Nikolaj Gogol

Aufzeichnungen eines Wahnsinnigen

Novelle
Friedenauer Presse, Berlin 2009
ISBN 9783932109584
Broschiert, 80 Seiten, 16,00 EUR

Klappentext

Aus dem Russischen von Peter Urban. Mit Zeichnungen von Horst Hussel. Am 20. März alten Stils, nach neuem Kalender am 1. April, jährt sich der Geburtstag des "größten russischen Schriftstellers" zum 200. Mal. Aus diesem Anlass erscheint in der Friedenauer Presse, in der Gogol kein Fremder mehr ist, eine weitere der Petersburger Novellen, die Aufzeichnungen eines Wahnsinnigen, in neuer Übersetzung. Gogols Kunstgriff in dieser tragisch-grotesken Novelle ist die Einführung sprechender, ja miteinander korrespondierender Hunde, deren Briefe die ganze Weltsicht des subalternen Beamten Propistcin - er ist Gänsekielspitzer - widerspiegeln. Diese findet er zwar "hündisch", und doch macht sie ihn empfänglich für den (Größen-)Wahnsinn, der schließlich ausbricht, als seine ehrgeizige Liebe zur Tochter seines Vorgesetzten enttäuscht wird.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 01.04.2009

Pünktlich zum zweihundertsten Geburtstag Nikolai Gogols bespricht Alexander Kosenina eine Neuübersetzung der "Aufzeichnungen eines Wahnsinnigen", die der Rezensent als eine der herausragenden Erzählungen des russischen Schriftstellers schätzt. Darin kann der Leser mitverfolgen, wie sich ein kleiner Beamter in St. Petersburg vollkommen aussichtslos in die Tochter des Direktors seines Ministeriums verliebt und am Ende dem Wahn erliegt, legitimer Thronfolger des spanischen Königs zu sein, fasst der Rezensent zusammen. Wenn der arme Beamte schließlich ins Irrenhaus gebracht wird, fühlt er sich unweigerlich an Goyas Gemälde "Casa de locos" erinnert, dessen "hochpolitische" Dimension er auch auf Gogols Erzählung angewendet wissen will. Kosenina erwähnt zwar die Vorzüge der neuen Übersetzung durch Peter Urban nicht eigens, er lobt aber sein "ausgezeichnetes Nachwort und Kommentar", auch wenn das Goya'sche Gemälde darin nicht erwähnt wird, wie Kosenina feststellen muss.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 28.03.2009

Zwei neu erschienene Gogol-Neuübersetzungen bespricht Birgit Veit geradezu im Vergleich. Das bietet sich an, weil sie in ihrer Haltung zum Übersetzen wie auch zu ihren Vorgängern recht unterschiedlich sind. Anders als die eher sanft und vorsichtig gestimmte Neu-Übersetzerin der "Toten Seelen" Vera Bischitzky erklärt Peter Urban im Nachwort zu diesem Band eher rabiat, dass beispielsweise die Übersetzung von "Schischka" mit "Warze" Unsinn ist. Urban dagegen nimmt "Knolle". "Zeitlos" findet Veit die fiktiven Tagebuchaufzeichnung eines Irrewerdenden, um die es sich bei der Erzählung handelt. "Hohes Niveau" bescheinigt die Rezensentin der Ausstattung des Bändchens, auch an Erläuterungen und Kommentaren von Übersetzer Peter Urban mangle es nicht.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 21.03.2009

Nicht nur Gutes hat Rezensentin Barbara Kerneck über diese Neuübersetzung durch Peter Urban zu sagen, der nicht nur dieses fiktive Tagebuch mit Nachwort und Anmerkungsapparat versah, sondern auch, bereits von der zaristischen Zensur Entferntes wieder in den Roman aufgenommen hat. Denn neben diesen sehr verdienstvollen Taten hat sich Urban für ein höchst eigenes Sprachgebaren entschieden, und oft die "der deutschen Umgangssprache fernste Variante" gewählt, was wohl die Lektüre nicht immer zum reinen Vergnügen macht, jedoch den fortschreitenden Wahnsinn des Helden angemessen abzubilden versteht.