Ngugi wa Thiong'o

Herr der Krähen

Roman
Cover: Herr der Krähen
A1 Verlag, München 2011
ISBN 9783940666178
Gebunden, 976 Seiten, 29,90 EUR

Klappentext

Aus dem Englischen von Thomas Brückner. Ausgangspunkt dieses satirischen Romans ist das gigantische Bauvorhaben Marching to Heaven , ein moderner Turmbau zu Babel, das dem despotischen Herrscher der fiktiven Freien Republik Aburiria Weltgeltung verschaffen und ein monumentales Denkmal setzen soll. Der Herrscher ist umgeben von persönlichen Beratern, allen voran den Ministern Machokali und Sikiokuu, die ständig darum bemüht sind, dem gottgleichen Herrscher ihre Ergebenheit zu beweisen und sich eine vorteilhafte Position zu sichern. Das Bauprojekt Marching to Heaven jedoch kann nur mit einem Kredit der Global Bank in New York realisiert werden. Als Titus Tajirika zum ersten Vorsitzenden des Baukomitees für Marching to Heaven ernannt wird, bilden sich vor dessen Büro zwei endlose Warteschlangen eine aus denjenigen, die auch ein Stück vom Kuchen abbekommen wollen (indem sie Umschläge voller Bargeld zurücklassen), und eine, die sich aus den zahllosen Arbeitslosen des Landes speist. Diese Menschenschlangen entwickeln sich bald zu einer landesweiten Epidemie.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 18.02.2012

Zufrieden zeigt sich Angela Schader mit dem fast 1000 Seiten umfassenden, nun auf deutsch vorliegenden Roman „Herr der Krähen“ des kenyanischen Schriftstellers Ngugi wa Thiong'o. Die opulent und phantasievoll ausgearbeitete Geschichte um einen afrikanischen Diktator und dessen Handlanger bietet in ihren Augen eine Fülle von grotesken Einfällen, unerwarteten Wendungen und satirischen Seitenhieben, die für eine amüsante Lektüre sorgen. Allerdings vermisst sie eine tiefer gehende Analyse der gesellschaftlichen Entwicklung. Zudem findet sie einige Passagen, in denen es der Autor zu gut meint. Mit Lob bedenkt sie dagegen die überaus sorgfältige deutsche Übersetzung des Werks von Thomas Brückner.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 26.01.2012

Schwer enttäuscht ist Tobias Döring von Ngugi wa Thiong'os monumentalem Wälzer "Herr der Krähen", das laut Autor dem "gemeinsamen Kampf gegen die Diktatur in Kenia ein Denkmal" setzen sollte, sich aber für den Rezensenten als "Gesinnungskitsch" entpuppt, wie er in einer harschen Kritik schreibt. Der kenianische Autor, der in den 1960er Jahren neben anderen afrikanischen Schriftstellern erfolgreich gegen das Vorurteil eines geschichts- und geschichtenlosen, dunklen Kontinent antrat, versucht sich hier in einer Satire über einen Diktator, der sich einen Turm babylonischer Ausmaße errichten lassen will und dabei von einer Untergrundgruppe bekämpft wird, erfahren wir. Für den Rezensenten geht Ngugi in seinem ausufernden Roman nicht nur jegliches Gefühl für "Proportionen" und erzählerische Mittel ab. Döring stört sich auch an dem allenthalben aufgerichteten Zeigefinger und an der Selbstgefälligkeit in dieser Geschichte. Zudem sieht er die Wirkung der satirischen Überspitzung genauso wie die der moralischen Überlegenheit auf die Dauer nachlassen und fühlt sich zunehmend gelangweilt.
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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 29.09.2011

Kann gut sein, dass Ngugi wa Thiong'o kennen muss, wer bei einer der nächsten Nobelpreisvergaben nicht als Ignorant dastehen will, meint Ursula März, die ihn selbst neben Gabriel Garcia Marquez und David Foster Wallace ins Regal stellt. Eben zu den Autoren, in deren Büchern sich das ganze Bewusstsein eines Kontinents verdichtet wiederfindet. Und wie bei "Hundert Jahre Einsamkeit" der magische Realismus den Grundton vorgibt und beim "Unendlichen Spaß" die Postmoderne, so müsse man sich beim "Herr der Krähen" auf die afrikanische Erzähltradition einlassen, wirbt März, die dank des ausgeprägten Humors des Autors jegliche "kulturelle Schwellenscheu" schon nach zwanzig Seiten überwunden hatte. Das Geschehen dieses gewaltigen Romans umreißt März nur knapp, er erzählt die Geschichte der Freien Republik Aburiria, die mit ihrem korrupten und und halb irren Despoten sehr an das Kenia des Daniel Arap Moi erinnert. Umso mehr Platz hat März, den Roman als opus magnum und Universalepos zu rühmen und die verlegerische Großtat des Münchner A1 Verlag gebührend zu preisen.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 26.08.2011

Ganz hingerissen ist Michael Bitala von Ngugi wa Thiong'os Roman "Herr der Krähen". Anfänglich ein wenig abgeschreckt durch den Umfang des Werks - knapp 1000 Seiten -, empfindet er die Lektüre rasch als geradezu beglückend. Er schätzt das Werk als höchst komische Satire über die fiktive afrikanische Republik Aburiria, deren despotischer Herrscher in seiner ganzen Arroganz und Lächerlichkeit, aber auch in seiner Angst und Einsamkeit gezeigt wird. Trotz der schlimmen persönlichen Erfahrungen des kenianischen Autors, den Bitala als einen der wichtigsten Schriftsteller Afrikas würdigt, findet er in dem Buch keine Bitterkeit, keine blanke Wut über das Unrecht und die Schamlosigkeit der Herrschenden. Im Gegenteil: das in der Tradition des mündlichen Erzählens geschriebene Werk zeichnet sich für ihn durch seine erstaunliche Leichtigkeit aus. Sein Fazit: eine "wunderbare Komödie".
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