Klappentext

Aktualisierte und erweiterte Neuausgabe. Der Film kommt dem Kino abhanden, das als Massenmedium allmählich verschwindet. Kino hat eine eigenständige gesellschaftliche Wahrnehmungsform hervorgebracht, die den Film von den Künsten unterschied. Das ist der Befund von Lars Henrik Gass' so thesenfreudiger wie kenntnisreicher Streitschrift, die nun endlich in einer aktualisierten und deutlich erweiterten Neuausgabe erscheint. Gass hat ein parteiisches, auch polemisches Buch über den Niedergang des Kinos geschrieben. Er beschreibt die Bedingungen, unter denen Film heute als Kunstform entsteht und sichtbar wird. Zur Sprache kommen dabei viele Filme und Installationen (von Cyprien Gaillard, Douglas Gordon, Christian Marclay, Jesse McLean, Jon Rafman, Julian Rosefeldt, Steven Spielberg, Andy Warhol u.a.), historische Erscheinungsformen des Films (Expanded Cinema, Experimentalfilm, Found Footage, Installationen, Musikvideo usw.), vor allem aber die Frage nach der institutionellen, medialen oder systemischen Logik von Filmförderung, Internet oder Kunstbetrieb. Gass analysiert die gesellschaftlichen und ökonomischen Bedingungen einer postkinematografischen Gegenwart anhand von Fernsehen, DVD, Internet, Filmfestivals, Ausstellungen oder Museen. Mehr als alles andere aber ist Film und Kunst nach dem Kino ein Manifest für eine Wahrnehmungsform: Vielleicht lässt sich das Kino erst im Moment seines Verschwindens wirklich verstehen. Und vielleicht haben wir die Lehre und die Kritik des Kinos nie dringender gebraucht als heute.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 09.11.2017

Nicolas Freund betrauert mit Lars Henrik Gass den Verlust einer Kunstform und ihrer Rituale. Die erweiterte Neuauflage des 2012 erschienenen Buches findet Freund gerechtfertigt, ist der Bedeutungsverlust des Kinos als Wahrnehmungsform, aber auch als Geschäftsmodell doch weiterhin im Gange. Die Veränderungen durch die Digitalisierung dokumentiert der Autor laut Rezensent nicht nur mit Herzschmerz, sondern auch mit einem Auge für die das Kino bewahrenden Institutionen und Festivals. Die dichte und kenntnisreiche Argumentation scheint Freund lesenswert, auch wenn hier und da bei Gass ein etwas idealisierter Filmkunstbegriff durchscheint.
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