Julian Nicolai Hofmann (Hg.), Veith Selk (Hg.)

Postliberalismus?

Eine transatlantische Debatte
Cover: Postliberalismus?
Suhrkamp Verlag, Berlin 2026
ISBN 9783518300947
Taschenbuch, 500 Seiten, 28,00 EUR

Klappentext

Die Vorherrschaft des Liberalismus scheint ihrem Ende entgegenzugehen. Angesichts sich verschärfender geopolitischer Krisen und der beschleunigten Erosion liberaler Demokratien werden in der politischen Theorie diesseits und jenseits des Atlantiks Alternativen zum Liberalismus diskutiert, die unter dem schillernden Oberbegriff des Postliberalismus zusammengefasst werden. Der Band versammelt Beiträge von international renommierten Wissenschaftlern wie u. a. Thomas Biebricher, Annelien de Dijn, Patrick J. Deneen, Anton Jäger, Philip Manow, Samuel Moyn, Jan-Werner Müller, Elif Özmen, Adrian Pabst und Nadia Urbinati, die dieses neue Phänomen in den Blick nehmen. Als Beobachter, Kritikerinnen oder Befürworter solcher Alternativen fragen sie: Ist der Liberalismus noch zu retten?

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 06.10.2026

Für Rezensent Lukas Fuhr ist der Liberalismus noch nicht erledigt. Beiträge wie von Adrian Papst in dem von Veith Selk und Julian Nicolai Hofmann herausgegebenen Sammelband stützen diese Ahnung. Außer etwas "liberalem Trost" bietet der Band laut Fuhr aber auch postliberale Visionen, wie die von Patrick J. Deenen und Adrian Vermeule. Insgesamt ist der Band für Fuhr ein Mix aus Krisenerfahrungsbericht, politischer Theorie, Empirie und normativen postliberalen Ideen. Gut gefällt Fuhr, dass die Herausgeber beide Lager versammeln. 

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 05.09.2026

Ein "schöner Begriff" ist "Postliberalismus", meint Rezensent Herfried Münkler, aber ist er auch ein sinnvoller, um unsere politische Gegenwart zu beschreiben? Da hat Münkler nach der Lektüre dieses von Veith Selk und Julian Nicolai Hofmann herausgegebenen Sammelbands durchaus Zweifel - was freilich nicht heißt, dass das Buch die Lektüre nicht lohnt. Das Buch nähert sich dem Thema von verschiedenen Seiten, es versammelt Texte von Autoren, die dem Postliberalismus zugerechnet werden wie Adrian Pabst, Texte zur Krise des Liberalismus von Autoren wie Philip Manow, Texte zum Vergleich von Liberalismus und Postliberalismus von Autoren wie Christopher Daase und schließlich Texte zur Kritik des Postliberalismus, den Autoren wie Jan-Werner Müller für einen verkappten Autoritarismus halten. Das Problem an der Sache in Münklers Augen: Sowohl Liberalismus als auch Postliberalismus werden im Band zu weit gefasst. Unter den Liberalismus wird einfach die gesamte Grundlage der westlichen Moderne subsumiert, sogar Machiavelli mutiert da zum Liberalen, was Münkler absurd findet. Beim Postliberalismus werden eine Linke, eher britische und eine rechte, eher amerikanisch-trumpistische Strömung nicht genau genug unterschieden, ärgert sich der Rezensent, auch eine Abgrenzung zu Begriffen wie Rechtspopulismus fehlt. Keineswegs hat man es bei dem Postliberalismus, vermutet Münkler nach der Lektüre, "mit einer kohärenten Denkschule" zu tun - für sich selbst denken jedoch, lobt er andererseits, so gut wie alle hier versammelten Texte auf inspirierende Weise über die Krisen unserer Gegenwart nach.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 05.09.2026

Einiges nimmt Rezensent Stefan Reinecke aus diesem Sammelband, der sich dem Begriff des Postliberalismus widmet, mit. Unter anderem enthält er Texte einiger Autoren, die selbst dem Postliberalismus zugerechnet werden, wie Patrick J. Deenen. Deren Argument: Der Liberalismus hat sich zu Tode gesiegt, er geht zugrunde, weil er seine eigenen Glücksversprechen nicht halten kann. Was daraus folgen sollte: weniger ich, mehr wir, eine Orientierung am Gemeinwohl. Die Krisendiagnose selbst findet Reinecke brillant, gerade angesichts des hilflosen Jammertons, in dem ansonsten über den Trumpismus geschrieben wird. Was jedoch das Gegengift angeht, das der Postliberalismus verordnet, ist der Rezensent skeptisch. Er hält es eher mit der im Band vertretenen Philosophin Elif Özmen, die darauf verweist, dass die traditionellen Tugenden um Familie und Religion, die die Postliberalen feiern, viel Unrecht hervorgebracht haben. Auch was das viel beschworene Gemeinwohl überhaupt ist, kann der Postliberalismus nicht erklären, ärgern sich dessen Kritiker in diesem Band. Insgesamt ist die Sache kompliziert, meint Reinecke am Ende: Die in diesem lesenswerten, allerdings voraussetzungsreichen und deshalb für Neueinsteiger ins Thema nur bedingt geeigneten Band gut vertretene liberale Kritik am Postliberalismus ist weitgehend schlüssig; die Gedanken des Postliberalismus zum Scheitern des Liberalismus sind es allerdings auch.

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