augen, dass Walser entgegen seiner Selbstinszenierung keineswegs ein verkannter Dichter war, sondern, zumindest zwischen 1910 und 1930, zu den wichtigsten Autoren des Literaturbetriebs gezählt wurde. Zugleich dokumentieren die Bände Bucheli zufolge aber auch das zunehmende Verstummen des Schriftstellers ab den 1930er Jahren. Er hebt hervor, dass vor den Texten jeweils schematisch das Layout der Zeitungsseite mit Walsers Text wiedergegeben wird, so dass die Prosastücke in ihrem publizistischen Kontext sichtbar werden. In den den Bänden beiliegenden DVDs findet er neben den Texten zudem die faksimilierten Zeitungsseiten.
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