Iman Humaidan Junis

Andere Leben

Roman aus dem Libanon
Cover: Andere Leben
Lenos Verlag, Basel 2013
ISBN 9783857874239
Gebunden, 188 Seiten, 19,90 EUR

Klappentext

Aus dem Arabischen von Regina Karachouli. Myriam ist fast vierzig, als sie erstmals wieder ihre Heimat besucht. Fünfzehn Jahre sind vergangen, seit sie mit ihren drusischen Eltern vor dem Bürgerkrieg im Libanon nach Australien flüchtete. Ihr Bruder wurde von einer Granate zerfetzt, der Vater verlor den Verstand, die Mutter erlitt einen Schock und spricht seither kaum mehr. Der Anlass ihrer Reise nach Beirut ist der Verkauf des elterlichen Hauses, doch der eigentliche Grund ist Heimweh nach dem Land ihrer Jugend. Ihre Großmutter und ihre schwerkranke Freundin Olga, mit der sie all die Jahre korrespondiert hat, leben noch immer hier. Auch ihre große Liebe Georges ist hier verschollen. Vieles hat sich in ihrer Abwesenheit verändert. In der Stadt herrscht eine fieberhaft-hektische Aufbruchstimmung, die die Kriegsgräuel vergessen machen will. Doch Myriam will sich erinnern…

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 13.08.2013

Enttäuscht zeigt sich Angela Schader vom dritten Buch der Libanesin Iman Humaidan. Die Mitte der 90er Jahre in Beirut angesiedelte Geschichte um eine junge Emigrantin, die in ihre Heimat zurückkehrt und deren Denken um ihre Familiengeschichte und die so verschiedene Gegenwart kreist, vermag Schader nicht mitzureißen. Für die Rezensentin liegt das vor allem daran, dass es der Autorin nicht gelingt, eigentlich gewichtige Themen, wie etwa die Frage nach den Tätern und den Opfern oder nach der moralischen Bewertung der Emigration, überzeugend und entsprechend substanziell anzupacken.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 04.07.2013

Der Roman "Andere Leben" der libanesische Schriftstellerin Iman Humaidan greift ein Gefühl vieler Exilanten auf, die mit ihrer Heimat auch die Erinnerungen an sie hinter sich lassen wollten, berichtet Kersten Knipp. Myriam, Humaidans Erzählerin, erkennt in der Verweigerung ihrer Mutter, Arabisch zu sprechen, den Versuch, sich in der neuen, fremden Sprache vor ihren Erinnerungen zu verstecken, die Jahre des Bürgerkriegs für sich auszulöschen. "Der Preis der Vielsprachigkeit" ist die Entfremdung, weiß Myriam, erklärt die Rezensentin. Myriam reist nach Beirut, doch auch hier fühlt sie sich fremd und stört sich an den hastig übertünchten Spuren alter Kämpfe, beschreibt Knipp. Humaidan ist ein feinfühliger Roman über Beirut nach dem Krieg gelungen, findet sie.
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