Marilynne Robinson

Gilead

Roman
Cover: Gilead
S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 2016
ISBN 9783100024596
Gebunden, 320 Seiten, 20,00 EUR

Klappentext

Aus dem Englischen von Uda Strätling. Auf seinem Sterbebett schreibt John Ames einen Brief an seinen siebenjährigen Sohn. Dem Kind will er alles erklären: Die Einsicht, mit der man das eigene Leben auf einen Schlag begreift, den Trost, der in einer einzelnen Berührung liegen kann, und den Ort, der sein Ende beschließt: Gilead, die kleine Stadt unter dem unermesslichen Himmel des Westens, leicht wie Staub und so schwer wie die Welt. Seit Generationen lebte seine Familie in Gilead, waren die Männer Pastoren. Der Großvater half schwarzen Sklaven in die Freiheit, der Vater versuchte das Leben der Menschen in der Dürrekatastrophe erträglich zu machen. Sie lebten eng verwoben mit den Menschen und waren getrieben von einer unerbittlichen Sehnsucht nach Versöhnung.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 26.01.2017

Dass Marilynne Robinsons Romane nur verzögert auf dem deutschen Buchmarkt erscheinen und sich behaupten, wundert Rezensentin Sylvia Staude kaum, was allerdings nicht bedeutet, dass sie sie gering schätzt. Robinson erzählt keine großen, lauten Geschichten, erklärt Staude, viel mehr widmet sie sich den kleinen, beschwerlichen Leben, wie dem eines klugen, alten Mannes in "Gilead", der spät noch Vater geworden ist und nun in einem langen Brief an seinen Sohn und seine Frau versucht, ihnen etwas zu geben, etwas zu erklären, sich zu erinnern und sich mit dem nahenden Ende zu arrangieren. Robinsons Themen Glaube, Gewissen und Moral erscheinen in der heutigen Welt fast anachronistisch, meint die Rezensentin, doch hört man die Ironie heraus, wenn sie erklärt, die Autorin schreibe über jene Dinge, "als müsste uns das etwas angehen."

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 29.11.2016

Lothar Müller zeigt sich beeindruckt davon, wie Marilynne Robinson in diesem Auftaktband zu ihrer Iowa-Trilogie in immer neuen Erzählbewegungen den kleinen Prärieschauplatz Gilead in Szene setzt und damit ihre Figuren und ihre Verstrickung in Kommune und Konfession. Brief- und Familienroman zugleich, stellt der Text für Müller große, aktuelle Fragen nach dem Grad der Vereinigung der USA, der Offenheit der Grenzen der Community oder der Haltung der Protestanten zu den Afroamerikanern. Wie die Autorin das fiktive Gilead in die amerikanische Landschaft und in die amerikanische Geschichte einbettet, findet Müller stark. Ebenso die anschauliche Diktion, mit der die Autorin ihren briefeschreibenden Reverend begleitet.
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Rezensionsnotiz zu Die Welt, 17.09.2016

Hannes Stein trifft sich mit Marilynne Robinson anlässlich des Erscheinens ihres neuen Romans "Gilead" zum Gespräch in Iowa und vergisst darüber fast, auch ein paar Worte über das Buch zu verlieren. So viel erfahren wir aber doch: Es geht um drei Generationen sogenannter Kongregationalisten - Protestanten, die an die Autonomie von Kirchengemeinden glauben, erklärt der Kritiker. Im Mittelpunkt des Romans steht Ich-Erzähler John Ames, der kurz vor seinem Tod in einem Brief an sein Kind nicht nur an den Großvater, Anhänger John Browns und seinen Vater erinnert, sondern auch an seine erste früh verstorbene Frau und das ebenfalls früh verstorbene Kind. Der Rezensent liest neben theologischen Reflexionen zahlreiche "liebevolle" Beobachtungen, die der Erzähler in "gleichmütigem zweifelnden und warmen" Ton festhält. Obwohl Religion in dem Roman eine große Rolle spielt, kann der Kritiker dieses berührende Buch, das von großen Themen wie Geburt, Krankheit und Tod handelt, auch Nicht-Gläubigen empfehlen.