Demagogie manifestiert sich als durchgängiges Phänomen der Menschheitsgeschichte. Bevor sie gefährlich wurde und Gesellschaften in Diktaturen kippte, war sie politische Rhetorik. Demagogen der Antike beschritten den Weg der Radikalisierung des Wortes: zunächst führten sie das Volk rhetorisch. Allmählich jedoch ergriffen sie die Masse, vereinnahmten, verführten und beherrschten diese. Große Teile der Gesellschaft und mit diesen das Oppositionelle wurden und werden entkräftet und zerstört, bestehende demokratische Strukturen ausgehöhlt und untergraben.Wo verlaufen heute die Grenzen zwischen Rhetorik, Hassrede und Verhetzung? An welchen Punkten verwandeln sich zügellose Populisten in skrupellose Demagogen? Und weshalb hat das sprachlich Radikalböse gerade in Zeiten der Krise Hochkonjunktur?
Die sprachlichen Strategien der Demagogen haben sich eigentlich seit der Antike nicht mehr verändert, erklärt der Sprachphilosoph Paul Sailer-Wlasits der auch ein Buch zum Thema geschrieben hat, im Tagesspiegel-Interview: "Demagogen verwenden Rhetorik als Waffe und bedienen sich bedenkenlos aller Mittel aktiver gesellschaftlicher Manipulation, inklusive systematischer Lügen, Täuschungsmanövern und haltloser Versprechen. Dazu zählt auch die Umkodierung von Wörtern." An den Reden von AfD-Politikern werde das deutlich: "Die Übernahme von Begriffen und Deutungsmustern ist eine der zentralen Voraussetzungen für das Gelingen von Mobilisierung. Zusätzlich stehen im Kontext des Demagogischen maßlose Erlösungsversprechen. Charismatisch aufgeladene Botschaften und solche, die Ängste des Zurückgelassenwerdens oder des Verlustes ansprechen, erreichen häufiger als andere Kommunikationsformen aufnahmebereite, unter Druck stehende Menschen. Dreiste Versprechungen bar jeglicher Umsetzbarkeit können erlösende Wirkung besitzen." Unser Resümee
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