In einem reichen Land

Zeugnisse alltäglichen Leidens an der Gesellschaft
Cover: In einem reichen Land
Steidl Verlag, Göttingen 2002
ISBN 9783882438413
Gebunden, 640 Seiten, 34,00 EUR

Klappentext

Herausgegeben von Günter Grass, Daniela Dahn und Johano Strasser. Die hier versammelten "Zeugnisse alltäglichen Leidens an der Gesellschaft" von Beiträgern aus den unterschiedlichsten Berufssparten beleuchten materielle und soziale Notstände in der Republik, lassen Straßenkinder, Aussiedler, Selbsthilfegruppen zu Wort kommen, begleiten Gerichtsvollzieher und rechte Hooligans, schildern die Sisyphosarbeit von Ärzten und Sozialarbeitern, die Kompromisse, die Journalisten und Politiker eingehen müssen, beschreiben aber auch einfach nur die Situation von Frauen in Ost und West und immer wieder Einzelschicksale, die repräsentativ für die Gesellschaft sind.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 07.01.2003

Vor zehn Jahren erschien Pierre Bourdieus Studie "Das Elend der Welt", das seinen Erfolg dem genauen Blick des Soziologen verdankte, der seinen Lesern die ganz alltägliche Misere der Vorstädte, der Arbeitslosen, der Immigranten vor Augen zu führen in der Lage war. Wie Bourdieu wollen auch Grass, Dahn und Strasser mit ihrem Buch "Zeugnisse alltäglichen Leidens an der Gesellschaft" präsentieren und versammeln dafür fünfzig Beiträge von mehr oder weniger bekannten Journalisten: Momentaufnahmen aus Arbeitswelt, Justiz und Familie, Erfahrungen aus dem Leben jenseits der Armutsgrenze, aus Ost und West. Doch mit ihrem französischen Vorbild vebindet die deutsche Version kaum mehr als der Untertitel, meint die enttäuschte Rezensentin Sonja Asal. Zum einen liege es daran, dass die bei Bourdieu noch wirkende "Faszination für Tonbandaufnahmen" durch die "literarische Verdichtung" ersetzt wurde, zum anderen daran, dass es nur wenigen Reportagen gelinge, zu erzählen, ohne zu erklären, moniert Asal. Denn an vielen Stellen könne das Buch Grass' eigenen Anspruch nicht einlösen, "ganz auf das Konzept des Verstehens, nicht des Besserwissens zu setzen". Offenbar, vermutet Asal, hat man den Äußerungen der porträtierten Menschen nicht das Anklagepotenzial zugetraut, das die Herausgeber erzielen wollten.
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