Gehirn und Denken

Kosmos im Kopf
Hatje Cantz Verlag, Ostfildern 2000
ISBN 9783775709385
Broschiert, 226 Seiten, 34,77 EUR

Klappentext

Mit ca. 120 Abbildungen und Beiträgen von Cornelius Borck, Helga de la Motte-Haber, Michael Hagner und Susanne Hahn. Herausgegeben vom Deutschen Hygiene-Museum, Dresden. Katalog zur Ausstellung des Künstlers Via Lewandowsky und des Lyrikers Durs Grünbein im Hygiene-Museum (bis 25. Oktober 2000). Der Künstler Via Lewandowsky hat für die Ausstellung siebzehn Räume gestaltet, die an alltägliche Erfahrungen anknüpfen. So wird beispielsweise historisches Wissen über das Gehirn in einem Raum vorgestellt, der wie eine Bibliothek eingerichtet ist. Im "Ballettstudio" wird gezeigt, wie das Gehirn Lebewesen erlaubt, sich im Raum zu bewegen, während im "Gewächshaus" spekulative Themen wie Gehirn- und Kopftransplantationen behandelt werden. In den so komponierten Räumen zeigt die Ausstellung Präparate und Dokumente der Hirnforschung, Testgeräte und interaktive Modelle. Diese Exponate sind assoziativ verknüpft mit Werken von Via Lewandowsky und dem Lyriker Durs Grünbein.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 18.07.2000

Das Gehirn als Setzkasten - das Bild, das uns Wolfgang Müller beschreibt, ist so neu nicht. Ungewöhnlich ist allerdings der Zugriff der beiden von Müller besprochenen Bücher, die sich den Vorgängen im Gehirn, dem Erinnern und den Denken, mit einer Verbindung von Wissenschaft und Kunst nähern.
1) Larry R. Squire & Eric R. Kandel: "Gedächtnis"
Warum ist er nachtragend, fragt sich Wolfgang Müller, und verübelt es heute noch einem taz-Setzer, dass er ihm vor Jahren ein t zuviel in ein Wort geschmuggelt hat. Warum erinnert er sich genau daran und an soviel anderes nicht? Müller empfiehlt - zum Grübeln - dieses Buch, das in wissenschaftlichen Aufsätzen dem Phänomen des Kurzzeitgedächtnisses oder der biologischen Basis von Individualität nachgeht, dabei aber durch zur Seite gestellte Kunstwerke neue inhaltliche Verbindungen schafft. Auch hier gibt es selbstverständlich einen Setzkasten, der von Louise Nevelson stammt und sich in eine Modulansammlung verwandelt, "die das deklarative Gedächtnis aufrechterhält." Was das genau ist, haben wir natürlich vergessen oder - ehrlich gesagt - nie gewußt.
2) Via Lewandowksy, Durs Grünbein: "Gehirn und Denken"
Bis Oktober 2000 sind im Hygienemuseum Dresden Setzkästen in Raumgröße zu beschauen und zu begehen, empfiehlt Wolfgang Müller, in denen die verschiedenen Fähigkeiten des Gehirns durch den Künstler Via Landwosky und den Lyriker Durs Grünbein thematisiert wurden. Ein besonders entspanntes und befruchtendes Verhältnis von Kunst und Wissenschaft konstatiert Müller in diesem Fall. Manchmal ist die Wissenschaft selbst bereits zur Kunst geworden, meint der Rezensent, dem zum Beispiel die alten Präparate von flugunfähigen Fliegenstuben als Kunstobjekte gut gefallen haben. Allen 17 Räumen sind in 17 Kapiteln entsprechend wissenschaftliche und künstlerische Beiträge im Katalog zugeordnet. Und mittenmang das Rasierzeug von Herbert Wehner. Warum, wieso, hat unser Rezensent vergessen zu schreiben.
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