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Robert Pfaller

Wofür es sich zu leben lohnt

Elemente materialistischer Philosophie

Klappentext

Ein Leben, welches das Leben nicht riskieren will, beginnt unweigerlich, dem Tod zu gleichen. Unsere Kultur hat sich den Zugang zu Glamour, Großzügigkeit und Genuss versperrt - wir vermeintlich abgebrühten Hedonisten rufen schnell nach Verbot und Polizei, beim Rauchen, Sex, schwarzen Humor oder Fluchen. Alles Befreiende oder Mondäne dieser Praktiken geht dabei verloren. Robert Pfaller untersucht in seinem neuen Buch, warum es so gekommen ist und was sich dahinter verbirgt. In Analysen u.a. zum pornografischen Pop, zum schmutzigen Frühling, zu Tischmanieren, zu "meinem" Geschmack und zum Scheitern entlarvt er die aktuellen Tendenzen der Kultur und benennt ihren politischen Preis.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 07.05.2011

Angetan zeigt sich Rezensent Tim Caspar Boehme von Robert Pfallers Buch "Wofür es sich zu leben lohnt". Er liest das Werk des Wiener Philosophen als ein leidenschaftliches Plädoyer für eine genussfreudige, materialistische Philosophie, verstanden auch als eine Widerstandsform gegen ein schlechtes Leben in dieser Welt. Die Kritik des Autors an der Brandmarkung von Genüssen als gesundheitsschädlich und unvernünftig scheint ihm nicht unplausibel. Neben dem Neoliberalismus gerät auch der philosophische Idealismus seit der Antike in Pfallers Fadenkreuz. Dass der Autor Denker wie Kant oder Stoiker wie Seneca als "lebensfeindliche Antagonisten" darstellt, scheint ihm allerdings etwas "schematisch" und eigentlich überflüssig.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 16.03.2011

Fleisch ist sein Gemüse, könnte es heißen. Allerdings wird nicht ganz klar, ob sich Rezensent Daniel Grinsted vom Autor hat anstecken lassen und nun öfter mal wieder ordentlich Koffein, Nikotin und andere Lustmittel zu sich nimmt, anstatt gut kulturkapitalistisch und bourgeois zurückzustecken und vor der allgemeinen Unlust und Risikovermeidung zu kapitulieren. Genau vor dieser vom Common Sense verordneten Rundumdiät nämlich warnt der Philosoph Robert Pfaller in seinem Buch. Etwas weniger hätte er dabei allerdings die Theoretiker sprechen lassen dürfen, meint Grinsted, der das Augenzwinkern des Autors bei allem unbezweifelbaren Ernst seines Anliegens schätzt und ihm immer dann am liebsten folgt, wenn er aus dem Bauch heraus argumentiert, d. h. aus der Perspektive eines intellektuellen Endvierzigers, also vielleicht doch nicht ganz und gar aus dem Bauch heraus.
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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 16.03.2011

Auf offenes Gehör stößt Robert Pfaller mit seinem Buch über unsere heutige Genussarmut beim Rezensenten Claude Haas. Wenn Pfaller darstellt, wie wir heute nur noch "unter Vorbehalt" genießen (fettarme Milch, alkoholfreies Bier, körperloser Sex), Lust und Schmutz verdrängen und unseren Wunsch nach einem intensiven Leben zugunsten eines unversehrten Todes aufgegeben haben, dann kann der Rezensent dem Autor nur zustimmen: Neoliberalismus, Idealismus und Gesundheitsterror haben die Frage nach dem guten Leben "unstellbar" gemacht. "Psychoanalytische Versiertheit" mag Haas dem Autor dabei gern attestieren, allerdings keine intellektuelle Sorgfalt. Und hier sieht der Rezensent das große Manko des Buchs: Viel zu sprunghaft findet er Pfallers Argumentation: Statt sich mit den zitierten Philosophen auseinanderzusetzen, lässt er nur ihre Namen fallen und schert sie zu allem Übel auch noch über einen Kamm - "von Immanuel Kant bis Judith Butler" - klagt der Rezensent.