Norbert Leithold

Graf Goertz

Eine Entdeckungsreise in die Goethe-Zeit
Cover: Graf Goertz
Osburg Verlag, Berlin 2009
ISBN 9783940731395
Gebunden, 336 Seiten, 24,90 EUR

Klappentext

Er saß mit Goethe am Frühstückstisch und erklärte Prinz Carl August von Sachsen-Weimar-Eisenach die Welt: Graf Johann Eustach von Goertz (1737-1821) war ein bedeutender Staatsmann am Weimarer Künstlerhof und in Potsdam. Der Historiker Norbert Leithold stößt 2003 in einem Antiquariat auf eine mysteriöse Fußnote, die ihn zu einem Schatz von historischer Bedeutung führt: Briefe, die der Globetrotter Goertz seiner Frau schrieb. Wie konnte ein Prinzenerzieher aus der Provinz zum wichtigsten Botschafter Friedrichs des Großen aufsteigen? Und wie muss man sich das Leben am Weimarer Hof vorstellen? Erlebte dieser nicht nur die geheime Liebesbeziehung zwischen Goethe und Charlotte von Stein, sondern sogar eine menage a trois mit Anna Amalia?

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 17.05.2010

Rezensent Alexander Kosenina wartet lieber ab, bis er sich zur Causa Goertz & Goethe äußert. Anders der Autor. Norbert Leitholds Versuch, Licht ins Leben des Grafen Goertz zu bringen, scheitert laut Kosenina allerdings an mangelnder Redlichkeit im Umgang mit bereits publiziertem Material und an einem Hang des Autors zur Sensationsschreiberei. Was Goethes Strichlisten über Damenbesuche und Schäferstündchen bei Anna Amalia und anderen zur Biografie des Grafen beitragen, darüber kann Kosensina nur spekulieren. Und auch die von Leithold in den Text eingewobene Geschichte seiner Suche nach den Goertz'schen Memoiren in Antiquariaten und Archiven scheint dem Rezensenten nicht immer zur Spannung beizutragen. Fazit des Rezensenten: Der Autor schafft sich einen bunten Hintergrund für eine eher spröde Lebensgeschichte, die es weiterhin zu erschließen gilt.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 25.02.2010

Gerade die Biografien von historischen Persönlichkeiten der "zweiten Reihe" bergen für Gustav Seibt den Reiz, mehr über die Normalität einer Gesellschaft jenseits der Genies zu erfahren. Umso bedauerlicher findet der Rezensent, dass diese Aufgabe so selten von der Fachwissenschaft aufgegriffen, sondern lieber ambitionierten Sachbuchautoren überlassen wird, wie auch im Fall des Erziehers der herzoglich-weimarischen Prinzen, Graf von Goertz. Anerkennend vermerkt Seibt, dass Norbert Leithold sein Handwerk versteht und es ihm gelingt, auf seinen Protagonisten neugierig zu machen. Etwas irritiert den Rezensenten allerdings, dass der Autor die - vor allem ältere - Forschungsliteratur nicht zitiert, und deshalb mit so manchem Rechercheschatz wuchert, der eigentlich längst gehoben war. Deshalb ist Seibt auch etwas genervt von Leitholds Ausführungen über sein Vorgehen als Biograf, denn er hätte seine Entdeckungen ja eigentlich bequem in der Bibliothek machen können, wie der Rezensent meint. Zudem handelt er den weiteren Lebensweg Goertz' nach dessen Entlassung als Erzieher am Weimarer Hof nur noch kursorisch beziehungsweise anekdotisch ab, verliert sich im Liebesleben von Katharina II. oder ergeht sich in Verschwörungstheorien. Und hier wird beim Rezensent der Ruf nach einem Lektorat laut, das "begabte" Sachbuchautoren wie Leithold von solchen Fehltritten abhielte.
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