Joseph O'Connor

Inishowen Blues

Roman
S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 2001
ISBN 9783100540102
Gebunden, 480 Seiten, 20,40 EUR

Klappentext

Aus dem Englischen von Esther Kinski. Martin Aitkens Leben liegt in Scherben. Er ist 43-jährig, Polizist, und kann immer noch keine Krawatte binden. Aber als er eine Frau findet, die auf den Straßen Dublins zusammenbrach, könnte sich seine Welt vom Kopf auf die Füße stellen. Aber nicht nur er kennt den Blues: Milton Amery ist ein New Yorker Chirurg. Er hat alles, was das Leben bietet und von allem genug. Er wird nervös, wenn er sich für einen Anzug entscheiden soll. Von seinen Kindern hat er keinen Schimmer und seine Frau verschwindet dann und wann. Doch nun ist sie endgültig auf und davon. Ellen Donelly wird all die Lebensläufe miteinander verknüpfen. In Irland will sie das Puzzle ihrer Herkunft lösen und ihre Mutter finden. In Inishowen werden sie sich alle wieder treffen ...

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 16.04.2002

Friedhelm Rathjen hat Joseph O'Connors nun mittlerweile vierter Roman nicht überzeugt. Zwar entfaltet O'Connor auch in diesem Roman wieder sein ganzes Talent, Figuren plastisch zu schaffen, die gerade in ihren Brüchen glaubwürdig und unverwechselbar werden, schreibt Rathjen, doch leider belasse es der Autor nicht bei den stimmigen atmosphärischen Beschreibungen und Erfindungen seiner Charaktere. Er zwängt und jagt sie in eine stürmische Handlung, die alles Atmosphärische wieder zunichte macht, bedauert Rathjen. So werde aus dem Buch ein eher alberner bis lauer Unterhaltungsroman, der von allem "ein bisschen" habe: ein bisschen Familientragödie, ein bisschen Thriller, ein bisschen Komödie - von allem zuviel und doch insgesamt ein bisschen zu wenig, meint er. O'Connor muss sich endlich auf ein Thema und einen Erzählmodus konzentrieren, wünscht sich der enttäuschte Rezensent. Dass er das könne, habe sein Erstling "Cowboy und Indianer" gezeigt.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 10.01.2002

Auf den ersten Blick erscheint Bruno von Lutz der neue Roman O'Connors ziemlich konstruiert. Dennoch kommt er schließlich zu einem positiven Gesamturteil. Dies habe das Buch seiner "Mischung aus spannenden Thriller, literarischem Road-Movie und psychologischer Studie" zu verdanken, begründet er. Es hebe sich "wohltuend vom ubiquitären Grün der Irishness ab", fügt er an. Der 1963 geborene irische Autor, der in vielen literarischen Bereichen erfolgreich ist, thematisiere in seinem neuen Buch zum Beispiel die in Irland übliche Praxis, uneheliche Kinder in die USA zur Adoption freizugeben. Die sich hinter dieser Praxis verbergende Doppelmoral ist wohl nur ein Beispiel für ein geschöntes Bild von Irland, dass "wir zu kennen glauben", das aber, wie Lutz versichert, nur unter Ausschluss der eigentlichen, einer harschen Realität stattfinden" könne, was O'Connor in seinen Texte vermittelt . Aber auch die amerikanische Gesellschaft bekommt in diesem Roman ihr Fett ab, und diesen "Transatlanische Spagat" findet der Rezensent überzeugend.
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