Hubert Wolf (Hg.)

Römische Inquisition und Indexkongregation. Grundlagenforschung: 1814-1917

Band I: Römische Bücherverbote
Ferdinand Schöningh Verlag, Paderborn 2005
ISBN 9783506717221
Gebunden, 604 Seiten, 98,00 EUR

Klappentext

Brennende Scheiterhaufen, Ketzerverfolgungen und verbotene Bücher - das gehört im landläufigen Bewusstsein zur Inquisition. Kaum ein anderes Phänomen der Kirchengeschichte weckt so viel Interesse und ist mit so vielen Vorurteilen belegt. Nicht umsonst hat Johannes Paul II. in seinem Schuldbekenntnis zum Heiligen Jahr 2000 um Vergebung gebeten für die "Methoden der Intoleranz", die im Namen der Inquisition ausgeübt wurden. In einem groß angelegten Forschungsprojekt, gefördert von der Deutschen Forschungsgemeinschaft, wird nun eine Aufarbeitung der Jahrhunderte dauernden Geschichte der Römischen Inquisition (1542 bis 1966) angegangen. Ein Schwerpunkt liegt auf der Buchzensur. Wissen, wie es besonders durch Bücher verbreitet wurde, zu kontrollieren und zu kanalisieren, das versuchte auch und gerade die katholische Kirche. Dafür wurden eigens zwei Kongregationen eingerichtet: die berühmte "Inquisition" und die "Indexkongregation". Für das 19. Jahrhundert legt die Münsteraner Forschergruppe nun sieben Bände "Grundlagenforschung" vor.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 31.10.2005

Sehr beeindruckt zeigt sich Rezensent Wolfgang Reinhard von diesem "Großprojekt" des katholischen Kirchenhistorikers Hubert Wolf und seiner zahlreichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, das Licht in das Dunkel der römischen Inquisition bringen soll. In den inzwischen vorliegenden Bänden geht es Reinhard zufolge vor allem um die Buchzensur der römischen Indexkongregation, die im Laufe ihres Bestehens knapp 6000 Druckwerke verurteilte. Allein die durchgängige Identifizierung der Autoren und Buchtitel, wie sie schon früher von Franz Heinrich Reusch, Joseph Hilgers und Jesus Martinez de Bujanda unternommen wurde, würdigt Reinhard als "Herkulesarbeit". Wolfs Unternehmen aber gehe aber weit darüber hinaus, will es doch durch detaillierte Inventarisierung die gesamte Aktivität der römischen Buchzensur von den Anfängen bis zur Zeitgrenze der Archivöffnung erschließen. Reinhard hält fest, dass das Riesenwerk erst dann vollständig benutzbar sein wird, wenn im nächsten Jahr ein Indexband erscheint, mit dem vor allem die Autoren und ihre Werke rasch zu finden sein werden. Doch schon beim Durchblättern stoße man auf viele interessante Namen. Neben bekannten Theologen finden sich darin zahlreiche Autoren, Philosophen, Schriftsteller, Politiker, Esoteriker und andere mehr. "Wolf und sein Team erschließen der Forschung offensichtlich für viele Jahre eine 'Goldmine' an Quellen zum Thema katholisches Christentum und moderne Welt", resümiert der Rezensent, "die ihren stolzen Preis wert ist".
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