Marian O'Neill

Miss Elliott

Roman
Klett-Cotta Verlag, Stuttgart 2001
ISBN 9783608931129
Gebunden, 255 Seiten, 19,17 EUR

Klappentext

Aus dem Englischen von Bernhard Robben. Mary ist überwältigt, und Harrie ist großzügig ? mit ihrer Freundschaft, ihren Kleidern und Vertraulichkeiten. Sie gehen zusammen auf freche Parties, warten, bis die andere von ihrer Verabredung nach Hause kommt, und teilen alle Geheimnisse. Doch dann lernt Harrie einen angehenden Rechtsanwalt kennen, und die scheinbar schöne und unschuldige Frauenfreundschaft wird zu einer schmerzhaften Auseinandersetzung...

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 15.10.2001

Tanya Lieske ist dem "exzentrischen Charme" der Miss Elliot erlegen, der Protagonistin des Debütromans von Marian O'Neill. Über die Autorin erfährt man in dieser kurzen Kritik leider nur, dass sie eine "junge irische Schriftstellerin" ist. Auch Erzählerin Mary Moore, die am Anfang des Buches achtzehn, an seinem Ende achtzig Jahre alt ist, hat sichtlich Eindruck bei der Rezensentin hinterlassen. Marys "moralischer Rigorismus", und das Konfliktpotential der hier erzählten Dreiecksgeschichte, erinnern die Rezensentin an die Bücher von Jane Austen. Marian O'Neills Figuren und Handlungsverläufen bescheinigt sie "einen Sog der Unmittelbarkeit", der augenscheinlich auch sie selbst erfasst hat. Denn der Ton, mit dem Plot und Personen von der Rezensentin skizziert werden, strahlt einige Begeisterung aus.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 06.09.2001

Die Geschichte diese Debütromans der jungen irischen Autorin Marian O´Neill findet Friedhelm Rathjen schizophren, was er jedoch nicht negativ meint. Er stellt zunächst lediglich fest, dass es in Wahrheit zwei Geschichten sind. Die Hauptfigur der beiden Geschichten ist dieselbe, nämlich die "mausgraue Mary Moore", ein vom Schicksal mit wenig Gaben bedachtes Mädchen, das vom Dorf in die Großstadt kommt. Ihre Freundschaft dort zu Miss Harrie Elliot, die nur einen einzigen Sommer währt, ist das einzige Highlight ihres Lebens, weiß der Rezensent, die Aufarbeitung dieser Zeit bzw. das Zerbrechen der Beziehung beschäftigt sie noch im Alter und stellt die zweite Geschichte des Romans dar. Wenn die erste Geschichte mit "einer leicht irritierenden Mischung aus einem Drittel Lethargie, einem Drittel Aufgekratztheit und einem Drittel Witz, der seltsam freudlos daherkommt", erzählt werde, so führt nach Rathjen dieses Mischungsverhältnis unmittelbar in die zweite Geschichte, "die sich klammheimlich über die erste legt und sie mit ihrem unsichtbaren und dabei luftundurchlässigen Film zu ersticken droht". Auf diese Weise, analysiert der Rezensent weiter, ziehe der Erzählgestus sich selbst den Boden unter den Füßen weg und reiße jene schwarze Löcher der Leere in diesen Roman, die die Titelfigur wiederholt in ihrer Seele ausmacht.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 04.08.2001

Eine "Vampirgeschichte" ist dieser Roman, erzählt Angela Schader: Die 17-jährige Mary, die in eine Pension zieht, in der ein "Trio verschrobener alter Parzen" lebt, hängt ihr Herz an die ältere Harrie Elliott, liebt sie und betreibt schließlich ihr Verderben. Schader bewundert die Erzählkunst der Autorin, die "feinen Widerhaken" in der Geschichte, die winzigen Wendungen, mit der O'Neill die Dinge "in ihr eigenes schiefes Lot" rückt, die "leichte Hand", mit der sie ihr "Seelendrama" skizziert. Der Leser werde in die Katastrophe gelotst wie über "spiegelndes Eis".
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