Erzählerstimmen

Die Bibliothek der Autoren. 183 Autorinnen & Autoren, 100 Jahre Erzählung im Originalton. 44 CDs
Cover: Erzählerstimmen
DHV - Der Hörverlag, München 2012
ISBN 9783867177429
CD, 149,99 EUR

Klappentext

44 CDs, 3330 Minuten Laufzeit. Herausgegeben von Christiane Collorio, Michael Krüger und Hans Sarkowicz. Die Herausgeber haben in aufwändigen Recherchen in Privatsammlungen und Rundfunkarchiven weltweit eine einzigartige Sammlung zusammengestellt: Mit den frühesten Aufnahmen von Arthur Schnitzler, Albert Paris Gütersloh, Ernst Toller, Jacob Wassermann, Max Brod oder Alfred Döblin beginnt diese Jahrhundertschau der Erzähler und ihrer Geschichten. Mit Friedrich Dürrenmatt, Max Frisch, Thomas Bernhard, H.C. Artmann, Johannes Urzidil, Elfriede Jelinek oder Herta Müller hört sie in ihre sprachlichen Feinheiten. Und mit Michael Lentz, Judith Hermann oder Feridun Zaimoglu stellt sie sich dem Beat der Gegenwart.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 09.10.2012

Fasziniert und schwelgend hat sich Jens Bisky durch die 189 Erzählerstimmen gehört, die die Lektorin Christiane Collorio, der Verleger Michael Krüger und der Rundfunkredakteur Hans Sarkowicz zusammengestellt haben. Geradezu absichtsvoll mutet dem Rezensenten der Zufall an, dass ausgerechnet Siegmund Freud die Anthologie eröffnet, und Bisky erkennt mit Begeisterung, wie nahe die Stimme der Autoren ihre Werke dem Hörer bringt. Die älteste Aufzeichnung stammt von Arthur Schnitzler, die jüngste von Marlene Streeruwitz, dazwischen entfaltet sich ein großer Reichtum von Dialekten und Sprechweisen, die auch lang verstorbene Autoren lebendig werden lassen. Für Bisky ist es verständlich, dass diese Sammlung Lücken aufweist, sei es, weil vom betreffenden Schriftsteller keine Tonaufnahmen existieren (Kafka) oder weil sie in den 44 CDs einfach keinen Platz mehr gefunden haben (Maxim Biller). Trotzdem vermitteln diese Aufnahmen die Fülle und Vielfalt der "Regionen und Schicksale", aus der sich jeder seine ganz persönliche Literaturgeschichte zusammenstellen kann, wie Bisky schwärmt.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 06.10.2012

Dass die "große Gedächtnisleistung der deutschen Literatur" einen saftigen Preis hat, verschweigt Rezensent Wolfgang Schneider. Über die auf 44 CDs archivierten Dichterstimmen allerdings weiß er Einiges zu sagen, Gutes und weniger Gutes. Schneider freut sich über Kraus'sche Satire im Originalton, über den kraftvollen Ton Zuckmayers, das gesungene Wienerisch Heimito von Doderers, die hintersinnige Melancholie Herta Müllers, die Aura der Bachmann, eine "phänomenale" Bernhard-Lesung. Er wundert sich eher über die brüchige Greisenstimme Freuds, den piepsigen Feuchtwanger und die Auswahl der Juli Zeh, die er als Kolportage-Autorin abkanzelt. Insgesamt hält er die akustische Form der Literatur, wie hier anzuhören, für einen Gewinn, etwas, das zukünftige Lektüre verändert. Dass, obgleich die Qualität der hier gelesenen Texte recht unterschiedlich ist, wie Schneider einräumt, hier also kein Kanon vorgestellt wird.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 04.10.2012

Eine "akustische Schatzkammer" hat Rezensent Alexander Cammann mit diesem exzellenten Hörbuch entdeckt, auf dem die Herausgeber die in Tonarchiven aufgespürten Stimmen von 184 deutschsprachigen Autoren und Autorinnen versammelt haben. Nach den herausragenden "Lyrikstimmen" von 2009 zeigen die nun erschienenen "Erzählerstimmen", wie sehr auch die Prosa durch die gesprochene Sprache eine ganz "neue Dimension" gewinnt, meint der faszinierte Kritiker. Gebannt lauscht er etwa der ehrwürdigen Stimme Arthur Schnitzlers oder hört Sigmund Freud, der im Jahre 1938 als 82-Jähriger der BBC seinen Beruf und seine Emigration erklärt. Bestens amüsiert sich Cammann auch mit Alfred Döblin, der die anwesenden Künstler der Berliner Sezession von 1931 attackiert: "Sie sind nicht ganz Leute von heute", zitiert er ihn. Ob Thomas Mann, Ingeborg Bachmann, Judith Hermann oder Daniel Kehlmann - mit diesem Hörbuch erlebt man zahlreiche Überraschungen und kann sich aufs "Angenehmste verlieren", lobt der hingerissene Rezensent.