Hier spricht Berlin

Geschichten aus einer barbarischen Stadt
Cover: Hier spricht Berlin
Kiepenheuer und Witsch Verlag, Köln 2003
ISBN 9783462033427
Kartoniert, 208 Seiten, 8,90 EUR

Klappentext

Kurze und grausame Geschichten aus dem Leben derer, die neu sind in Berlin. Geschichten von Menschen, die nach Berlin gekommen sind, weil es sich so ergeben hat. Sie sind nicht nach Berlin gezogen, weil da die Hauptstadt war oder der Hype oder die Hoffnung auf eine Abwechslung. Sie sind nach Berlin geworfen worden. Und genauso fühlt sich die Stadt jetzt an: böse und barbarisch. Sie erzählen von Erfahrungen, die man nur in Berlin machen kann, dem einzigen Ort in Deutschland, wo man sich manchmal nach Sibirien sehnt. Sie erzählen von Menschen, denen man nur in Berlin begegnen kann: jede Menge Schnauze, nirgendwo Manieren, und wenn da ein Herz ist, ist es gut versteckt.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 17.11.2003

Jens Bisky gibt zu, dass er sich bei der Lektüre dieser Geschichten aus Berlin, die die fünf Redakteure der FAZ hier versammelt haben, durchaus amüsiert hat. Er betont, dass die Vorhaltungen, die in diesem Buch an die Stadt Berlin und ihre Bewohner gerichtet sind, "ihre Richtigkeit" haben, ja sie müssen nach Biskys Dafürhalten auch "mal wieder gesagt werden". Die "Nörgeleien" über das schlechte Wetter, die notorische Unfreundlichkeit und "Großmäuligkeit" der Berliner, den schlechten Geschmack und die Provinzialität habe ihre Berechtigung, bestätigt der Rezensent, doch stört ihn die "Selbstzufriedenheit" mit der diese Vorwürfe vorgetragen werden. Auch die Lücken im Stadtplan der Autoren und der Autorin fallen ihm auf und für ihn entsteht so ein "Bild der freudlosen Enge" zwischen Prenzlauer Berg, Mitte und Charlottenburg, das dem ganzen Berlin nicht ganz gerecht wird. Trotzdem, die "Pointen" treffen ins Schwarze, räumt Bisky ein, und er gibt zu, dass er sich arg beherrschen musste, um bei seiner Lektüre nicht "laut aufzulachen".
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Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 15.11.2003

Eigentlich recht lobenswert findet Gerrit Bartels die Idee einiger Redakteure der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung, ihr Fremdsein in Berlin zu thematisieren und der Stadt und ihren Eigenheiten aus der Perspektive eines Fremden auf den Zahn zu fühlen. Zumindest gefällt ihm dieses Vorhaben besser als der anbiedernde Tonfall der neu Zugezogenen, die so tun, als wären sie immer schon da gewesen. Doch letztendlich komme bei diesem netten Versuch nicht viel raus - dass Berlin eine "Dienstleistungswüste" ist und "die Kontrolleure aussehen wie die letzten Penner", sei ja keine große Überraschung. Den Prenzlauer Berg und Mitte haben die Autoren jedenfalls nicht verlassen, um mal wirklich was Überraschendes zu erleben: "So borniert, so gerecht, so unaufregend also diese Geschichtchen". Dabei gibt es laut Bartels selbst im Prenzlauer Berg beschreibenswerte Parallelwelten zu entdecken: die Autoren hätten "mal samstagabends das Café Prenzlau besuchen sollen, Faschos gucken".

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 03.09.2003

Susanne Ostwald kann dem in letzter Zeit "zur überaus populären Pose gewordenen Berlin-Bashing", das Claudius Seidl und vier seiner Kolumnisten-Kollegen von der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung mit diesem Buch betreiben, nicht viel abgewinnen. Klar, die Autoren stießen dabei auf Berlin-Typisches, den unfreundlichen Umgangston etwa, doch der Substanz der Stadt näher kämen "die monologisierenden Nörgler" damit nicht. Eher zeigten sie, dass sie beleidigt darüber sind, dass die Stadt nicht ihren Projektionen entspricht. Damit werden sie, bemerkt die Rezensentin, zu "spießbürgerlichen, kleinkarierte Kritikern der - eben: von ihnen beklagten Spießbürgerlichkeit und Kleinkariertheit". Dabei gehen sie mit der selben Vehemenz vor, die sie vor ein paar Jahre noch positiv eingesetzt haben: "Wo früher lustvoll nach Rosinen gepult wurde, wird jetzt jedem Haar in der Suppe nachgespürt, und so manchem wird es hineingestreut", so das gelangweilte Fazit der Rezensentin.
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