Michael Jaeger

Wanderers Verstummen, Goethes Schweigen, Fausts Tragödie

Oder: Die große Transformation der Welt

Klappentext

Die Studie liest die zuletzt entstandenen Passagen von Goethes Lebenswerk "Faust" vor dem Hintergrund des Revolutionsjahres 1830. Eine Tragödie, die am Vorabend der mit der industriellen Revolution anbrechenden modernen Welt spielt, kommt hier in den Blick. Im Horizont dieses die Epoche kennzeichnenden fundamentalen Bruchs der Überlieferung werden die zuletzt geschriebenen Faustszenen als dramatischer Ausdruck der Krise des europäischen Bewusstseins und als Zeugnis für die äußerste Resignation des späten Goethe gedeutet.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 02.06.2015

Mit einer gelehrten Besprechung würdigt Rezensent Manfred Osten Michael Jaegers Monografie zu Goethes Faust. Ausgehend von seiner in "Fausts Kolonie" vorgenommen Interpretation des "Faust" als Tragödie moderner Fortschrittsutopien analysiere Jaeger hier die Bedeutung des Dramas für Goethes Biografie, informiert der Kritiker. Geradezu "fulminant" findet Osten diese einleuchtende und akribische Untersuchung, in welcher der Literaturwissenschaftler mit Blick auf die lange Entstehungszeit des "Faust" nachweise, wie sich Goethes Biografie mit historischen Ereignissen, etwa der Französischen Revolution oder der Juli-Revolution 1830 verschränkte und sich sein Verständnis der Moderne entwickelte. Überzeugend erscheint dem Rezensenten auch Jaegers Gleichsetzung des Wanderers aus dem Faust II mit Goethes eigener Person.
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 21.11.2014

Michael Jaeger setzt mit "Wanderers Verstummen" seine umfangreiche Auseinandersetzung mit Goethes "Faust" fort, berichtet Gustav Seibt, das Werk soll zeitgeschichtlich und biografisch eingeordnet werden, was dem Autor dann auch famos gelingt, so der Rezensent, auch dank der sorgfältigen philologischen Arbeit, die Jaegers Thesen vor abstrakter Unschärfe bewahrt, was ihm nicht zuletzt erlaubt, einen leidenschaftlichen Ton anzuschlagen. Auch macht sich Jaeger mit deutlichen Positionierungen zwar angreifbar, aber auch sein Buch unterhaltsam und unbedingt lesenswert, lobt Seibt. Die Grundthese des Buches könnte in etwa so lauten, erklärt der Rezensent: der "Faust" ist eine Tragödie, weil er den "verzweifelten Weltabschied einer untergehenden Kultur" beschreibt, einer Kultur, die Goethe bewahrenswert erschien, wie in der "Italienischen Reise" deutlich wird, so Seibt. In diesem Sinne wäre der Wanderer "Goethes Wiedergänger", der gemeinsam mit Philemon und Baucis den Flammen zum Opfer fällt, schließt der Rezensent.
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