Joe McGinniss

Das Wunder von Castel di Sangro

Ein italienisches Fußballmärchen
Cover: Das Wunder von Castel di Sangro
Kiepenheuer und Witsch Verlag, Köln 2000
ISBN 9783462028881
                         , 491 Seiten, 23,01 EUR

Klappentext

Aus dem Amerikanischen von Harald Hellmann. Haben Sie schon einmal von Castel di Sangro gehört? 5000 Einwohner, ein Kino, ein Wettbüro. Mitten in den Abruzzen, Erdbebengebiet, keine Touristen, kalte Winter und ein Padrone, der sein Geld in "Baugeschäften" bei Neapel gemacht hat. Und hier genau beginnt ein italienisches Wunder: Der lokale Fußballclub, seit Menschengedenken in der 6., 7. oder 8. italienischen Liga, startet plötzlich durch. Ein Trainer namens Osvaldo Jacone findet irgendwie den richtigen Dreh, der Padrone spendiert ein paar Lire, und plötzlich hat die Mannschaft den Mount Everest bestiegen: Aufstieg in die 2. Liga - die Gegner heißen jetzt Genua, Venedig oder Turin. An dieser Stelle klinkte sich Ende 1996 der amerikanische Bestsellerautor und Fußballfanatiker Joe McGinniss ein: Er verliebte sich in die Zwergentruppe, ließ sich in besagtem Dorf nieder und schrieb auf, was im Laufe eines Jahres passierte.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 01.07.2000

Was Fußball alles ist - Krieg? Geschäft? Leidenschaft? Religion? - fragt sich Ludger Lütkehaus, und hat sich Antworten beim Amerikaner McGinnis geholt, der ein Jahr lang in der italienischen Provinz lebte, um diese Frage zu beantworten. Dabei ist dem "angesehenen Publizisten" McGinnis ein "sehr persönlich gefärbter Erfahrungsbericht?gelungen und zugleich "ein Stück fußballerischer Dokumentationsliteratur", meint Lüdkehaus. Beschrieben wird der fast wundersame Aufstieg eines kleinen Clubs in den Abruzzen zur zweiten Liga "Seria B" und sein unaufhaltsamer Absturz aus dem Beinahe-Fußballhimmel. Vielmehr noch aber sind beschrieben die Spieler und ihre Familien, die "glückselige Anarchie Fußball", das "Kollektivereignis", die Leidenschaft des Miterlebens und -erleidens, aus der sich auch der Autor nicht heraushält. Aber das "Märchen" wird entzaubert durch die "mafiosen cosa nostra", an die Korruption verraten, und alle machen mit, - außer dem Autor, der dies, trotzdem es ihm "nahegelegt" wird, nicht verschwiegen hat. Darüber hat Ludger Lütkehaus sich gefreut, weil "die Literatur" es im Unterschied zum Fußball "einmal wieder mit der Wahrheit hält".
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 23.06.2000

Ein Amerikaner, der des Fußballs wegen für ein Jahr nach Italien zieht, ist ungewöhnlich genug. Noch erstaunlicher, dass das 500-Seitenbuch, das er darüber schreibt, den Rezensenten Ludger Lütkehaus an ein "mit Leidenschaft geführtes gutes Fußballspiel" erinnert. Spiel für Spiel wird das Zweitligajahr des Dorfvereins Castro del Sangre nachverfolgt - und es wird Lütkehaus kein bisschen langweilig. Beeindruckend geschildert findet er das alles andere als glückliche Ende der Geschichte, bestehend aus Korruption, Mafia und Abstieg - ein Buch, so der Rezensent, das "unvermutet einmal wieder auf die Wahrheit pocht".
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