Francis Ponge

L'Opinion changee quant aux fleurs. Änderung der Ansicht über Blumen

Dossier im Faksimile
Urs Engeler Editor, Basel - Weil am Rhein 2005
ISBN 9783905591927
Gebunden, 328 Seiten, 48,00 EUR

Klappentext

Herausgegeben, aus dem Französischen übersetzt, mit einem Kommentar und einem Essay versehen von Thomas Schestag. Im Mai 1954 öffnet Francis Ponge unter der eigentümlichen Überschrift "L'Opinion changee quant aux fleurs" in Paris ein kariertes Spiralnotizheft und beginnt mit der Niederschrift von Aufzeichnungen im Hinblick auf ein kommendes Buch, über das er im Juni 1954 mit Pascal Pia, dem literarischen Leiter der "Editions du Saggitaire", einen Vertrag abschließt. Die Aufzeichnungen aber, in denen Ponge die Änderung der Ansicht über Blumen festzuhalten beginnt, finden nicht nur kein Ende, sondern beschreiben das Scheitern des Vorhabens, die angefangene Änderung (der Ansicht über Blumen) zu Ende zu bringen und in Druck zu geben. Das Manuskript bleibt, unabgeschlossen und unabschließbar, Entwurf. Als habe die (angefangene) Änderung der Ansicht über Blumen auch die Änderung der Ansicht über das kommende Buch, ja über Bücher überhaupt, in Gestalt von Florilegien, Anthologien, Blütenlesen, oder in Gestalt von Sammlungen getrockneter, gepreßter und gebundener oder loser Blätter angegriffen.
Erst 14 Jahre später, im Frühjahr 1968, hat Francis Ponge, unter dem selben Titel, Auszüge aus dem handschriftlichen Material in der Zeitschrift "L'Ephemere" erscheinen lassen. Das vorliegende Buch (ein Buch am Rand all dessen, was jemals als Buch gegolten hat) legt zum erstenmal, aus dem Nachlass herausgegeben, im Faksimile der Handschrift jene Blätter vor, die nicht einfach ein unabgeschlossenes poetisches und poetologisches Projekt dokumentieren, das einer der bedeutendsten französischen Dichter des 20. Jahrhunderts hinterlassen hat, sondern die - darin liegt das Unerhörte dieser Seiten - der überlieferten Auffassung vom Dichten im Zeichen des griechischen poiein (herstellenden Verfertigens im Hinblick auf ein fertiges Gedicht) Änderungen eintragen, die den Willen zur Fertigkeit im Umgang mit Sprache wie mit allem, was durch Sprache ausgedrückt schien, aus der Fassung bringen.
Die Edition des handschriftlichen Dossiers wird von einem philologischen Kommentar mit Teiltranskriptionen und Erläuterungen, vom Abdruck der französischen Auszüge in der Zeitschrift "L'Ephemere", ihrer deutschen Übersetzung und einem Essay des Herausgebers begleitet.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 04.03.2006

Der Rezensent Paul Jandl ist hin und weg von der "schönen und luxuriösen" Gestalt, in der die zweisprachige Ausgabe von Francis Ponges "Änderung der Ansicht über Blumen" daherkommt. Wie schon der Titel erahnen lasse, habe sich Ponges Ansicht über Blumen über die Zeit geändert, mit der Folge, dass die in einem Schreibheft versammelten Texte, die einmal ein Buch werden sollten, letztlich unabgeschlossen blieben. Doch Ponges Blumentexte, die selbst ein pflanzliches Leben zu führen scheinen, mal überarbeitet, mal wild wuchernd, wie aus den Faksimile-Seiten ersichtlich wird, sind für den Rezensenten nichts anderes als "ein großes Abenteuer der Poesie". Sehr gefallen hat ihm, dass Ponge sich ganz frisch inmitten des "rhetorisch verblühten Dekors" der Blumenmetaphern bewegt und dabei gleich zweierlei feiert: "das botanische Wunder der Wörter" und "die strenge Poesie der Botanik". Ponges Dichtung, beteuert der Rezensent, ist von nachhaltiger Frische; sie bedarf keiner "künstlichen Beatmung", wie sie der Herausgeber Thomas Schestag in seinem interpretationseinengenden und "erdrückenden" Essay betreibt. Aber das ist für den Rezensenten auch der einzige Wermutstropfen in diesem wunderbar "filigranen" Werk.