Marie N'Diaye

Alle meine Freunde

Erzählungen
Cover: Alle meine Freunde
Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 2006
ISBN 9783518418291
Gebunden, 142 Seiten, 17,80 EUR

Klappentext

Aus dem Französischen von Claudia Kalscheuer. In ihrem ersten Erzählungsband konfrontiert uns die Französin Marie NDiaye mit Menschen, die man vielleicht doch lieber nicht zu seinen zählen möchte. Da ist der Lehrer aus der Titelerzählung, der mit seinen Lieblingsschülern ganz eigene Pläne verfolgt und auch vor Mord nicht zurückschreckt. Andere der hier versammelten Menschenfreunde benutzen ihre Kinder, um Eindruck zu schinden ("Der Tod von Claude François"), oder schieben sie ab ins Heim ("Offenbarung ") - vorausgesetzt, sie lassen sich nicht verkaufen ("Die Jungen"). Sicher scheint vor allem eines: Das Leben läßt keinen entkommen ("Ein Tag in Brulards Leben"). Die genaue Ausleuchtung der zwischenmenschlichen Abgründe ist Marie NDiayes Spezialität. Doch immer behalten ihre Texte ein Geheimnis, der Horror liegt im Schweigen, in der Abwesenheit von Gefühlen, die den Menschen zum Menschen machen. Im Unheimlichen der Geschichten von Marie NDiaye stoßen wir auf Dämonisches, das, wenn wir ehrlich sind, uns vertraut ist.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 22.02.2007

Durchaus fasziniert zeigt sich Joseph Hanimann von diesem Erzählband Marie Ndiayes, die für ihn zu den "prominenten Damen" der französischen Gegenwartsliteratur zählt. Auf die Gesellschaft der Freunde, von denen die Erzählungen handeln, kann er allerdings gern verzichten. Denn die Geschichten muten ihn doch recht abgründig an. Da werden Kinder ins Heim geschickt, für Internetsex verkauft, und ein Lehrer stellt seine bestgehasste Schülerin als Kindermädchen ein, um sie zu ermorden. Das Unheimliche dieser Erzählungen liegt für Hanimann indes nicht in den "narrativ dafür hergerichteten Nischen dunkler Ahnung", sondern im "Ordentlichen, das außerordentlich spielt". Er lobt die Darstellung von "Realitäten" sowie den Einsatz von "seltsamen" Leerstellen.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 30.01.2007

Beeindruckt zeigt sich Thomas Laux von diesem Band mit fünf Erzählungen von Marie NDiaye. Als Grundthema der von alltäglichen Figuren in krisenhaften Situationen bevölkerten Geschichten nennt er die Auswirkungen des Werteverfalls. NDiayes Beschreibungen von defekten Familien, vereinsamten Beziehungskrüppeln, erkalteten Gefühlen, Einsamkeit und Unfähigkeit zu kommunizieren scheinen ihm doch ziemlich desillusionierend. Etwas "gewöhnungsbedürftig" findet er den von vielen Ellipsen und Leerstellen gekennzeichneten Stil der Autorin. Nichtsdestoweniger zählt er sie zu den "interessantesten Stimmen der zeitgenössischen französischen Literatur".
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