Marie N'Diaye

Selbstporträt in Grün

Cover: Selbstporträt in Grün
Arche Verlag, Hamburg - Zürich 2011
ISBN 9783716026618
Gebunden, 128 Seiten, 18,00 EUR

Klappentext

Aus dem Französischen von Claudia Kalscheuer. In "Selbstporträt in Grün" treibt Marie N'Diaye ihre literarische Erkundung der Welt weiter: Was man sieht, ohne es zu sehen, was man weiß, ohne es zu wissen, was man zu wissen glaubt und wie man sich täuscht diesen Unwägbarkeiten und Unzuverlässigkeiten des Bewusstseins.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 06.10.2011

Mit großem Interesse hat Rezensentin Pia Reinacher dieses Buch gelesen. Denn Marie NDiaye hat hier kein Selbstporträt im gewöhnlichen Sinne gezeichnet. Sie beschreibt vielmehr verschiedene "Frauen in Grün", die in immer neuen Verkleidungen und Masken auftauchen. Fragmentierung des Ichs, Vervielfältigung, Verfälschung, Erinnerung - so entsteht am Ende doch ein Selbstporträt, meint die Rezensentin, das allerdings vor allem aus Schatten besteht.
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 30.09.2011

Eine "Meisterin des subtilen Horrors" erblickt Christopher Schmidt in Marie N'Diaye. Dies erweist sich für ihn einmal mehr in der nun auf Deutsch vorliegenden Erzählung "Selbstporträt in Grün", die im Original bereits 2005 erschienen ist. Im Mittelpunkt sieht er eine Frau, die ihre Schwangerschaft als Selbstentfremdung erlebt und der im Verlauf der Geschichte immer wieder Frauen begegnen, die Inkarnationen einer "hexenhaften Frau in Grün" zu sein scheinen. Das von Claudia Kalscheuer "kongenial" übersetze Werk ist für Schmidt eine "Phantasmagorie", die die Abgründe von Familie und Identität kunstvoll umspiele.
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Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 24.09.2011

Mit Begeisterung hat Rezensentin Carola Ebeling Marie N'Diayes in Frankreich bereits 2005 erschienenen Roman "Selbstporträt in Grün" gelesen. Die Rezensentin stößt hier auf existenzielle Fragen wie die nach der eigenen Identität oder der Funktion unserer Wahrnehmung. Feinfühlig beschreibe N'Diaye die aufbrechenden, unbewussten Konflikte der Protagonistin, der immer mehr rätselhaft grüne Frauen begegnen, so etwa die eigene Mutter, die ihren Lebenswandel radikal ändere oder die beste Freundin, die den Vater der Icherzählerin heirate. Dabei gelinge der Autorin auf herausragende Weise die poetische Verbindung zwischen "konkretem und verrätseltem Erzählen". Auch in diesem Buch über die Unmöglichkeit, das eigene komplexe Selbst zu erfassen, überzeuge N'Diaye einmal mehr durch ihre klare und zugleich bildgewaltige Sprache, so die eingenommene Kritikerin.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 17.06.2011

Die erzählerischen Qualitäten Marie N?Diayes lobt Rezensentin Katrin Hillgruber über den grünen Klee. Demnach haben wir es mit einer "Artistin der leisen Friktionen und des anhaltenden Schreckens" zu tun, die den direkten Vergleich mit Grusel-Ikonen wie Hitchcock oder Stephen King nicht zu scheuen braucht. Den aus dem Jahre 2005 stammenden und jetzt übersetzten Roman "Selbstporträt in Grün" hält Hillgruber für nicht weniger gut als viele seiner Vorgänger. Auch thematisch erkennt sie einiges wieder: die Familie als Ort des Unheimlichen, des Unwägbaren, "ja des Bösen". Mit einem tatsächlichen Selbstporträt der Autorin sollte der Leser trotz des Titels jedoch lieber nicht rechnen, meint die Rezensentin, eher schon mit einer prominenten Rolle der Farbe Grün. In düsteren Schattierungen durchziehe sie den Roman und vereinnahme mehr und mehr das Denken und Fühlen der Protagonistin. Was diese über sich und die Welt sicher zu wissen glaubte, werde zunehmend infrage gestellt, schreibt Hillgruber - ein Effekt, der ihrer Einschätzung nach auch den Leser des Buches ereilen könnte.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 19.05.2011

Marie Schmidt gibt sich als große Bewunderin von Marie N'Diaye zu  erkennen, und auch diese Erzählung zeigt ihr, mit welcher Heiterkeit die Autorin die Erwartungen ihrer Leser und Kritiker zu unterlaufen versteht. Das Buch erschien bereits 2005, für den Verlag Mercure de France bat die Schriftstellerin Collette Fellous verschiedene Künstler, Selbstporträts zu schreiben, und N'Diaye liefert dasselbe eben in Grün. Warum grün, werde nicht unbedingt klar, erklärt Schmidt, auch wenn sich die Farbe leitmotivisch durch die Erzählung ziehe: Eine Frau taucht aus dem Grün einer Bananenstaude aus, eine Lehrerin zieht ein Kind am Ärmel der grünen Jacke, die zur Stiefmutter gewordene Freundin (!) trägt grüne Kontaktlinsen. So tiefgründig wie raffiniert und federleicht findet Schmidt, wie N'Diaye sich die Freiheit nimmt, ein Selbst nicht festschreiben zu müssen, Rätselhaft zu schreiben, ohne gehemniskrämerisch zu werden. Denn spürbar vernahm die Rezensentin den "Widerwillen gegen fixe Existenzen" und sogar einen "leisen Ekel" vor angeblich Unhintergehbarem wie familiären Bindungen.
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