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Ernst Piper

Alfred Rosenberg

Hitlers Chefideologe
Cover: Alfred Rosenberg
Karl Blessing Verlag, München 2005
ISBN 9783896671486
Gebunden, 832 Seiten, 26,00 EUR

Klappentext

Die Macht im Staat zu erringen, war Alfred Rosenberg nicht genug. Sein eigentlicher Kampf begann erst nach der "Machtergreifung", der Kampf um die Seelen der Menschen. Wer die ideologische Formierung des NS-Staates verstehen will, kommt an Alfred Rosenberg nicht vorbei. Nach bescheidenen Anfängen als völkischer Publizist und Agitator wurde er zum Weltanschauungsbeauftragten eines totalitären Regimes. Ernst Piper hat Archive auf der ganzen Welt aufgesucht und den Lebensweg dieser entscheidenden, von der Forschung bislang vernachlässigten NS-Figur umfassend rekonstruiert.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 08.12.2005

Nicht nur die erste, sondern auch eine "umfassende und gründliche" Biografie des nationalsozialistischen Hofideologen Alfred Rosenberg kann Michael Wildt anzeigen. Ernst Piper bereichere mit seiner differenzierten Darstellung der von Höhen und Tiefen geprägten Laufbahn Rosenbergs in der NSDAP die bisherige "einseitige" Einschätzung, dass der 1946 zum Tode verurteilte Funktionär und dessen "gedankliche Dürftigkeit" mit der Rolle der Ideologie in der Partei gleichzusetzen sind. Vielmehr habe Hitler sich aus taktischen Gründen schon früh vom allzu antichristlichen Rosenberg distanziert und ihn über mehrere Stationen hinweg, vom Kampfbund für deutsche Kultur über eine kurze Berufung zum Außenminister bis hin zum Einsatz als Leiter des Reichsministeriums für die besetzten Ostgebiete aus dem ideologischen Zentrum der NSDAP entfernt. Gerade die letztgenannte Tätigkeit Rosenbergs in den Ostgebieten hätte sich Wildt dann auch etwas umfassender dargestellt gewünscht, da Rosenberg in jener Phase vom bekannten "Mann des Wortes" zum Verantwortlichen für reale Massenexekutionen wurde, eine Rolle, die in der Geschichtsforschung bisher eher wenig Aufmerksamkeit bekommen hat.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 07.12.2005

Beeindruckt zeigt sich Rudolf Walther von Ernst Pipers Biografie über Hitlers Chefideologen Alfred Rosenberg. Überzeugend findet er insbesondere die "minutiöse Rekonstruktion" der Rolle Rosenbergs zwischen 1919 und 1945, die der Autor bietet. Zustimmend äußert er sich auch über Pipers kritische Auseinandersetzung mit der Bewertung Rosenbergs nach dem Krieg und der schleichenden Rehabilitation seiner intellektuellen Zuarbeiter, die nach 1945 von ihrem Mitwirken an der Vernichtung der europäischen Juden nichts mehr wissen wollten. Walther berichtet über die wichtigsten Stationen in Rosenbergs Karriere, insbesondere über seine Aktivitäten beim "Einsatzstab Reichsleiter Rosenberg", der mit dem Raub von Büchern und Kunstwerken in den besetzten Gebieten befasst war. Insgesamt würdigt er Pipers Arbeit als eine "gründliche Studie", die nicht nur viel Neues enthalte, sondern auch über die Machart von Rosenbergs ideologischen Konstrukten "vorzüglich" informiere. Einziger Wermutstropfen für Walther ist die gelegentliche Überfrachtung des Buchs mit Informationen, die das Verdienst des Autors allerdings nicht schmälere.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 23.11.2005

Für einen erfolgreichen Schurken war Alfred Rosenberg einfach zu wenig flexibel, stellt Rezensent Klaus Hildebrand nüchtern fest. Als beispielsweise Hitler seinen Pakt mit der Sowjetunion abschloss, sei Rosenbergs Hasssystem mit seiner Russenfeindlichkeit überfordert gewesen. Zuvor sei er schon "auf der ganzen Linie gescheitert" bei seinem Versuch, vom "Beauftragten des Führers für die Überwachung der gesamten geistigen und weltanschaulichen Schulung und Erziehung der NSDAP" zum Außenminister aufzusteigen. Der Historiker Ernst Piper gehe in seiner Studie davon aus, so Hildebrand, dass Rosenberg mit seinem Auftreten vor dem Nürnberger Kriegsverbrechertribunal gewissermaßen selbst den 'Mythos' vom "weltfremden Tolpatsch" inszeniert und begründet habe. Summa summarum und trotz einer gewissen "Langatmigkeit des Textes" könne der Autor in seiner "Rekonstruktion" von Rosenbergs Biografie aber keine neue oder gar entgegengesetzte Sichtweise liefern. Am Ende bleibe "ein Bild der politischen Ohnmacht", auch wenn die Studie manches korrigiere oder ergänze, befindet der Rezensent.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 16.11.2005

Dieses Buch, prophezeit Ulrich Teusch, dürfte auf lange Sicht die "maßgebliche Studie" zu Alfred Rosenberg bleiben, Hitlers "Weltanschauungsbeauftragten" und Chef des "Völkischen Beobachter". Als "zuverlässig, souverän, auf breitester Literatur- und Quellenbasis geschrieben" lobt Teusch die Arbeit, die erste repräsentative Biografie des bei den Nürnberger Prozessen zum Tode verurteilten Rosenberg. Vielversprechend findet er den Ansatz, weg von der Struktur- und Institutionengeschichte das Augenmerk auf den ideologischen Charakter des NS-Regimes zu richten. Allerdings hat der Rezensent auch Einwände anzumelden: So kann ihn Piper nur bedingt überzeugen mit seinem Versuch, die Rolle Rosenbergs als "Hitlers Chefideologe" neu zu gewichten. Hier, meint Teusch, komme Piper "über Indizien oder begründete Spekulationen" nicht hinaus. Denn, so stellt Teusch in den Raum, wäre es doch die Rolle eines Chefideologen, die Ideologie der politischen Lage anzupassen und sie entsprechend zurecht zu biegen? "Genau dies war Rosenbergs Sache nicht". Weiteres Manko: Mit einem "exorbitanten Umfang" von 832 Seiten ist ihm das Buch einfach zu lang.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 18.10.2005

Eine "fast schon monumentale" Biografie, ein "Porträt im Weitwinkel" sozusagen ist dieses Buch. Rezensent Christian Jostmann rühmt Ernst Pipers im vollen Sinne des Wortes vielseitige Arbeit über den Chefideologen des Nationalsozialismus, den Autor des "Mythus des 20. Jahrhunderts", Alfred Rosenberg. Auch als Studie der NSDAP könne man das Werk lesen, befindet der Rezensent, außerdem zeichne es die komplexen, durchaus auch komplizierten Verflechtungen zu den Nazi-Oberen minutiös nach. Rosenberg galt als "steif, kühl, eitel, arrogant" und agierte mit wenig Fortüne, sei es als Publizist - Goebbels schmähte sein weltanschauliches Hauptwerk als "philosophischen Rülpser" - oder als machtbewusster Bürokrat. All das schildert Piper aus wohltuender "ironischer Distanz", wie Jostmann urteilt: Das bislang "vollständigste Bild" des Chefideologen Hitlers.
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