Haruki Murakami

1Q84

Buch 1 und 2. Roman
Cover: 1Q84
DuMont Verlag, Köln 2010
ISBN 9783832195878
Gebunden, 1021 Seiten, 32,00 EUR

Klappentext

Aus dem Japanischen von Urusla Gräfe. 1984. Aomame hat zwei verschieden große Ohren. Beim Rendezvous mit einem reichen Ölhändler zückt sie eine Nadel und ersticht ihn - ein Auftragsmord, um altes Unrecht zu sühnen. Tengo ist Hobby-Schriftsteller. Er soll einen Roman der exzentrischen 17-jährigen Fukaeri überarbeiten, damit sie einen Literaturpreis bekommt. Der Text ist äußerst originell, aber schlecht geschrieben - ein riskanter Auftrag. Aomame wundert sich, warum die Nachrichten ihren Mord nicht melden. Ist sie in eine Parallelwelt geraten? Um diese Sphäre vom gewöhnlichen Leben im Jahr 1984 zu unterscheiden, gibt Aomame der neuen, unheimlichen Welt den Namen 1Q84.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 15.10.2011

Nach Ansicht von Rezensent Andreas Platthaus bestätigt der dritte Teil von "1Q84", was seine Vorgänger bereits versprachen: die Lektüre von Haruki Murakami ist ein Gewinn. Auch dieser Teil, so berichtet der Rezensent, spielt wieder in der mit 1Q84 bezeichneten Parallelwelt, erzählt also eher eine fantastische, als eine dezidiert japanische Geschichte. Dies ermögliche Murakami von allgemein menschlichen Verhaltensweisen zu erzählen, so handele der dritte Teil dieses gewaltigen Romanprojektes - endlich - vom Triumph der Liebe zwischen der Auftragskillerin Aomame und dem Schriftsteller Tengo Kawane. Bis es so weit ist, so lässt der Kritiker wissen, muss erneut gegen die bereits aus den Vorgängern bekannte Sekte gekämpft werden, in diesem Fall gegen die neu eingeführte Figur des Ushikawa, der schließlich in der "stärksten Szene" dieses Bandes auf grausame Weise ermordet wird.  Entsprechend unverblümt und pathetisch erscheinen dem Rezensenten auch Murakamis inzwischen fast traditionelle, offenherzige Schilderungen von Sexualakten. Platthaus würdigt Murakami als "Pathologen", dem es wie keinem japanischen Schriftsteller zuvor gelinge, unter die Oberfläche der heimatlichen Gesellschaft und Kultur zu blicken. Und auch für die Ursula Gräfes Übersetzung kann der Kritiker nur lobende Worte finden.
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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 09.12.2010

Auch wenn Rezensentin Iris Radisch sich nicht mehr an all die Wendungen erinnern kann, die Haruki Murakamis 1000-seitige und offenbar mit erheblichem "Kolportageaufwand" verfasste Roman nimmt, sie hat ihn genossen. Aber wichtiger noch als die Geschichte um die beiden Hauptfiguren, die Fitnesstrainerin Aomame mit "superfemininer Killertechnik" und der "von der Welt verschmähte Schattenintellektuelle" Tengo, sind ihre die Stimmungen, die der Roman verbreitet. Sehr eindrücklich ist ihr zum Beispiel die große Stille, also würde eine "schallgedämpfte Romanlimousine" durch Tokios Straßenschluchten rollen. Aber auch die tristesse globale, die Leere der Figuren, die Desillusioniertheit haben es ihr in Murakamis Manier, einem "formvollendeten Achselzucken", angetan, so dass sie abschließend nur seufzend und trauernd registrieren kann, dass die sinnstiftende Funktion der Literatur im modernen Roman nur noch als Parodie möglich ist.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 13.11.2010

Eine faszinierende Geschichte, abgespeckter Stil und eine tolle Übersetzung machen den neuen Roman für Haruki Murakami für Susanne Messmer zum nobelpreisverdächtigen Ereignis. Erst mit diesem Buch hat es der japanische Autor aus ihrer Sicht wirklich geschafft, an seinen Roman "Naokos Lächeln" anzuschließen, der 1987 sein Durchbruch gewesen sei. In gewisser Weise schließe der Tausend-Seiten-Roman sogar an "Naokos Lächeln" an, lesen wir, und zwar an die Frage, was genau mit dem geheimnisvollen Mädchen geschehen sei. Denn die junge Heldin war plötzlich von einer psychischen Krankheit zerstört worden. Das neue Buch nun handelt von Menschen mit merkwürdigen Orientierungsschwächen, von einem Mädchen, das über ihre Flucht aus einer Sekte schreibt, Gewalt, Kindesmissbrauch, kurz: einer ebenso unheimlichen wie unübersichtlichen Welt. Im Zentrum zwei Menschen, lesen wir, ein Mann und eine Frau, die in einem Vakuum leben, das sie nicht zueinander finden lässt. Zwei Helden, die dem Eindruck der Kritikerin zufolge erst einsamer und schließlich orientierungsloser als alle bisherigen Murakami-Figuren sind.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 11.11.2010

