Marie N'Diaye

Rosie Carpe

Roman
Cover: Rosie Carpe
Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 2005
ISBN 9783518416853
Gebunden, 336 Seiten, 24,80 EUR

Klappentext

Eine junge Frau steht in der überfüllten Ankunftshalle des Flughafens von Pointe-a-Pitre, an ihrer Hand ein ängstlicher Junge. Die Frau wartet. Sie hat ein Leben hinter sich gelassen, fern in Frankreich, und wartet darauf, daß ein neues beginnt, jetzt und hier, im Tropenparadies Guadeloupe. "Und Lazare?" fragt das Kind. "Wo ist Lazare, Mama?" Eine Reisegruppe nach der anderen wird mit Blumen in Empfang genommen. Aber Lazare kommt nicht. Marie NDiayes eigenwillige poetische Sprache zieht den Leser in den Sog einer geheimnisvollen, irritierenden Welt. Das erhoffte Paradies stellt sich nicht ein. Rosie Carpe muß erkennen, daß sie ihrer Lebenssituation nicht entfliehen und alte Beziehungen nicht einfach ablegen kann. Auf Guadeloupe trifft sie ihre Familie wieder. Die Begegnung mit den lieblosen Eltern schmerzt sie, die frühere innige Liebe zu ihrem Bruder Lazare ist verschwunden. Dann begegnet sie Lagrand, der Rosie als einziger zu durchschauen scheint und ihr helfen will. Doch die Liebe zu Rosie zieht Lagrand mit hinein in einen Strudel aus Angst und Erinnern.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 29.03.2005

"Ein großes literarisches Werk" erkennt eine Rezensentin Barbara Villiger Heilig in Marie NDiayes neuestem Roman, ein Buch, das als Familienroman, inklusive Tiefenpsychologie und Gesellschaftskritik, daherkommt, und dabei doch vielmehr ist: "Ein Poem aus Farben, Gerüchen, Geräuschen; ein Wechselspiel von heiß und kalt". NDiayes erzählt darin die Geschichte der titelgebenden Heldin Rosie Carpe auf der Flucht vor ihrer elenden Vergangenheit Frankreich verlässt, um ihr Glück in Guadeloupe zu versuchen, wo bereits ihr ebenfalls gescheiterter Bruder gestrandet ist. Doch die Reise auf die Antilleninsel entpuppt sich als Reise in ein geradezu "antiparadiesisches Inferno", von dem Diayes in einem wuchtigen Furor erzählt, von dem sich die überwältigte Rezensentin nur zu gern hat mitreißen lassen. Manchen Leser könnte der Roman vielleicht an die Bücher Michel Houellebecq erinnern, doch sieht dies Villiger Heilig zu kurz gegriffen. Bei Diaye seien die "krassen Scheußlichkeiten karibischer Frühpensionäre" immer nur "dekadent-pittoresker Hintergrund" des eigentlichen, ergreifenden Themas: der Tragödie des ungeliebten Kindes.
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