Martin Buber

Martin Buber - Werkausgabe, Band 1: Frühe kulturkritische und philosophische Schriften (1891-1924)

Gütersloher Verlagshaus, Gütersloh 2001
ISBN 9783579026756
Gebunden, 396 Seiten, 84,00 EUR

Klappentext

Bearbeitet, eingeleitet und kommentiert von Martin Treml. Die Martin Buber Werkausgabe macht das Lebenswerk dieses großen Denkers des 20. Jahrhunderts in einer vollständigen Edition zugänglich. Bubers weitverzweigtes Oeuvre wird hier in einer kommentierten, zahlreiche bisher unveröffentlichte Arbeiten umfassenden Ausgabe der akademischen Leserschaft wie auch einem an jüdischer Intellektualität und religionsphilosophischem Denken interessierten Publikum vorgelegt. Im ersten Band dieser Edition begegnet ein vielfach unbekannter Martin Buber. Neben bisher unveröffentlichten Schriften des Jugendlichen finden sich hier alle kulturkritischen und philosophischen Arbeiten Bubers aus seiner Studienzeit und der Zeit vor der Publikation von Ich und Du 1923. Zugleich werden in Einleitung und Kommentar Exkurse in die zionistischen, religionswissenschaftlichen und theologischen Schriften sowie in Bubers Dichtungen unternommen. Auf diese Weise entsteht ein umfassendes Bild der Textentstehungen und ihrer Wirkungen sowie der intellektuellen Suchbewegungen des jungen Martin Buber.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 10.08.2002

Tim B. Müller hält die von Martin Treml herausgegebenen und ausführlich eingeleiteten frühen kulturkritischen Schriften Martin Bubers schlicht für ungenießbar. Zu schwülstig, pathetisch, geschwätzig und kitschig kommen ihm Bubers Texte daher. Obwohl Buber heftig gegen das "Modephänomen" Nietzsche polemisierte, sieht Müller in ihm das beste Beispiel für die Nietzsche-Mode um 1900. Buber nehme in den Frühschriften eine beinahe unerträgliche Nietzsche-Pose ein, die jeden nüchternen Betrachter überfordere. Müller zeigt in seiner Besprechung einen Buber, der - ständig auf religiöser Sinnsuche - von einem jugend- und lebensbewegten Kreis in den nächsten taumelt, im Prophetenton einen "aristokratischen Radikalismus" predigt, eine ästhetische Weltanschauung propagiert, um sich schließlich ganz zu einer heillosen Kriegsbegeisterung zu versteigen. Nur manchmal, "unter dem ganzen Schutt einer schwülstigen Nietzsche-Imitation", tritt für Augenblicke eine "zarte Schönheit" hervor, so Müller abschließend, "die ahnen lässt, warum einst der frühe Buber gelesen wurde".
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 18.03.2002

Der Martin Buber, den man in diesem ersten Band einer geplanten Werkausgabe mit 27 Texten kennenlernt, war, so Rezensent Friedrich Wilhelm Graf, ein "orientierungsloser Jungintellektueller", ein "Kultur-Zionist", der sich zum Herrenmenschen in der Nietzsche-Nachfolge zu stilisieren versuchte und vor nationalistischer Blut-und-Boden-Mythologie nicht zurückscheute. So recht wahrhaben wollen die Herausgeber das aber nicht, kritisiert der Rezensent, denn die Einleitung von Martin Treml biete - abgesehen davon, dass sie nicht auf dem neuesten Stand der Forschung sei - immer wieder "naive Apologetik". Nicht besser erscheinen ihm die zu stark interpretierenden Kommentare (auch von Treml), gleichfalls problematisch findet Graf den Aufbau der Werkausgabe in 21 nach Themen geordneten Bänden. Die "inhaltlichen Kriterien", nach denen sie vorgeht, hätten sich ihm nicht erschlossen.
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