Gustave Flaubert

Bouvard und Pecuchet

Roman & Das Wörterbuch der Gemeinplätze
Gerd Haffmans bei Zweitausendundeins, Frankfurt am Main 2004
ISBN 9783861505341
Gebunden, 463 Seiten, 24,90 EUR

Klappentext

Aus dem Französischen von Caroline Vollmann. Eine Enzyklopädie der menschlichen Dummheit wollte Gustave Flaubert mit diesem Roman vorlegen, der sein letzter wurde. Im 1. Kapitel lernen sich Bouvard und Pecuchet auf einer Parkbank in Paris kennen, zwei Bürobeamte und ein unsterbliches Gespann. Es ist Geistesverwandtschaft auf den ersten Blick. Eine Erbschaft Bouvards und die Pension Pecuchets ermöglichen es den beiden, künftig von den Zinsen ihrer Einkünfte zu leben, sie ziehen aufs Land und wollen sich ganz dem Erwerb und der Vertiefung des menschlichen Wissens widmen. Sie beginnen, im 2. Kapitel, mit Gärtnerei und Landwirtschaft, inklusive Weinanbau und Branntweinbrennen. Was, im 3. Kapitel, zur Chemie, Medizin, Geologie und Astronomie führt. Sechs Monate später, im 4. Kapitel, sind sie Archäologen, dann Historiker. Dies leitet, im 5. Kapitel, zum historischen Roman weiter, zur Literatur in all ihren Formen, diese zu ästhetischen Theorien und zur Philosophie. Politik und die Suche nach der gerechtesten Staatsform beschäftigen die Helden im 6. Kapitel: Politik, ein schöner Dreck.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 15.03.2005

Andreas Dorschel verreißt das Spätwerk Flauberts mit ähnlicher Gnadenlosigkeit, wie er sie Flaubert als Verfasser dieses Buches attestiert. Flaubert wollte, glaubt Dorschel, die anmaßende Beschränktheit der Wissenschaft geißeln, die sich hinter Spezialdisziplinen verschanzt und zur eigentlichen Erkenntnis wenig beiträgt. In den zehn streng parallel aufgebauten Kapiteln entlarven die Protagonisten jeweils einen Fachbereich als immer gleichen Mummenschanz. Aber "ewig und unaufhörlich in allem das Gleiche sehen, das ist selbst Dummheit", meint Dorschel. Richtig "unheimlich" findet er, dass Flaubert es gestatte, dass diese Dummheit auf ihn abfärbte, obwohl er meinte, sie erkannt zu haben. Und allen Apologeten, die aus dem parallelen Aufbau die Modernität des Bands herauslesen wollen, erwidert er, dass zumindest "bereits hier das Konzept die Kunst stranguliert". Ungeachtet der entgegengesetzten Intention Flauberts hält Dorschel das Ganze für ein "Trostbuch" des modernen Menschen, der darin bestätigt wird, nichts kennen zu müssen, weil alles im Vornherein als leer entlarvt sei.
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