Lisette Gebhardt kann zumindest uneingeschränkt festhalten, dass der über 1000 Seiten umfassende Roman "1Q84" entspannende Unterhaltungslektüre abgibt. Allerdings kann sie die japanische Kritik, die Murakami Seichtigkeit und einen "Mangel an Tiefe" vorwirft, nicht von der Hand weisen. Denn auch, wenn sich der monumentale Roman, der von einer ominösen Spezies der "Little People" in einer Parallelwelt und zugleich die Geschichte der "Superfrau" Aomame und ihrer Jugendliebe Tengo erzählt, außerordentlich flüssig liest, überzeugt er die Rezensentin nicht vollends. Der japanische Erfolgsautor verarbeitet darin einerseits den Anschlag der Aum-Sekte von 1995, erklärt die Rezensentin, die hier aber Plausibilität der Figurenmotivation vermisst. Die Liebesgeschichte, die der Roman auch sein will ist ihr dann zu unausgewogen. Gegenüber der zunächst sehr plastisch dargestellten Aomame erscheint ihr der Schriftsteller Tengo allzu blass. Dass Aomame während einer geheimnisvollen Schwangerschaft gar zum "ängstlichen Mutterwesen" mutiert, ärgert die Rezensentin, zumal sie von Murakami auch noch mit weitschweifigen Schwangerschaftsinformationen "belehrt" wird. Sie erkennt im japanischen Bestsellerautor einen "Global Player", der zwar mit seinen millionenstarken Auflagen japanisches "Ansehen" und die "Wirtschaft" stärkt, ihn aber noch lange nicht zum "zweiten Dostojewski" werden lässt, wie sie betont.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 19.10.2010

Haruki Murakamis jüngstem, 1000-seitigen Roman widmet Burkhard Müller eine begeisterte Kritik. Eingehend beschreibt er die die Geschichte um die Killerin Aomame und den Lektor Tengo, die sich als 10-Jährige aus den Augen verloren haben und sich doch je für die Liebe ihres Lebens halten. Weder an den zwei Handlungssträngen um die beiden Hauptfiguren, die sich erst spät im Roman verknüpfen, noch an Murakamis Sprache liegt es nach Meinung des Rezensenten, dass der Leser so enorm gefesselt ist. Überhaupt fällt Müller auf, wie affektarm und einfach die Sprache des japanischen Autors ist, er lobt die "Frische und Schlichtheit" seines Stils, und trotz der Länge des Romans attestiert er ihm, kein Wort zu viel zu verlieren. Das eigentlich Packende aber entdeckt der Rezensent in den Figuren, denen der Autor mit "geradezu mütterlicher Liebe" begegnet und die in ihrer Einsamkeit etwas ungemein Rührendes haben, wie Müller findet. Manches fantastische Element und auch die Anspielung auf Georg Orwells "1984" findet Müller allerdings überflüssig. Für sein Werk, das stellt Müller aber klar, hätte Murakami durchaus den Nobelpreis verdient, nicht zuletzt, weil er aus der für westliche Leser rätselhaften japanischen Literatur "Geheimnisse für die ganze Welt" macht, wie der Rezensent schwärmt.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 16.10.2010

Über tausend Seiten lang ist Rezensent Andreas Platthaus in eine Parallelwelt aus Religion und Musik, Mord, Betrug und Kindesmissbrauch und zugleich fantastischen und japanischen Motiven hinabgestiegen und sehr fasziniert wieder aufgetaucht. Kunstvoll sei es, wie Haruki Murakami all diese Elemente in seine Geschichte über die Auftragskillerin Aomame, den Schriftsteller Tengo, das literarische Nachwuchstalent Fukaeri und ihren Mentor Komatsu verwebe. Im Vordergrund stehe dabei die spannende Kriminalhandlung um die Geschehnisse in einer Sekte, zugleich überzeuge der Roman aber auch durch anspruchsvolle "metatextuelle Qualitäten": Tengos Reflexionen über seine literarische Tätigkeit oder der Aufbau des Romans nach dem Prinzip von Bachs "Wohltemperierten Klavier". Mit vor Begeisterung "stockendem Atem" hat der Kritiker Murakamis Personenschilderungen gelesen und ist dabei zutiefst beeindruckt von der der japanischen Ästhetik entsprechenden Sprachökonomie des Autors.
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