Pornosophie und Imachination

Sade, LaMettrie, Hegel
Cover: Pornosophie und Imachination
Matthes und Seitz, München 2002
ISBN 9783882218367
Gebunden, 283 Seiten, 34,00 EUR

Klappentext

Herausgegeben von Michael Pfister und Stefan Zweifel. Als künstlerischer Mensch in der Revolte entdeckte Sade die singuläre Kraft der Wunschmaschine, in der alles zusammenfließt: Philosophie und Pornographie, Freiheit und Notwendigkeit, Aufklärung und Gegenaufklärung. Das Modell des Menschen als Maschine und die freischwebende Imagination verdichten sich zur Imachination, die das Räderwerk der alleserfassenden Sinnmaschine heiß- und leerlaufen läßt.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 18.02.2003

Konträr zu vielen Lesarten des 20. Jahrhunderts beschreibt Dietmar Dath den Marquis de Sade als "Sexualisierer des Schreibens" und nicht als "Denker des Sexuellen". Auch hierin liege die Unterscheidung zu zeitgenössischen Autoren des Pornografischen, angefangen von Michel Houellebeque, Lucius Shapard über Catherine Millet zu Paul DiFilippo, die je nach persönlicher Vorliebe und mehr oder weniger gelungener Emanzipation, sei es mit Hass, Kaltschnäuzigkeit oder völliger Asozialität "ihre Meinungen über die conditio humana einwickeln wie übelriechenden Fisch in Zeitungspapier". Im jetzt auf Deutsch vorliegenden Schlussteil des de Sade'schen Hauptwerkes "Justine und Juliette" sei - versteckt unter vielen anderen Stellen und Textorgien - Adornos zentraler Gedanke der "Dialektik der Aufklärung" schon vorweggenommen, nämlich verdichtet im de Sade'schen Satz: "Die Grausamkeit selber stellt lediglich die Verästelung der Feinfühligkeit dar, sage ich, und je stärker unsere Seelen von dieser letzteren durchdrungen sind, um so schlimmere Gemetzel verüben wir."

Der von Stefan Zweifel und Michael Pfister herausgegebene, akribische und ansprechend aufgemachte Begleitband zu "Justine und Juliette" mit dem Titel "Pornosophie & Imachination - Sade, La Mettrie, Hegel" enthält, so der Rezensent, "unzählige interessante Echos und Korrespondenzen" des hochbürgerlichen Denkens, führe aber genau mit dieser akademischen Methode in die Sackgasse. Denn ein Werk des Denkens seien die "Textorgien" de Sades nicht, und ihnen hinterher zu denken, wie dies im "wahnsinnigen 20. Jahrhundert" viele versucht hätten (z.B. Pasolini) führe zwangsläufig in die Irre. De Sades Ausleuchtungen des Menschen als Sexualwesen, erstmals losgelöst vom Biologischen, könne man eher in den Horrormeldungen der Boulevardblätter (wenn man das Moralin weglässt) aufscheinen sehen, oder bei einem Abend im Internet, als bei belesenster Erleuchtung.