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Gerhard Fritsch

Katzenmusik

Roman
Cover: Katzenmusik
Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 2006
ISBN 9783518457801
Kartoniert, 126 Seiten, 6,50 EUR

Klappentext

Mit einem Nachwort von Robert Menasse. In Frauenberg, einem kleinen österreichischen Kur- und Wallfahrtsort, bezieht Thomas Swedek im Hotel Kaiserin Elisabeth ein Zimmer. Er wohnt gratis, als Gegenleistung dafür, dass er sich bereit erklärt hat, für die Tochter des Hoteliers eine Doktorarbeit zu schreiben mit dem schönen Titel: 'Das Motiv des Kuraufenthalts in Heilbädern der deutsch-österreichischen Alpen in der neueren Literatur unter besonderer Berücksichtigung eigenen Erlebens des Autors'. Natürlich erwartet Swedek für seine Arbeit nicht nur gratis Kost und Logis, sondern auch einen sexuellen Profit, den die Tochter ihm aber nicht gewährt, statt dessen wird Swedek von deren Mutter sexuell ausgebeutet. Allerdings arbeitet Swedek nicht allzu konsequent an dieser Dissertation, er schaut aus dem Fenster, geht im Kurpark spazieren, sitzt auf der Hotelterrasse, macht Beobachtungen, hat Eindrücke, Phantasien, kleine Erlebnisse. Er trifft Kurgäste und Einheimische und macht sich seinen eigenen Reim auf deren Abartigkeiten und erotischen und gesellschaftlichen Perversionen. Auch in den Kurorten und Sanatorien zeigt es sich: Die Welt ist keine Heilstätte.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 19.09.2006

In eine Galerie von Superlativen meißelt Rezensent Karl-Markus Gauss seine Begeisterung für einen extrem "witzigen", aber auch extrem dunklen Roman. Wahrscheinlich, mutmaßt der Rezensent, hätte der Autor sein unvollendetes Spätwerk ja noch in Vielem stringenter gemacht, doch gehörten eine uneindeutige Erzählhaltung sowie die metamorphen Figuren eindeutig zum Programm. Wirklich klar scheint nur die Kerngeschichte um den Ghostwriter einer Dissertation zu sein, die es dem Autor mit dem Helden ermögliche, die Philologie der sechziger Jahre ordentlich durch den Kakao zu ziehen. Zum Schwebezustand der Figuren gehörten die von Gerhard Fritsch schon im Roman "Fasching" verwendeten Themen Transvestismus und Transsexualität. Während dort die sexuelle Abweichung Merkmal des Außenseiters sei, charakterisiere sie in "Katzenmusik" den identitätslosen Zustand der Gesellschaft insgesamt. Was Gerhard Fritsch aber genau gewollt und geplant habe, bleibt aus Sicht des Rezensenten so nebelhaft wie das Buch selbst. Es hinterlasse jedenfalls einen "schmerzlich schrillen" Eindruck.