John O'Hara

Begegnung in Samarra

Roman
Cover: Begegnung in Samarra
C. H. Beck Verlag, München 2007
ISBN 9783406557514
Gebunden, 320 Seiten, 19,90 EUR

Klappentext

Aus dem Englischen von Klaus Modick. Im Dezember 1930, kurz vor Weihnachten, ist das gesellschaftliche Leben von Gibbsville, Pennsylvania, hochaufgeladen: Partys und Tanzfeste in den exklusiven Clubs der Stadt, in denen bis in die Nacht hinein Bands spielen und der Alkohol fließt, trotz der Prohibition und mit Hilfe der Mafia. Im Mittelpunkt der gehobenen Gesellschaft stehen Julian und Caroline English - von Freunden und Fremden gleichermaßen beneidet. Denn Julian und Caroline sind erfolgreich, jung und schön, English kann sich als Autohändler trotz der Wirtschaftskrise immer noch ganz gut halten. Doch etwas in ihm wehrt sich gegen den sozialen Druck der guten Gesellschaft, gegen Dünkel und die Rituale der Angepasstheit, und in einem Augenblick des Überdrusses schüttet Julian English ausgerechnet Harry Reilly, einem reichen und begüterten Mitglied der örtlichen High Society, bei einer Party einen Drink ins Gesicht. Das ist umso folgenreicher, als Reilly ein wichtiger Investor seines Autohauses ist. So banal dieser Ausbruch gewesen sein mag, es gelingt Julian English nicht mehr, die Folgen in den Griff zu bekommen.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 30.11.2007

Thomas David erweist John O'Haras Debüt allen nötigen Respekt. Die Geschichte von der Rache des reichen Reilly an Julian, der ihm aus einer Wut heraus, deren Ursprung er selbst nicht genau kennt, kurz vor Weihnachten 1930 in einer Kleinstadt in Pennsylvania einen Drink ins Gesicht kippt, sei so nahe an der Wirklichkeit, dass die moralische Krise der wirtschaftlich gebeutelten Gesellschaft "ungeschönt" und ungerührt dargestellt wird. Der "erstaunliche" Erstling eines Schriftstellers, der von Kollegen wie Fitzgerald bis Hemingway bewundert wurde, konzediert David. Dass der aufgeregte, "mitunter krude" Tonfall nichts von seiner Wirkung verliert, dafür sorge die gelungene Übersetzung von Klaus Modick.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 31.05.2007

Michael Schmitt kann überhaupt nicht verstehen, warum die Literaturgeschichte über John O'Hara so schmählich hinweg gegangen ist. Auch wenn sich seine Bücher millionenfach verkauft hätten, sei O'Hara bei der Kritik nie besonders wohlgelitten gewesen, erinnert der Rezensent, findet dies aber ungerecht. Denn ihm erscheint zumindest der Roman "Begegnung in Samarra" auch heute noch so modern, dass er ihn durchaus neben John Dos Passos oder Ernest Hemingway stellen würde. Was Schmitt an diesem Roman von 1934 beeindruckt, ist die "fulminante Mischung von Sozialkunde und Schmöker". Er schildert in einer Momentaufnahme die gesellschaftlichen Verhältnisse in Gibbsville, Pennsylvania, zur Zeit der Großen Depression. Und in den Augen des Rezensenten tut er dies "mit der Genauigkeit eines Reporters und der analytischen Präszion eines Soziologen".

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 22.03.2007

Allein schon die Eröffnungsszene mit dem unerklärlichen Wutausbruch des Helden Julian English, in den auch ein Highball involviert ist, würde John O'Hara seinen Platz in der amerikanischen Literatur des 20. Jahrhunderts sichern, bemerkt Hans-Peter Kunisch. Mehr als die Unberechenbarkeit der Figuren, die der Autor seinem eigenen cholerischen Naturell entlehnt hat, faszinieren den Rezensenten aber die Figuren. Nicht nur Julian, sondern etwa auch dessen Frau Caroline, gegen die Scott Fitzgeralds Zelda sich wie ein "Mädchen" ausnehme. Ein bisschen viel "Sozialrealismus" trübt Kunischs Lesevergnügen manchmal, die stetig zunehmende Spannung gleicht das aber mehr als aus.