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Khalid al-Khamissi

Im Taxi

Unterwegs in Kairo
Cover: Im Taxi
Lenos Verlag, Basel 2011
ISBN 9783857874130
Gebunden, 190 Seiten, 18,50 EUR

Klappentext

Aus dem Arabischen von Kristina Bergmann. Kaum ein Berufsstand Ägyptens ist näher am Puls der Gesellschaft als die 250.000 Kairoer Taxifahrer. Wer wissen will, was die Menschen umtreibt, liest keine Zeitung, sondern nimmt das Taxi und hört auf das, was ihm der Fahrer erzählt: "Wir leben in einer einzigen Lüge und glauben daran. Die Regierung ist nur dazu da zu prüfen, ob wir die Lüge wirklich schlucken, finden Sie nicht auch?" - "Im Taxi" plaudert, diskutiert, feilscht und streitet Khaled al-Khamissi mit Fahrern, die im kleinen öffentlichen und doch abhörfreien Raum ihrer Wagen ihren Frust über das korrupte Regime und die allgegenwärtigen Missstände in Ägypten loswerden - mit immerhin einem Zuhörer: ihrem Fahrgast. Aus achtundfünfzig kurzen, pointenreichen Episoden entsteht ein großes Mosaik der ägyptischen Gesellschaft von heute, eine Hommage an die oft verschmähte Kultur der Straße.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 29.03.2011

Wer wissen will, unter welchen Bedingungen die Ägypter bisher zu leben hatten und warum sie die Revolution wollten, der lese dieses bereits 2007 im Original erschienene Buch von Chalid al-Chamissi. So rät Kersten Knipp und wundert sich: Nicht nur über die revolutionären Kairoer Taxifahrer, auch über ein Buch, das weder Roman noch politische Großtheorie ist, sondern ein Dialog mit Menschen, ein literarisiertes Lebensgefühl, direkt von den Straßen Kairos. Knipp liest über korrupte Polizisten, Armut, Finanznot, Verschuldung und die Willkür des Systems. Das ist nicht eben tröstlich, eher bitterböse, aber auch funkelnd amüsant, schreibt Knipp. Und wenn der Autor die christlich-muslimischen Beziehungen bewertet als Ausübung des Willens des Stärkeren, spürt Knipp die Wahrheit hinter dem Spott.
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Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 17.03.2011

Für überaus lehrreich hält Rezensentin Beate Seel die von Chalid al-Chamassi zusammengetragenen Geschichten aus einem Ägypten vor der arabischen Revolution des Jahres 2011. Denn die 58 Taxi-Episoden haben der Rezensentin einen tiefen Einblick in die miserablen Lebensbedingungen der einfachen ägyptischen Bevölkerung verschafft. Es sei kein Wunder, dass das System Mubarak zusammengebrochen ist, gibt Seel nach der Lektüre dieses Buches zu Protokoll. Zu groß waren die materiellen Sorgen, von denen die Taxifahrer berichten, zu absurd der administrative Umgang mit der Dauerkrise, zu erdrückend die Angst vor politischer Verfolgung, zu klaffend der Abgrund zwischen Propaganda und Wirklichkeit. Diese Wirklichkeit aber stellen al-Chamassis Taxifahrer dem Leser nun überdeutlich vor Augen, in einer Sprache, die bildhafte Vergleiche nicht scheut und häufig auch "politischer Gewitztheit" nicht entbehrt, wie Seel erfreut feststellt.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 16.03.2011

Katharina Döbler empfiehlt den bereits 2007 in Ägypten erschienenen Bestseller des 1962 geborenen Politwissenschaftlers, Drehbuchautors, Dokumentarfilmers und Journalisten Chalid al-Chamissi als engagierte und authentische Literatur im besten Sinne. So vielfältig wie die Berufe des Autors, ist auch das Genre: semifiktional, reportagenhaft, filmisch, episodisch. Der Titel darf wörtlich genommen werden: Auf 58 Taxifahrten durch den Stadtkosmos Kairo lauscht der Ich-Erzähler den Sorgen, Nöten und Hoffnungen aus dem privaten und politischen Alltag der ihn Chauffierenden. Stück für Stück setzt der Autor ein häufig ernüchterndes Stimmungsbild der ägyptischen Gesellschaft zusammen, das inhaltlich von Vernunft geprägt ist und im Tonfall von frappanter Gleichförmigkeit. Dabei missversteht al-Chamissi seine erdachten wie authentischen Gesprächspartner nicht als Quelle der Auskunft sondern als "Identifikationsfiguren, die sagen, dass niemand in diesem Staat alleine ist", so die Rezensentin.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 01.03.2011

Angela Schader gönnt es dem sich seit Jahrzehnten um arabische Literatur bemühenden Lenos-Verlag von Herzen, dass er mit Khalid al-Khamissis "Im Taxi" nun ein hochaktuelles Buch herausbringt, dem die Aufmerksamkeit sicher sein dürfte. Der Autor, Journalist und Regisseur hat darin Gespräche mit Kairoer Taxifahrern notiert und daraus ergibt sich ein scharfer Blick auf die Verhältnisse in das Ägypten Mubaraks, die herrschende Korruption und den Zorn der Menschen auf die Regierung, so die Rezensentin. Besonders loben möchte sie auch die deutsche Übertragung der NZZ-Korrespondentin Kristina Bergmann, die ein sicheres Händchen für einen "volksnahen", dabei aber nie unangemessen schnoddrigen Ton beweise. Ohne Frage hat der Autor seine 58 Episoden inhaltlich gebündelt und hin und wieder auch auf eine wirkungsvolle "Pointe" hin strukturiert, meint Schader, die diese Unterhaltungen aber nicht als fiktive verstanden hat.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 17.02.2011

Gestern gab der ägyptische Autor Khaled al-Khamissi im SZ-Interview eher einen trüben Einblick in seine Haltung gegenüber dem Westen, den USA und Israel. Heute preist Stefan Weidner seinen Roman "Im Taxi" als das ultimative Buch zur Revolution. In verschiedenen Episoden lässt al-Khamissi darin fiktive Taxifahrer zu Wort kommen, die dabei ihrer Frustration über die politische Lage in Ägypten freien Lauf lassen. Weidner ist begeistert: Denn in den Taxigesprächen werden die gesellschaftlichen Zustände nicht "schöngeistig" aufbereitet, sondern "sprechen für sich" und entwickeln so Schlagkraft, so der Rezensent, der auch die Übersetzung ins Deutsche mit ihrer Entscheidung, den Dialekt in schlichte Umgangssprache zu übertragen, sehr gelungen findet.
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