Rainald Goetz

Loslabern

Gesprochen von Rainald Goetz
Intermedium records, München 2010
ISBN 9783939444763
CD, 17,95 EUR

Klappentext

Eine Art monologisches Sprechen hebt an, es ist die Stimme des Autors, die zu hören ist. Es ist die am Mikrofon stattfindende Wiederbegegnung bzw. Selbstkonfrontation mit dem eigenen, Monate zuvor entstandenen und mittlerweile in Buchform vorliegenden Text, der seinen Anfang nimmt in der Beschreibung eines initiatorischen Moments, und zwar exakt des Moments, der von der Empfindung und Denkbewegung zur Schreibaktion führt. "In einer Aufwallung von Direktheit und quasi sinnfreier Intentionalität hatte der Höllor, die Arme von sich werfend himmelwärts, ausgerufen: LOSLABERN: Traktat, Traktat über den Tod, über Wahn, Sex und Text, und, erheitert von diesem soeben durch ihn hindurchgefahrenen Expressivitätsereignis: Bericht!, der Herbst 2008!, dem davon Angestoßenen sofort stattgegeben und es geschehen lassen, dass da also LOSGELABERT würde, und...

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 15.04.2010

Bezwingend findet Alexander Cammann das Hörbuch, das Rainald Goetz aus seinem kultur- und gesellschaftskritischen Band "loslabern" gemacht hat - Goetz, den der Kritker als "Harry Graf Kessler unsere Epoche" in den literarischen Adelsstand erhebt. Denn mehr noch als in der Buchfassung vermag Goetz dem Kritiker in seiner Lesung "seinen Betrachtungen die Aura einer historischen Überlieferung" zu verleihen. Höhepunkt ist für Cammann eine 45-minütige Schilderung des Herbstempfanges der FAZ 2008 im Berliner Hotel de Rome, die er als riesige "Machtergreifungsorgie" des "ungeheuerlichen Sozialmonsters" schildere. Für Cammann ersetzt in diesem Stück Goetz' Blicke auf Rituale und Eitelkeiten der Macht jede Elitensoziologie.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 30.03.2010

Großes Vergnügen hat Tobias Lehmkuhl diese von Rainald Goetz selbst gelesene Hörbuchfassung seines Textes "Loslabern" bereitet. Fühlte er sich beim Selberlesen noch an den großen Beschimpfer Thomas Bernhard erinnert, tritt beim Anhören der vorliegenden CD der Unterschied zwischen beiden Autoren deutlich zutage: während er Bernhard mit einer Kettensäge vergleicht, ähnelt Goetz seines Erachtens einem "Sushi-Messer, das mit chirurgischer Präzision noch viel radikaler alles und jeden bis zur Selbstentleibung niedermetzelt". Besonders beeindruckt hat ihn, wie Goetz mir nichts dir nichts den FAZ-Herausgeber Frank Schirrmacher als "arme Witzfigur" zeigt, wobei er hinzufügt, dass sich der "Vernichtungswille" des Autors sogleich auch gegen ihn selbst wende. Und Hans Magnus Enzensberger, Gorbatschow und Joschka Fischer kämen noch schlechter weg. Manches wird nach Ansicht Lehmkuhls nur der Insider verstehen, aber auch der Außenstehende wird von Goetz' Vortrag gebannt sein.
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Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 12.03.2010

Die vom Autor gelesene Hörfassung von "loslabern" hat Julian Weber genossen. Der Text, verspricht er, gewinnt andere räumliche Zugänge, wenn Rainald Goetz ihn frei von Musik oder Klangeffekten mit bayerischem Idiom sonor selbst spricht. Weber konstatiert eine Versachlichung, ein ruhiges Sprechen, auch wenn der Text wilder wird, was zu Goetz' Verständnis des Sprechakts als einer moralischen Handlung passt. Allerdings entgeht ihm auch nicht, wie das Text-Ich eine Erzählperspektive ins Dokumentarische einzieht, wie der Text "formales Eigenleben" gewinnt, zur Fiktion wird.
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