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Robert Gerwarth

Reinhard Heydrich

Biografie
Cover: Reinhard Heydrich
Siedler Verlag, München 2011
ISBN 9783886808946
Gebunden, 478 Seiten, 29,95 EUR

Klappentext

Aus dem Englischen von Udo Rennert. Reinhard Heydrich (1904 - 1942) war einer der mächtigsten Männer des "Dritten Reichs": Als Leiter des Reichssicherheitshauptamts und engster Mitarbeiter Heinrich Himmlers lenkte er den Terrorapparat der Nationalsozialisten. Robert Gerwarth folgt in seiner Biografie dem steilen Aufstieg Heydrichs und beleuchtet dessen Rolle im NS-Regime sowie die Stilisierung zum Märtyrer nach seinem Tod durch ein Attentat in Prag.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 29.05.2012

Bei aller anerkenneswerten Mühe des Autors vermag Thomas Schnabel dennoch nicht nachzuvollziehen, wie aus einem musischen, einem bildungsbürgerlichen Elternhaus entstammenden unpolitischen Menschen eine von Hitlers schlimmsten Bestien werden konnte. Aber das zu erläutern muss eine Biografie zu Reinhard Heydrich vielleicht gar nicht leisten. Schnabel gefällt die wissenschaftliche Biografie des Historikers Robert Gerwarth, er findet sie mitunter spannend zu lesen, sieht den Lebensweg Heydrichs überzeugend nachgezeichnet und lobt den Autor für den Nachweis zentraler Handlungsmotive Heydrichs. Rational verständlich, doch menschlich nicht zu verstehen bleibt Heydrichs Leben für den Rezensenten nach der Lektüre dieses "wichtigen" Buches.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 20.12.2011

Robert Gerwarths Biografie des "wohl größten Massenmörders der Geschichte" setzt Maßstäbe, urteilt der Historiker Hans Mommsen, der dieses Buch eingehend und mit beispielloser Sachkenntnis bespricht. Schon vom Lesen seines Artikels wird man klüger. Mommsen schätzt an Gerwarths Arbeit besonders, dass der Autor sich Reinhard Heydrich mit "kalter Empathie" nähert und nicht aus der Sicht des Anklägers nähert. Dezidiert kann Mommsen nachlesen, wie der von Ehrgeiz getriebene Heydrich seine Karriere im Reichssicherhauptamt machte und zum effizientesten Funktionär der nationalsozialistischen Vernichtungspolitik aufstieg. Fassungslos verfolgt Mommsen, was für pervertierte Moralvorstellungen Heydrich bei der Ermordung des europäischen Judentums entwickelte: Unsystematische Gewalt lehnte dieser ab, er bestand darauf, dass der Massenmord "anständig, unauffällig und zielgerichtet" durchgeführt wird. Interessant auch Mommsens Erklärung, dass sich das Reichssicherheitshauptamt als Behörde auch deshalb so radikalisierte, weil dort keine fachlich Qualifizierten, sondern vor allem soziale Aufsteiger miteinander konkurrierten.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 08.12.2011

Nachdrücklich empfehlen möchte Klaus Hillenbrand diese erste Biografie des von tschechischen Freiheitskämpfern umgebrachten SS-Manns Reinhard Heydrich. Wie der Historiker Robert Gerwarth hier Heydrichs Karriere beschreibt, hat der Rezensent so noch nicht gelesen. Zwar hätte Hillenbrand nicht unbedingt wissen müssen, dass Heydrich aus durchaus bürgerlichem Elternhaus entstammt, aber wie dieser nach seiner unehrenhaften Entlassung aus der Marine die Gunst nutzt, um in der SS Karriere zu machen und diese von der "Schutzstaffel" zur gefürchteten Organisation erst der Judenverfolgung, dann der Judenvernichtung ausbaut, das hat Hillenbrand brennend interessiert. Wie Karrieresucht eines einzelnen und Radikalisierung eines Systems ineinanderfließen, das hat er so noch nicht gelesen,

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 11.10.2011

Rezensent Burkhard Müller hofft angesichts zweier Neuerscheinungen auf Deutsch auf sich gegenseitig befruchtende und ergänzende Publikationen über den Organisator des Holocausts Reinhard Heydrich, doch nur die vorliegende Biografie von Robert Gerwarth hat ihn wirklich überzeugt. Der in Deutschland geborene und in Dublin lehrende Professor für Moderne Geschichte versucht Heydrich in seiner Biografie mit systemischem Blick und "kalter Empathie" beizukommen, erklärt der Rezensent. Er merkt dem Autor an, wie stark er sich gegenüber den unaussprechlichen Grausamkeiten des Holocaust wappnen muss und findet die Quellen, die über den Menschen Heydrich Auskunft geben sollen, sehr umsichtig ausgesucht. Insbesondere aus den Briefen, die Heydrich seiner Frau schreibt, lässt sich seine Entwicklung vom zunächst durchaus kleinbürgerlichen Menschen zum "Architekten der Endlösung", der spätestens bei Kriegsbeginn das "bürgerliche Leben" ein für allemal hinter sich lässt, nachvollziehen, lobt der Rezensent. Zusammen mit den Zeugnissen von Anhängern und Gegnern Heydrichs entsteht ein facettenreiches Porträt, das nur, wenn die Strukturgeschichte des Nationalsozialismus in den Vordergrund tritt, seine Anschaulichkeit verliert und notgedrungen abstrakter wird, lobt Müller.
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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 06.10.2011

Mit großem Interesse hat der hier rezensierende Historiker Norbert Frei die Heydrich-Biografie seines in Dublin lebenden Kollegen Robert Gerwarth gelesen. Was ihm am besten gefällt, ist, dass sich Gerwarth mit psychologischen Spekulationen ebenso zurückhält wie mit all den Räuberpistolen, die über den SS-Mann und Koordinator des Holocausts bisher kursierten. Er stellt ihn als Sohn aus bürgerlichem Musikerhauses vor, der sich nach seiner Entlassung aus der Marine einer persönlichen Katastrophe gegenübersieht und sich der NSDAP verschreibt. Interessant findet Frei, wie Gerwarth zeigt, dass Heydrichs wachsende Zuständigkeiten als Chef von SS und SD mit einer Ausweitung seines Feindbegriffs einherging. Sehr beeindruckend findet Rezensent Frei diese schwarze Karriere dargestellt und erlaubt sich selbst kurz die Frage, warum eigentlich nicht mehr Spitzen-Nazis während des Krieges umgebracht wurden.