Lyrikstimmen

124 Dichterinnen und Dichter im Originalton von 1907 bis heute. 9 CDs
Cover: Lyrikstimmen
DHV - Der Hörverlag, München 2009
ISBN 9783867173384
CD, 49,95 EUR

Klappentext

9 CDs mit 680 Minuten Laufzeit. 420 Gedichte. Diese Anthologie ist eine Sammlung von Originaltönen deutschsprachiger Dichter, die es in dieser Dimension noch nie gab. Sie ermöglicht Einmaliges: hineinzuhören in die ersten Tonaufnahmen des letzten Jahrhunderts, in seltene Lesungen, bis in die Gegenwart. Beginnend bei Hofmannsthal, Zweig und Schwitters und endend bei Grünbein, Lentz und Seiler entstand in fünfjähriger Recherche ein Standardwerk der deutschsprachigen Literatur.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 31.03.2010

Kein geringes Risiko birgt für Wilhelm Trapp diese Edition von über 400 Gedichten in Originalaufnahmen von 124 Lyrikerinnen und Lyrikern. Zwingt sie doch der intimen "Zweisamkeit", die der Leser mit den Gedichten pflegt, die authoritätsgebietende Stimme ihrer Verfasser auf, und das kann schon mal pathetischer, manierierter oder unfreiwillig komischer sein, als der Rezensent erwartet hat. Trotzdem erscheint ihm dieses Hörbuch als grandioses Dokument, das nicht nur die paradoxe Aura der Dichterstimme bewahrt, sondern zudem als Chronik tief in die wandelnden Moden der Vortragskunst blicken lässt, wie er fasziniert feststellt. Und so bringt sie ihm eindrucksvoll zu Ohren, was die Dichterlesung im Lauf der Jahre verlor, nämlich die Lust an vollem Klang, Pathos und dialektaler Färbung. Deshalb freut es ihn auch, dass er bei den Autoren der DDR wieder mehr Mut zum regionalen Klang heraushören kann und die "bedeutungsheischenden Tonlosigkeit", die er seit den 50er Jahren wahrnimmt, in jüngerer Zeit durch Lyriker wie Thomas Kling aufgehoben findet. Diese Edition bereichert die Dichtung um die "akustische Dimension", fügt ihr Bedeutungsfacetten hinzu und legt ihre "Tradition und Wurzeln" offen, schwärmt Trapp, der hier einen Meilenstein in der "Mediengeschichte der Literatur" bejubelt.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 27.11.2009

Die hier rezensierende Dichterin Ulrike Draesner schwelgt hingerissen und ausgesprochen ansteckend von diesem Lyrikhörbuch, das Originalaufnahmen von 122 Autoren und Autorinnen aus 100 Jahren versammelt. Für sie ist diese Anthologie der schlagende Beweis, dass Gedichte zum Hören gemacht sind und sie macht ganz überraschende Entdeckungen bei den Tondokumenten. Zum einen fällt ihr auf, wie zeitgebunden bestimmte Lesarten sind, beispielsweise wenn sie das Pathos bei Alfred Kerr oder das rollende R bei Schwitters vernimmt. Da die Anordnung der Gedichte vom Geburtsjahr der Autoren bestimmt wird, ergibt sich beim Hören außerdem eine interessante "Gleichzeitigkeit", in der sich Gedichte von Arp, Brecht und dem ebenfalls in die Sammlung aufgenommenen Nazidichter Weinheber wieder finden. Nicht alle Gedichte sind nach Draesner zeitlose Werke, sie in diesem Kontext zu hören findet sie aber allemal spannend und Bechers Stalin-Gedicht gehört für sie zu den Highlights dieser Kategorie. Einziger Wermutstropfen ist die geringe Zahl an Lyrikerinnen, die in die Anthologie aufgenommen wurden. Aber das schreit ja dann förmlich nach einer Erweiterung dieses "schönen Projekts", erklärt die ansonsten begeisterte Rezensentin.
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 13.10.2009

Insgesamt 420 zwischen 1907 und 2007 aufgenommene Gedichte von 124 deutschrpachigen Autoren versammelt dieser gigantische Stimmspeicher, los geht es mit Ricarda Huch, der Erstgebornen in der Dichterschar. Rezensent Lothar Müller goutiert die chronologische Entscheidung nach dem Geburtsjahr, die dazu animiert  "über den Ort der Aufzeichnung im Leben der Autoren nachzudenken". Der älteste Beitrag stammt von Hugo von Hofmannsthal, dessen "Manche freilich" sich im "Rauschen der Apparatur" verliert. Für den Rezensenten ein interessanter Effekt der sich auch gut an Karl Kraus studieren lässt: Die Theaterbühnen und große Vortragssäle gewohnte Stimm-Modulation und der Zeitstil bleiben dem neuen Medium noch fremd. Weiter geht es in großem Bogen mit Bekanntem (Benn) und nie Gehörtem (Bernhardt), wie nicht anders zu erwarten gibt es Überlieferungslücken (Rilke, Else Lasker-Schüler, Wedekind u.a.), die für Müller einen anthologischen Wermutstropfen darstellen. Zu den Jüngeren gehören Thomas Kling ("Kling kannte seinen Stefan George, sogar das Plebejische an ihm") oder Lutz Seiler und Marcel Beyer. Obwohl Lothar Müller doch die Ohren geklungen haben dürften, stimmt er dem Mitherausgeber Peter Hamm, der für den originalen Dichtervortrag anstelle des Schauspielers plädiert, nicht ohne weiteres zu, spricht doch "auch in dieser Sammlung nicht aus jedem Dichter die Wahrheit über sein Gedicht."
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