Oscar Wilde

Das Bildnis des Dorian Gray

Der unzensierte Wortlaut des Skandalromans
Cover: Das Bildnis des Dorian Gray
Eichborn Verlag, Berlin 2000
ISBN 9783821806846
Gebunden, 259 Seiten, 22,50 EUR

Klappentext

Mit seinem Werk "Das Bildnis des Dorian Gray" wurde Oscar Wilde zum Skandalon und Kriminalfall viktorianischer Endzeit. Der unzensierte Text diente als Beweismittel der Anklage, als dem Autor wegen Homosexualität der Prozess gemacht wurde. Doch war es nicht die heute berühmte Buchfassung des "Dorian Gray" von 1891, die aus dem Schriftsteller Oscar Wilde den Skandalautor machte und ihn als unmoralisch brandmarkte, sondern der bisher weitgehend unbeachtet gebliebene Erstdruck des Werkes, der am 20. Juni 1890 In der Zeitschrift Lippincott¹s Monthly Magazine erschien. Doch auch diese Fassung liest sich nicht ganz so, wie ursprünglich vom Autor geschrieben. Ein sittenstrenges Lektorat legte Hand an und auch Wilde selbst veränderte allzu verfängliche Passagen. Die hier vorliegende Übersetzung von Jörg W. Rademacher, die zum 100. Todestag Oscar Wildes erscheint, stellt die Urfassung des "Dorian Gray" dar, denn sie beruht auf einer Rekonstruktion des unzensierten Wortlauts von "The Picture of Dorian Gray" unter Verwendung des unveröffentlichten Typoskripts sowie des Erstdrucks in Lippincott¹s Monthly Magazine".

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 23.01.2001

Walter Klier befasst sich in seiner Rezension nur kurz mit der neuen Edition und geht vielmehr auf die Geschichte und die Charakteristika dieses Romans selbst ein. Doch zunächst erläutert er kurz, welche Quellen der Herausgeber und Übersetzter Jörg W. Rademacher für diese Ausgabe herangezogen hat: das "Typoskript und den Erstdruck des Romans" nämlich, um anhand dieser Dokumente zu rekonstruieren, welche Stellen der Autor auf Druck der Öffentlichkeit abgemildert hat. Dies sind nach Klier vor allem "autobiografische Bezüge und eindeutige Anspielungen", die Homosexualität betreffend. Ansonsten fällt dem Rezensenten bei einer erneuten Lektüre des Romans auf, wie sehr Wilde hier das Schöne kultiviert - die Ästhetik von Einrichtungsgegenständen, Kleidung, Blumen, Gerüche. Ernüchternd findet Klier dies und gelangt zu der Überzeugung, dass Autoren wie Hedwig Courths-Mahler und Bram Stoker Wilde in mancherlei Hinsicht doch überlegen gewesen seien. Und so ist das "Bildnis des Dorian Gray" für den Rezensenten letztlich vor allem "ein historisches Dokument, ein Beispiel für gnadenlose Medienhetze".
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Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 30.11.2000

Da ist wirklich was los, im Wilde-Jahr 2000, resümiert Dirk Knipphals, aber unter den vielen Neuausgaben lohnt sich die des Dorian Gray wirklich. Denn J.W. Rademacher hat die Erstfassung ediert, die vor der ersten Buchausgabe in einer Zeitschrift erschien. In ihr kommen die "homosexuellen Aspekte der Handlung und der Figuren" stärker raus - und gerade dadurch tritt der Aspekt zurück, so Knipphals, denn er ist jetzt eben "ganz selbstverständlich". Fünf Kapitel aus der Buchfassung, ein Zugeständnis Wildes an zeitgenössische "Melodramatik", fallen weg. Die hätten aber zumindest in den Anhang der neuen Edition gehört, moniert der Rezensent.
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