Ralph Freedman

Rainer Maria Rilke

2 Bände. Band 1: Der junge Dichter (1875-1906). Band 2: Der Meister (1906-1926)
Insel Verlag, Frankfurt am Main 2002
ISBN 9783458171249
Gebunden, 1059 Seiten, 64,60 EUR

Klappentext

Mit 57 Abbildungen. Aus dem Amerikanischen von Curdin Ebneter. Ralph Freedman hat sich dem Leben dieses Dichters und dessen wirkungsmächtigem Werk aus doppelter Distanz genähert: Mehr als 70 Jahre nach Rilkes Tod sind die Dokumente seines Lebens, eigene und fremde, dem forschenden Biografen größtenteils verfügbar; und von Amerika aus gesehen ist der kosmopolitische Rilke, der in deutscher und französischer Sprache schrieb, ein Dichter und Repräsentant Europas. Freedman geht es um den Menschen, der hinter dem Werk und den öffentlichen Masken verborgen ist. Er wagt dabei mitunter überraschende Rückschlüsse von der Dichtung auf den Menschen und umgekehrt; so sieht er Leben und Werk von einer Grundkonstellation bestimmt: dem Kontrast zwischen der tristen Heinrichsgasse in Prag, in der er geboren wurde, und dem prächtigen Palais in der benachbarten Herrengasse, in der die wohlhabende Familie seiner Mutter lebte, zu der er nie ganz gehörte.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 17.10.2002

Penible Ausführlichkeit, so Karl-Markus Gauß, ist die Stärke, vor allem aber die Schwäche dieser Biografie. Die Materialfülle, die allein schon in den unendlich vielen Reisen samt "Bettgeschichten", "Affären", "innigen Liebesbeziehungen" und "platonischen Freundschaften" Rilkes liegt, sind aus seinen diversen Briefwechseln minuziös von Freedman herausdestilliert, meint Gauß. Was ihm aber gänzlich fehlt ist "innere Entwicklung", Gewichtung und Analyse, klagt der Rezensent. Auffallend bleibt immerhin auch in der materialreichen Nachzeichnung für Gauß der "nicht eben sympathisch" anmutende Zug schon im jungen Rilke, pausenlos nach Gönnern und - möglichst adeligen - Geldgebern zu suchen und seine Überzeugtheit von sich als großem Künstler. Total verwundert ist Gauß über die "gravierende, unverständliche Fehleinschätzung" Freedmans, der Prag für ein "provinzielles Nest" hält und daher den kulturellen Nährboden des Dichters nicht ernsthaft würdigen kann.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 03.08.2002

Curdin Ebneter ist es "vortrefflich" gelungen, die vor sechs Jahren in den USA erschienene Biografie Ralph Freedmans über Rainer Maria Rilke ins Deutsche zu übertragen, lobt Hans-Albrecht Koch. Und "vorzüglich" könnten nun, schwärmt der Rezensent weiter, alle Rilke-Fans dessen Leben und Werk in vielen Facetten nachvollziehen. Diese Biografie stelle geradezu, behauptet Koch, einen "Markstein" für die Literaturwissenschaft dar, denn Freedman, der lange Komparatistik in Princeton gelehrt hatte, wisse Leben und Werk "mit weitem Blick" und "gebändigter Detailfülle" "glücklich" in Einklang zu bringen. Stets gelinge es dem Autor, hinter Vordergründigem Ursachen und Motive sichtbar zu machen, ohne Unsicherheiten zur Spekulation zu erheben und ohne auf eine stets nüchterne Betrachtung zu verzichten. Erfreut ist der Rezensent auch darüber, dass die deutsche Fassung sogar auf dem neuesten Stand der Rilke-Forschung ist, denn der Autor habe edierte Briefe und Dokumente der letzten sechs Jahre in die deutsche Fassung miteinbezogen.